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Wer ins Feuer will, muss brennen

Sporttest der Berufsfeuerwehr Wer ins Feuer will, muss brennen

Dieser Morgen fängt nicht gut an. Es ist grau und viel zu kalt für September. Sechs Männer wollen irgendwann ins Feuer gehen. Vorerst aber stapfen sie im Regen zur Tartanbahn. Sie sind auf dem Weg zum Sporttest der Berufsfeuerwehr am Westring. Dort wird entschieden, welcher Bewerber um einen Ausbildungsplatz zum Brandmeister in dem städtischen Auswahlverfahren weiterkommt.

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Rauf auf die 22 Meter hohe Drehleiter: Bewerber Martin Bombach aus Hannover ist bei dieser Übung im Vorteil. Er kennt die Aufgabe bereits von der freiwilligen Feuerwehr.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Lange Hosen und kurze. Dünne Beine und tätowierte. Sporttaschen und Plastiktüten. Das Bild ist bunt. Vorweg laufen die Vorbilder, wenn man so will. Oder der Kontrast: sechs Feuerwehrleute, älter und gesetzter, in dunkler Dienstkleidung, ausgestattet mit DIN-A4-Klemmbrettern. Der gesamte Pulk ist auf dem Weg zum Sporttest der Berufsfeuerwehr am Westring. Hier wird sich entscheiden, welcher der sechs Bewerber um einen Ausbildungsplatz zum Brandmeister in dem städtischen Auswahlverfahren weiterkommt.

 Martin Bombach ist tags zuvor aus Hannover angereist. In der Nacht hat er sich extra in einem Kieler Hotel einquartiert, um pünktlich am Start zu sein. „Ich bin gut vorbereitet“, behauptet er. Laufen und Schwimmen sind seine Disziplinen, die er ohnehin wöchentlich trainiert. Für den 28-Jährigen kann es losgehen. Der Anpfiff zum gefürchteten Coopertest ertönt, und Bombach flitzt los. 2400 Meter liegen mindestens vor ihm. In zwölf Minuten müssen sie geschafft sein, sonst ist man raus. K.-o.-Kriterium Nummer eins.

 Am Rand stehen die sechs Feuerwehrmänner in dunklen Jacken. Jeder von ihnen begleitet einen Bewerber, von dem er die Zeiten notiert. Christian Richter ist Martin Bombachs Mann. Seit 2009 ist er bei der Feuerwehr. Sein Eignungstest liegt also nicht so lange zurück. „Bisschen Adrenalin ist schon im Spiel“, erinnert er sich noch. Auf der Tartanbahn kommen die Männer derweil ins Schwitzen. Jeder von ihnen trägt ein gelbes Leibchen mit einer Nummer. Martin Bombach hat die 13. Von wegen verflixt. Bombach liegt vorn. Hinter ihm die Nummer 17 aus Neumünster. Sechs Runden der 400-Meter-Bahn hält sich Bombach an der Spitze, bis er schließlich von dem 22-jährigen Neumünsteraner überholt wird. Doch da haben beide den Test längst bestanden. Als der Abpfiff ertönt, sind sie 2600 und 2650 Meter gelaufen.

 Mit ihnen haben auch die vier anderen dieser Gruppe bestanden. Das ist nicht selbstverständlich. Beim Lauftest fallen im Schnitt mehr als zehn Prozent durch. Die altgedienten Feuerwehrmänner wundert das, „weil die Anforderungen durch das Internet bekannt sind und man sich doch vorbereiten kann“. Bei der nächsten Disziplin geht das hingegen nicht so einfach. Eine 22 Meter hohe Drehleiter muss bestiegen werden. K.-o.-Kriterium Nummer zwei.

 Aber Bombach nimmt’s gelassen. Er kennt den Aufstieg von der freiwilligen Feuerwehr. Der Regen peitscht ihm zwar ins Gesicht, die Füße drohen abzuglitschen, aber der Mann ist willensstark. Sein Problem sei eher die Zögerlichkeit bei persönlichen Entscheidungen. Seit acht Jahren arbeitet er in Hannover als Fluggerätemechaniker. Jetzt suche er eine neue Herausforderung. Doch irgendwie konnte er sich nicht so recht entschließen, das „Hobby zum Beruf zu machen“. Er zögerte lange. Und als er sich endlich durchgerungen hatte, waren nur bei bundesweit zwei Berufsfeuerwehren die Bewerbungsfristen noch nicht abgelaufen: in Düsseldorf und in Kiel. „Kiel ist jetzt mein Favorit“, sagt er. „Eine schöne Stadt!“

 Für Träumerei bleibt aber keine Zeit. Alle waren schwindelfrei, nun muss noch eine letzte Sportprüfung absolviert werden. Dafür geht es in den ersten Stock des Feuerwehraltbaus: 100 Quadratmeter, Parkettboden, hohe Fensterfront. In dieser kleinen Sporthalle steckt Feuerwehrmännerschweiß aus sechs Jahrzehnten. Auch die richtig fitten Kandidaten – wie der Kanumarathonfahrer Max Bornhöft (24) aus Stralsund – werden sie gleich zu spüren bekommen, die Härte des Berufs. Aber wer irgendwann ins Feuer will, muss für die Aufgabe brennen.

 Zirkeltraining lautet die letzte Disziplin. Und das tut weh. Schaffen die Männer das, haben sie immerhin die sportlichen Voraussetzungen zum Feuerwehrdienst erfüllt. Keine der acht Stationen darf übersprungen werden. K.-o.-Kriterium Nummer drei. Gleich die erste Übung verlangt alles ab. In 30 Sekunden so viele halbe Klimmzüge wie möglich. Locker geht es bei dem drahtigen Martin Bombach los. Doch schon nach der Hälfte zieht es in den Oberarmen. Er wechselt die Handstellung. Das kostet wertvolle Zeit. Am Ende hat er 24 Klimmzüge geschafft. Gestern, berichtet einer der Feuerwehrmänner, hatte ein Bewerber 35.

 Es folgen Rumpfbeugen, Hockerwende, Medizinballwerfen, Kniebeugen und, und, und. Bombachs Kräfte lassen rapide nach. Doch nicht nur bei ihm. Selbst bei den muskelbepackten Kandidaten rinnt der Schweiß – und das nicht nur bei den Unterzügen mit 40 Kilo-Gewicht.

 Zum Glück dauert das Zirkeltraining keine zehn Minuten. Mit hochrotem Gesicht und nassem Shirt nimmt einer nach dem anderen auf der Bank Platz. „Okay, jetzt bin ich komplett fertig“, gibt Bombach zu und nimmt einen Schluck aus der Wasserflasche. Der Puls wird langsam ruhiger, ein Grinsen huscht übers Gesicht. Bei den anderen auch. Alle sechs Männer haben den Sporttest bestanden. Dieser Morgen hört wirklich gut auf.

 Das Auswahlverfahren

 Bewerber: Insgesamt haben sich bei der Stadt Kiel in diesem Jahr 224 Menschen um einen Ausbildungsplatz zum Brandmeister bei der Berufsfeuerwehr beworben. Darunter nur acht Frauen; in den vergangenen Jahren lag der Frauenanteil eher bei zehn Prozent. Sie alle wurden für diese Woche zum Test eingeladen.

 Tests: 40 bis 50 Bewerber treten jeden Vormittag in kleineren Gruppen zu dem Sporttest an. Nachmittags folgt ein Theorietest, bei dem Fragen zu Allgemeinwissen, Kopfrechnen, Rechtschreibung, logischem Denken und technischem Verständnis abgefragt werden.

 Voraussetzungen: Hauptschulabschluss, eine abgeschlossene Berufsausbildung, Führerschein und Bronze-Schwimmabzeichen.

 Ablauf: Auf die Onlineausschreibung haben sich Menschen aus ganz Deutschland beworben. Wer den Sport- und Theorietest besteht, wird zum Gruppen- und anschließend zum Einzelgespräch eingeladen. Kandidaten, die so weit kommen, müssen nur noch zwei ärztliche Untersuchungen durchlaufen, bevor sie am 1. März 2016 mit der Vereidigung zum Beamten ihre zweijährige Ausbildung beginnen. Dann gehören sie zu den rund 150 Auszubildenden der Stadt Kiel aus 16 verschiedenen Berufen. ks

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Ein Artikel von
Karen Schwenke
Lokalredaktion Kiel/SH

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