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Spielsucht: Kfz-Meister brach bei Chef ein

Prozess am Amtsgericht Spielsucht: Kfz-Meister brach bei Chef ein

Kfz-Meister mit gutem Einkommen, verheiratet, zwei Kinder: Vieles scheint gut gelaufen im Leben des Angeklagten, besser als bei den meisten, die sonst vor Gericht sitzen. Wäre da nicht die zerstörerische Kraft der Spielsucht, die den 36-Jährigen vom Roulette-Tisch an den Rand des Ruins getrieben hat.

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Ein Kfz-Meister musste sich in Kiel vor Gericht verantworten.

Quelle: dpa

Kiel. Die Diebstahlsvorwürfe, die am Dienstag im Kieler Amtsgericht verhandelt wurden, sind nur die Spitze eines Eisbergs: Im August 2014 hatte der Angestellte einer Kfz-Werkstatt in Kiel nach Geschäftsschluss die Werkstatt mit seinem Dienstschlüssel geöffnet, die Alarmanlage außer Kraft gesetzt und 1800 Euro aus der Geldkassette des Chefs genommen.

„Sehr naiv“ nannte die Richterin die erklärte Hoffnung des Spielers, den gestohlenen Einsatz im Kieler Casino zu vergrößern und später heimlich zurücklegen zu können. Die Roulettekugel zerschlug die Luftschlösser. Die Werkstatteinnahmen zerronnen ihm zwischen den Fingern. Sein Vater, berichtet der Angeklagte, habe ihm einmal mehr geholfen, die Summe zurückzuzahlen.

Nach dem ersten Griff in die Kasse hielt der Arbeitgeber noch an seinem sonst zuverlässigen und fachlich hochqualifizierten Mitarbeiter fest. „Ein richtig guter Chef“, sagt der Angeklagte, „wir hatten eigentlich ein sehr gutes Verhältnis.“ Doch ein halbes Jahr später wurde er rückfällig, setzte dem ersten Vertrauensbruch noch einen drauf, indem er sich mit einem entwendeten Schlüssel heimlich in die Privatwohnung des Arbeitgebers schlich.

Rechtlich wertete das Gericht dieses Vorgehen als Einbruchdiebstahl. Von einem früheren Besuch kannte der Angeklagte den Tatort und wusste, wo Bargeld zu holen war. 1630 Euro ließ er mitgehen. Auch diese Summe ging schnell an die Bank. Doch einen Plan B für die Rückgabe hatte der Spieler diesmal nicht. Über WhatsApp gestand er dem Bestohlenen die Tat. „Ich traute mich nicht, ihm in die Augen zu sehen.“

Die fristlose Kündigung war dessen Antwort. Den zurückgeforderten Arbeitsoverall ist der Dieb dem Geschädigten bis heute schuldig. „Augen zu, Kopf in den Sand“, nennt die Staatsanwältin dieses Verhaltensmuster. Mit dem Urteil, das den Plädoyers von Verteidigung und Anklage entspricht, versucht die Richterin, den Teufelskreis zu durchbrechen.

Die viermonatige Freiheitsstrafe setzte sie auf drei Jahre zur Bewährung aus. Gleichzeitig muss der hochverschuldete Angeklagte, der früher sein Eigenheim verspielt haben will, den Schaden in 50-Euro-Raten wiedergutmachen. Ein Bewährungshelfer soll ihn an die Hand nehmen, seine desolate Finanzlage klären helfen, ein Insolvenzverfahren und Therapiemaßnahmen einleiten. Die Frage nach den Wurzeln der Spielsucht wurde im Prozess nicht ansatzweise berührt.

Bis dahin hat die Ehefrau die Kontrolle über die Familienkasse übernommen. Der Mann behauptet zwar immer noch, seine Sucht im Griff zu haben, bekommt aber nur noch ein kleines Taschengeld. Damit, gesteht er gesenkten Kopfes, schließe er hin und wieder mal eine kleine Sportwette auf die Bundesligaergebnisse ab.

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