23 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Staatsschutz ermittelt gegen „Kieler Liste“-Urheber

Online-Pranger Staatsschutz ermittelt gegen „Kieler Liste“-Urheber

Die ominöse Internetseite „Kieler Liste“ beschäftigt jetzt die Kriminalpolizei. Das Kommissariat 5 für Staatsschutzsachen hat die Ermittlungen übernommen. Mehrere Geschädigte, die auf dem Online-Pranger mutmaßlich rechtsextremer Aktivisten genannt worden sind, haben Strafanzeige erstattet.

Voriger Artikel
Begrüßungsgeld zahlt sich für Kiel aus
Nächster Artikel
"Selfie" und "Delfie" auf Fischfang

Subtile Drohung: Auf der abgeschalteten Webseite war auch ein blutverschmiertes Stadtwappen zu sehen.

Quelle: Screenshot

Kiel. Die Polizei appelliert an Betroffene, sich mit den Ermittlern in Verbindung zu setzen. Die Webseite ist zurzeit nicht erreichbar – ob dauerhaft oder nur vorübergehend, ist ungewiss. Öffentlich wurde der Fall durch Lasse Petersdotter. Der Sprecher der Grünen Jugend Schleswig-Holstein war vergangene Woche von Freunden darauf hingewiesen worden, dass Unbekannte ein Profil mit persönlichen Daten und Fotos auf der „Kieler Liste“ ins Netz gestellt hatten. Neben dem 25-Jährigen sind auf der Seite etwa 15 weitere politisch und gesellschaftlich engagierte Personen aufgeführt und als „Demokratiefeinde“ stigmatisiert worden. Darüber hinaus werden zahlreiche Organisationen wie Parteien und Gewerkschaften sowie Vereine und Lokale aufgeführt, die das „demokratische Gefüge gefährden“ würden.

 Nach dem Bericht der Kieler Nachrichten haben sich nun weitere Geschädigte gemeldet. Einige haben zur Beweissicherung Screenshots der Internetseite gemacht. Nicht jeder zeigt sich von dem Versuch der öffentlichen Einschüchterung derart unbeeindruckt wie Petersdotter. Zwar wird von den Verantwortlichen der Seite nicht aktiv zu Gewalt aufgerufen, an mehreren Stellen wird aber ein blutverschmiertes Kieler Stadtwappen verwendet. Anders als die abgeschaltete Webpräsenz ist in dem sozialen Netzwerk Facebook die „Kieler Liste“ weiterhin erreichbar. Zwar wird dort dasselbe blutige Logo verwendet, Personen oder Organisationen sind allerdings nicht zu finden.

 Unklar ist noch, wer verantwortlich für die „Kieler Liste“ ist. Nach Informationen von KN-online soll ein junger Mann die Seite ins Netz gestellt haben, der an der Christian-Albrechts-Universität Rechtswissenschaften studiert und bereits in der Vergangenheit öffentlich durch radikale Thesen in Erscheinung getreten ist. Demnach habe der 26-jährige Kieler unter Verwendung verschiedener Pseudonyme in sozialen Netzwerken rechte Parolen vertreten. Angeblich soll er auch für die geplante Gründung eines Kieler Pegida-Ablegers verantwortlich sein und eine Nachrichten-Seite bei Facebook betreiben, auf der er in Anlehnung an die Satire-Webseite „Der Postillon“ zweifelhafte Falschmeldungen propagiert.

 Die Kieler Polizei bittet Zeugen, die Hinweise zu der Webseite geben können, sich mit dem Kommissariat 5 in Verbindung zu setzen. Hinweise nimmt die Kripo unter der Telefonnummer 0431/160-3333 entgegen.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Bastian Modrow
Lokalredaktion Kiel/SH

Events in Kiel

Veranstaltungen in Kiel
Aktuelle Termine, News, Infos.

Testen Sie die KN

Digitales Abo, ePaper,
klassische Tageszeitung
online buchen & testen!

Anzeige
Mehr zum Artikel
"Kieler Liste"
Foto: Böse Überraschung beim Surfen: Lasse Petersdotter fand ein Profil über sich auf einer rechten Internetseite.

Eine ominöse Internetseite offenkundig rechtsextremistischer Aktivisten beschäftigt Polizei und Politik. Auf der „Kieler Liste“ sind Profile und Fotos von etwa 15 gesellschaftlich und politisch engagierten Personen im Netz veröffentlicht worden.

  • Kommentare
Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3