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Staatsanwalt fordert Bewährungsstrafe

Klage gegen Ex-NDR-Redakteur Staatsanwalt fordert Bewährungsstrafe

Im Prozess gegen einen früheren Redakteur des Norddeutschen Rundfunks (NDR) in Kiel wegen Bestechlichkeit und Betrugs hat der Staatsanwalt zwei Jahre Haft auf Bewährung gefordert. Dem Angeklagten wird Bestechlichkeit in mehr als 60 Fällen vorgeworfen.

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 Die fünfte große Strafkammer am Landgericht Kiel verhandelt die Anklage gegen den Journalisten: Auf dem Foto Verteidigerin Annette Marberth-Kubicki und der Angeklagte.

Quelle: Sven Janssen (Archiv)

Kiel. Im Prozess gegen einen früheren Redakteur des Norddeutschen Rundfunks wegen Bestechlichkeit und Betrugs hat die Staatsanwaltschaft zwei Jahre Haft auf Bewährung gefordert. Der NDR-Redakteur habe sich der gewerbsmäßigen Bestechlichkeit in mehr als 60 Fällen schuldig gemacht und zwischen 2005 und 2010 von Firmen und Verbänden rund 280 000 Euro kassiert, sagte der Staatsanwalt am Dienstag vor dem Kieler Landgericht. Der Angeklagte habe als Amtsträger verbotenen Lobbyismus betrieben. „Es entstand der Eindruck der Käuflichkeit von Journalisten.“ 170 000 Euro seiner Einnahmen müsse der Redakteur als Gewinnabschöpfung zurückzahlen.

Brutto soll der 62-Jährige für seine beim NDR nicht angemeldeten Nebentätigkeiten seit 2003 sogar mehr als eine halbe Million Euro eingenommen haben. Dabei tauchte der Redakteur selbst nicht in den Verträgen auf, die über seine Frau und einen Freund liefen, wie der Ankläger sagte. Auf ihr Konto flossen demnach auch seine Einnahmen, die das Ehepaar für einen luxuriösen Lebensstil verwendet habe, etwa für ein gehobenes Reihenhaus im Kieler Nobelviertel Düsternbrook.

Die Dienste des 62-Jährigen als Medienberater hätten mehrere Firmen gegen Honorare von bis zu 186 000 Euro in Anspruch genommen, sagte der Staatsanwalt. Den Auftraggebern habe er vorgetäuscht, er könne ihnen Sendezeiten verschaffen. Tatsächlich aber habe der Redakteur keine Sendungen platziert. Das hätten auch gründliche Überprüfungen des NDR bestätigt.

Redakteur flog im Jahr 2010 auf

Die weiteren Vorwürfe, der Mann habe sich mit falschen Angaben Arbeitslosengeld und einen Gründungszuschuss erschlichen, ließ der Staatsanwalt fallen. Der Redakteur war 2010 aufgeflogen. Seiner fristlosen Entlassung beim NDR kam er mit der Kündigung zuvor.

Dem Strafantrag des Staatsanwalts war ein Deal zwischen Gericht, Anklage und Verteidigung vorausgegangen. Gegen die Zusicherung einer Bewährungsstrafe von maximal zwei Jahren räumte der Angeklagte die Vorwürfe ein. Seine Verteidigerin verwies darauf, er habe mit Rücksicht auf seine Gesundheit, sein Alter und wegen der langen Verfahrensdauer dem Deal zugestimmt und wolle auf eine höchstrichterliche Klärung verzichten. Er hoffe, dass er noch einmal in seinem Beruf als Medienberater durchstarten könne, sagte sie.

Die Verteidigerin stellte keinen konkreten Strafantrag. Sie bat das Gericht darum, unter der Höchstgrenze von zwei Jahren zu bleiben und die Höhe der Gewinnabschöpfung niedriger zu bemessen. Das Urteil soll am 16. März verkündet werden. „Wir haben eingehend zu beraten“, sagte der Vorsitzende Richter.

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Prozess gegen NDR-Redakteur
Foto: Vor dem Landgericht Kiel wird am Mittwoch das Verfahren gegen den ehemaligen Fernseh-Journalisten Gerd R. – hier mit Verteidigerin Annette Marberth-Kubicki – fortgesetzt.

Bestechlichkeit und Betrug in 68 Fällen wirft die Anklage dem ehemaligen NDR-Redakteur Gerd R. (62) vor, dessen Prozess am Mittwoch im Kieler Landgericht fortgesetzt wird. So oft soll der Kieler Fernsehjournalist seinen Medienpartnern zwischen 2003 und 2010 als Amtsträger der Rundfunkanstalt illegale Leistungen angeboten haben.

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