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Schwarz-weiße Fotos gegen rechtes Denken

Sportforum Kiel Schwarz-weiße Fotos gegen rechtes Denken

Promis gegen rechts, das ist nicht gerade die neueste Idee. Das Berliner Fotografenpaar Angelika und Bernd Kohlmeier hat trotzdem etwas Neues daraus gemacht. Es brachte 22 prominente Politiker mit 22 erfolgreichen Sportlern zusammen und schenkte ihnen das, was sie am wenigsten haben: Zeit.

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Dialog im Hallenbad. Das Studio Kohlmeier begleitete Schwimmerin Kirsten Bruhn und Ministerpräsident Torsten Albig mit der Kamera.

Quelle: Studio Kohlmeier

Kiel. Kompromisslos rangen die Kohlmeiers ihren Protagonisten eine volle Stunde ab. Ohne Manager, Pressesprecher und anderen Hofstaat, nur im kaum wahrnehmbaren Beisein chamäleonartig unauffällig agierender Fotografen sollten sie sich aufeinander und das Thema einlassen.

Ministerpräsident Torsten Albig traf sich mit der bis 2014 aktiven Weltklasseschwimmerin Kirsten Bruhn und gibt zu: „Eigentlich mag ich solche künstlichen Situationen gar nicht. Wir saßen auf wackligen Gymnastikbällen und erstmal war ich damit beschäftigt, nicht ins Wasser zu fallen.“ Der Faktor Zeit entfaltete jedoch – wie in allen anderen 21 Fällen – seine Wirkung. „Nach ein paar Minuten habe ich vergessen, wo wir eigentlich sind“, erzählt der SPD-Politiker und betont, dass das maßgeblich mit seiner Gesprächspartnerin zusammenhängt.

Bewegende Begegnungen

Kirsten Bruhn, seit einem Motorradunfall im Jahr 1991 auf den Rollstuhl angewiesen, berichtete gegenüber Albig sehr hautnah von ihrem weiß Gott nicht leichten Weg nicht zurück ins Leben, sondern zurück in die Gesellschaft. Das Anderssein zu akzeptieren und Menschen so anzunehmen, wie sie sind, diese Fähigkeit hat nach ihrer Erfahrung selbst unter den Wohlmeinenden längst nicht jeder.

Der Ministerpräsident zeigte sich am Ende beeindruckt, dass und wie es Kirsten Bruhn gelungen ist, den Mitleidenden und Ausgrenzenden die Stirn zu bieten und als Mensch mit allen individuellen Stärken und Schwächen anerkannt zu werden. Gemeinsam mit seiner Gesprächspartnerin entwickelte er einen Slogan, wie es jeweils auch die anderen Sportler-Politiker-Paare für ihre Ausstellungstafel getan haben. „Nicht abtauchen“, lautet er bei Bruhn und Albig. Und es ist fast überflüssig, zu erwähnen, dass diese Devise für den Umgang mit dem eigenen Schicksal gilt wie für den Auftritt gegenüber Rechtsradikalen, die den Wert von Menschen an Rasse, Religion oder körperlicher Vollkommenheit messen.

Kretschmann traf Jogi Löw

Angelika Kohlmeier kann viele Anekdoten über solche Begegnungen erzählen. Etwa die vom baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann und Bundestrainer Joachim Löw: „Das sind beides absolute Medienprofis, und sie konnten erst mit der Situation überhaupt nichts anfangen. Bis sie merkten, dass es ernst gemeint war mit dem Gespräch. Und dann wollten sie überhaupt nicht mehr aufhören.“ Einen Slogan brachte das Südwest-Duo selbstverständlich auch zustande: „Rechtsaußen die Rote Karte zeigen!“

Die Ausstellung „Vorbilder“ ist bis 20. Mai im Sportforum der Uni Kiel, Olshausenstraße 72, zu sehen. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 8-22 Uhr, am Wochenende 9-13 Uhr. Im Internet können die „Meinungsbilder“ unter www.vorbilder.website  betrachtet werden.

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Kirsten Bruhn
Foto: Die Biografin und ihr Co-Autor. „Mein Leben und wie ich es zurückgewann“ heißt das Buch von Schwimmerin Kirsten Bruhn und Jörg Lühn, aufgenommen am Dienstag im Freibad Neumünster.

Es gibt Bücher, die bewegen, obwohl man sie im Sitzen oder Liegen liest. Kirsten Bruhn hat mit dem Journalisten Jörg Lühn ihre Autobiografie verfasst. Am Mittwochmorgen stellt sie das Buch in der ZDF-Sendung „Volle Kanne“ (9 Uhr) vor.

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