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Frohe Botschaft mit großer Symbolkraft

Spendenaktion Frohe Botschaft mit großer Symbolkraft

Als die Stadt Kiel Ende 2014 ihre Spendenaktion zugunsten der syrischen Flüchtlinge in ihrer türkischen Partnerstadt Hatay startete, ahnte niemand, wie schnell die Krise vor der eigenen Haustür ankommen würde.

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Mit Kieler Hilfe entstand die Grundschule im Dorf Hacipasha, die bald eingeweiht werden soll. Derzeit werden die Klassenräume möbliert.

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Kiel. Jetzt erhielt Stadtpräsident Hans-Werner Tovar, der die auch von unserer Zeitung unterstützte Aktion zusammen mit Oberbürgermeister Ulf Kämpfer ins Leben gerufen hatte, wieder Post aus Hatay. Mit der Hilfe aus Kiel – fast 130000 Euro waren zusammengekommen – entstand eine Grundschule für syrische Flüchtlingskinder. Sie werde jetzt möbliert und stehe kurz vor der Einweihung, heißt es.

 Für Tovar war dies eine frohe Botschaft mit Symbolkraft: „Es sei gut, wenn die Kinder in der Nähe ihrer Heimat in ihrer Sprache unterrichtet werden – auch mit Blick darauf, ihre Chancen zu erhöhen, um nach Kriegsende mit einer guten Ausbildung zurückkehren zu können.“ Entgegen ursprünglicher Pläne stellte die Stadt Hatay keine Container auf, sondern errichtete ein festes Schulgebäude für vier Klassen im Dorf Hacipasha. Schätzungsweise bis zu 200 Kinder könnten ganzjährig unterrichtet werden von geflüchteten syrischen Lehrern. Für die meisten Kinder wäre es das erste Mal, dass sie in einer Schule lernen.

 Bereits seit Ausbruch des Bürgerkriegs in Syrien vor fünf Jahren unterhält die Türkei, die aktuell von etwa 2,5 Millionen Flüchtlingen im Land spricht, etliche Auffanglager für die Menschen, die aus dem Nachbarland vor dem Leid und der Not flohen. So sind 75000 Flüchtlinge vor den Toren Hatays in Zeltlagern nahe der syrischen Grenze untergebracht. Doch die weitaus größere Zahl – Hatay schätzte sie zum Zeitpunkt der Kieler Spendenaktion auf etwa 250000, mittlerweile sollen es mehr als 310000 sein, darunter ein Drittel Kinder – ist gar nicht registriert. Sie kamen mit einem Besuchsvisum bei Verwandten oder in kleinen Mietwohnungen unter und tauchten nach dessen Ablauf in der Türkei unter. Hatay duldet sie, versucht gemeinsam mit vielen Organisationen zu helfen, versorgt sie kostenlos medizinisch. Aber es gibt für die Nichtregistrierten keinen Schulbesuch, keine Unterstützung bei der Arbeitssuche: Ein Leben im Wartezustand und ohne Perspektive, das absehbar die sozialen Spannungen zwischen Einheimischen und Flüchtlingen verschärft, zumal der Zustrom der verzweifelten Schutzsuchenden in die Region Hatay (1,3 Millionen Einwohner) täglich wächst.

 Hatay bat in der Not, wie berichtet, bei etlichen internationalen Organisationen um Hilfe für die Geduldeten. Doch nur Kiel habe schnell gehandelt statt es nur zu versprechen, dankten die Stadtvertreter Hatays der Delegation unter Leitung Tovars im Januar 2015 überschwänglich, als sie ihnen die Spenden aus Kiel überreichte. Angesichts des Ausmaßes der Flüchtlingskrise sei der Kieler Beitrag zwar finanziell nur ein „Tropfen auf den heißen Stein“, aber ein gutes Zeichen auch mit Blick auf Nachhaltigkeit, sagt der Kieler Stadtpräsident: „Nach unserer Vorstellung ist es der richtige Weg, die Kinder in der Nähe ihrer Heimat und in ihrer Sprache zu unterrichten. Denn wenn es so weitergeht, haben wir eine ganze Generation ohne Schulbildung.“

 Mittlerweile fand das Kieler Modell Nachahmer in Deutschland: Die baden-württembergische Stadt Aalen, seit 20 Jahren Partnerstadt von Hatay (vor der Gebietsreform Antakya), hat nach einer Spendenaktion zusammen mit dem Land 300000 Euro an Oberbürgermeister Lütfü Savas überreicht, um ebenfalls eine syrische Schule für Flüchtlingskinder in der Türkei zu bauen. Der Spatenstich war vor wenigen Tagen.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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