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Hohe Strafen gegen Pfandhaus-Räuber gefordert

Schleswig Hohe Strafen gegen Pfandhaus-Räuber gefordert

Im Mammutprozess des Kieler Landgerichts gegen elf mutmaßliche Räuber aus Litauen, die Überfälle auf ein Kieler Pfandleihhaus am Exerzierplatz und auf Juweliere in Düsseldorf und München begangen oder geplant haben sollen, hat der Staatsanwalt am Freitag hohe Haftstrafen für sechs Bandenmitglieder gefordert.

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Die elf Angeklagten im Alter zwischen 22 und 40 Jahren stehen seit Ende 2015 vor dem Landgericht Kiel und sollen die Taten in unterschiedlichen Zusammensetzungen begangen haben.

Quelle: Carsten Rehder/dpa

Schleswig. Die Plädoyers gegen fünf weitere Angeklagte werden am Dienstag fortgesetzt. Für den Hauptangeklagten Ramunas P. (34), der an zwei vollendeten Raubüberfällen maßgeblich beteiligt gewesen sein soll, forderte Staatsanwalt Christopher Sievers Einzelstrafen von bis zu zehn Jahren, die noch zu einer Gesamtstrafe zusammenzufassen sind. Nach dem Ergebnis der seit November geführten Beweisaufnahme habe P. den Inhaber des Düsseldorfer Juweliergeschäfts im August 2014 mit brutalen Fußtritten gegen den Kopf schwer verletzt.

Allein für diesen Fall forderte Sievers zehn Jahre Freiheitsstrafe für P. wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung. Nach einem gerichtsmedizinischen Gutachten sind die Hirnverletzungen des Opfers akut lebensgefährlich gewesen und hätten ohne Notoperation zum Atemstillstand führen können.

Auch dem Kronzeugen Vilmantas K. (23), der als einziger von ursprünglich zwölf Angeklagten ein umfassendes Geständnis ablegte und gegen seine Mittäter aussagte, seien die schweren Verletzungen des Juweliers anzulasten, so der Staatsanwalt: K. habe gesehen, wie sein älterer Komplize mit dem Ladenbesitzer umsprang und trotzdem weiter mitgemacht.

So habe der 23-Jährige das in ein Hinterzimmer geschleppte Opfer bewacht und P. nach Zusammenraffen der Beute (Wert: mindestens 72600 Euro) die Ladentür per Summer vom Tresen aus zur Flucht geöffnet. Für den Kronzeugen forderte der Staatsanwalt die mit Abstand mildeste Strafe von drei Jahren und zehn Monaten, für einen weiteren Mittäter (27) acht Jahre Haft.

Auch beim Kieler Pfandhausraub spielte der vielfach vorbestrafte Ramunas P. eine aktive Rolle, so Sievers: Er trat zum Schein als Kunde auf, ließ sich Ringe zeigen, nutzte die Arglosigkeit des Mitarbeiters und versetzte ihm einen wuchtigen Faustschlag ins Gesicht. Sieben Jahre und drei Monate seien hierfür zu veranschlagen. Positiv ins Gewicht falle eine persönliche Entschuldigung P.s bei dem betroffenen Zeugen.

Drei mutmaßliche Kieler Mittäter, darunter Andrius J. (37), der den Tatablauf als Drahtzieher von einer konspirativen Wohnung in Berlin aus gesteuert habe, sollen nach Willen des Anklägers bis zu achteinhalb Jahre hinter Gitter. Der Einkaufswert der Kieler Beute wurde auf mindestens 255000 Euro beziffert.

Am kommenden Dienstag plädiert der Staatsanwalt gegen fünf weitere Angeklagte. Gegen den zwölften Litauer, Eugenijus F., wird gesondert weiterverhandelt. Der 38-Jährige war Heiligabend 2014 an der Gefangenenmeuterei in der Lübecker JVA beteiligt. Sein Verfahren wurde, wie berichtet, abgetrennt. Hier dauert die Beweisaufnahme noch an. Den Hauptprozess, der nach wie vor in Schleswig unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen im großen Saal der Verwaltungsgerichte geführt wird, möchte die 7. Große Strafkammer vor der Sommerpause Ende Juli beenden. Nach Abschluss des Plädoyers der Anklage haben die 24 Rechtsanwälte der Nebenklage und der Verteidigung das Wort.

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