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Letzte Busfahrt durch die Holstenbrücke

Sperrung für 2,5 Jahre Letzte Busfahrt durch die Holstenbrücke

An das erste Mal kann sich der 59-Jährige noch gut erinnern. 37 Jahre später macht er es heute zum letzten Mal. Nur noch dieses eine Mal für lange Zeit wird Hans Bethke sein Fahrzeug, er nennt es Auto, andere sagen Bus, über die Holstenbrücke lenken.

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Hans Bethkes letzte Fahrt über die Holstenbrücke.

Quelle: eis - Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Dabei ist bis jetzt alles wie immer. Akkurat in hellblauem Hemd, roter KVG-Krawatte und blauem Sakko nimmt Busfahrer Bethke hinter dem überdimensionierten Lenkrad Platz, reibt sich die Hände und startet den Motor. Der Mercedes springt an, über zwölf Tonnen setzen sich in Bewegung. Schon kurz nach dieser Fahrt wird aber alles anders sein. Ab Montag ist die traditionsreiche Straße in Kiels Herzen für den Verkehr komplett gesperrt. Eine der Hauptdurchgangsstraßen und eine der drei meist frequentierten Bushaltestellen Kiels sind dann Geschichte. Stattdessen wird eine Baustelle die Stadt zweieinhalb Jahre belasten.

37 Jahre ist es her, dass der Kieler erstmals einen Bus allein und ohne Lehrfahrer, aber mit Fahrgästen durch die Holstenbrücke steuerte. „Damals fuhr hier auch noch die Straßenbahn“, erinnert er sich.

Erst einige Jahre später wurde sie abgeschafft. Bei seiner ersten Tour war Bethke 23 und ziemlich aufgeregt, aber es sei ein tolles Gefühl gewesen. „Ich fuhr die Linie 100“, erzählt er. Bis heute ist die Verbindung zwischen Laboe und Mettenhof seine Lieblingsstrecke. Doch die wird es so ja nun nicht mehr geben. Die weit über 7000 Fahrgäste, die täglich in 1000 Busse in der Holstenbrücke ein-, aus- oder umsteigen, müssen andere Wege und andere Haltestellen nehmen. Hans Bethke natürlich auch.

Zur Kieler Woche macht ihm das Busfahren am meisten Spaß

„Sie können ruhig schreiben, dass etwas Wehmut dabei ist“, sagt er. Vor allem zur Kieler Woche wird es schwer. Das ist die Zeit, in der ihm das Busfahren am meisten Freude bringt. „Dann sind die Leute in Kiel gut drauf.“ Eine ganz besondere Situation gebe es dann in der Holstenbrücke. Zur Kieler Woche ist sie so vollgepfropft mit Menschen wie keine andere Straße. Außenstehende würden meinen, hier käme kein Bus durch. Doch für KVG-Fahrer ist es ein Heidenspaß, ihre schweren Fahrzeug ganz, ganz langsam durch die Menschenwand zu schieben. Doch auch damit ist Schluss. Nie wieder wird hier ein Bus so zentral durch die Masse gleiten. „Leider“, meint Bethke.

Aber am Ende wird sich die jahrelange Straßensperrung wohl doch für den Busfahrer gelohnt haben. 2019 oder 2020 wird er nämlich wieder eine Premiere erleben dürfen. Dann haben nur noch Busse das Recht durch die Holstenbrücke zu fahren. Neben der Busspur liegt das nigelnagelneue Holsten-Fleet. Staus sind natürlich ausgeschlossen. Es wird also bestimmt wieder schön werden, dieses nächste erste Mal.

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