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Spielräume gegen die Angst

Betreuung für Flüchtlingskinder Spielräume gegen die Angst

Noch spielen Arisa (5) und Aida (4) und die anderen Flüchtlingskinder in der provisorisch eingerichteten Ecke mit Puppen und Klötzen. Doch dieses Provisorium in der Gemeinschaftsunterkunft am Schusterkrug soll nach Plänen der Stadt bald einem bundesweit bislang einmaligen Kinder- und Jugendhaus weichen, dessen Konzept sich speziell an Bedürfnissen der Flüchtlingskinder orientiert.

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Noch müssen die Flüchtlingskinder den Kasernenhof des ehemaligen MFG-5-Geländes als Spielplatz nutzen. Ab Juli steht ihnen dafür ein neues Kinder- und Jugendhaus der Stadt zur Verfügung.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. „Unsere Sicherheit hat einen Namen“ steht unter einem Namensschild neben der Tür, hinter der einst ein Personalfeldwebel des MFG 5 sein Büro hatte. Der Satz symbolisiert zugleich Kontinuität und Wandel des Begriffs Sicherheit. In ein paar Monaten werden in den ehemaligen Kasernenräumen im Erdgeschoss Kinder aus Krisengebieten der Welt wieder ohne Angst spielen, toben und sich in der neuen Sicherheit ein Stück Normalität zurückerobern.

 Dafür werden in zwei der insgesamt drei ehemaligen Soldatenunterkünfte in Erdgeschossen jeweils rund 70 Quadratmeter große Areale inklusive Inventar geschaffen – eins für Kinder bis zu sechs Jahren, ein weiteres für ältere Kinder und Jugendliche. Betreut werden beide Gruppen von je zwei Sozialpädagogen, die aber nicht nur für Spiel und Spaß zuständig sind. Ihre Aufgaben umfassen gleich ein ganzes Bündel von Aufgaben: Unterstützung beim Deutschlernen, Kontaktvermittlung zu Schulen, Jugendtreffs, potenziellen Arbeitgebern oder Beratungsstellen. Und Hilfestellung bei der Bearbeitung ihrer Traumata durch Krieg und Flucht.

 „Das Konzept dieser Arbeit wird sich stetig weiterentwickeln, weil es sich vor allem an unterschiedlichen Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen aus den Flüchtlingsfamilien orientiert.“, erklärt die städtische Bildungsdezernentin Renate Treutel bei der Vorstellung des Projekts. Rund 220000 Euro pro Jahr investiert die Stadt in die Finanzierung von vier Sozialpädagogen-Stellen. Ob und in welchem Umfang das Land sich an diesen Kosten sowie an denen für den Umbau der Kasernen inklusive Kinder- und Jugendhaus (insgesamt rund 1,5 Millionen Euro) beteiligt, müssten die anstehenden Verhandlungen noch zeigen.

 Fest steht hingegen, dass die AWO als Träger des Kinderhauses fungiert und sich die Stadt um die Betreuung der Jugendlichen kümmert. Bislang geht die Stadt davon aus, dass bis zu 27 Familien am Schusterkrug für einen Zeitraum von sieben bis neun Monaten unterkommen. Die Anzahl ihrer Kinder im Alter von null bis 18 Jahren schwanke voraussichtlich zwischen 60 und 100. Aus Sicht von Renate Treutel wurden Flüchtlingskinder bislang oft nur als Anhängsel ihrer Familien betrachtet. Dass ihr Nachwuchs jetzt gezielt in den Blick genommen werde, wertet die Dezernentin als große Chance. „Denn je früher wir für Kinder und Jugendliche eine gewisse Normalität herstellen können, desto besser und hoffentlich auch schneller kann Integration gelingen.“

 Gerade für junge Menschen sei nach den Erfahrungen von Flucht und Krieg die Verlässlichkeit zu Bezugspersonen wichtig, die nicht ständig wechselten. Und genau dies stelle das Kinder- und Jugendhaus sicher.

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Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

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