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Stadt Kiel gibt Möbel Kraft mehr Zeit

Änderungsvereinbarung Stadt Kiel gibt Möbel Kraft mehr Zeit

Die lange Geschichte des heftig umstrittenen Ansiedlungsprojektes von Möbel Kraft erhält ein weiteres Kapitel. Nach etlichen Verzögerungen gibt es jetzt einen Termin, bis wann das Möbelhaus spätestens seine Türen in Kiel öffnen muss: Es ist der 27. Dezember 2021.

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Möbel Kraft will sich auf dem früheren städtischen Kleingartengelände Brunsrade/Prüner Schlag niederlassen. Doch die Umsetzung zieht sich in die Länge. Die Pläne wurden erstmals im Sommer 2011 bekannt.

Quelle: moka

Kiel. In einer Änderungsvereinbarung zum Kaufvertrag sichert das Unternehmen nach Angaben der Stadt aber zu, so schnell wie möglich zu bauen. Durch eine Fristverlängerung von einem Jahr hat das Unternehmen jetzt insgesamt vier Jahre nach Baugenehmigung und Bauantrag Zeit, die Niederlassung mit rund 40000 Quadratmetern Verkaufsfläche und 8000 Quadratmetern für Sconto auf dem früheren Kleingartengelände Brunsrade/Prüner Schlag fertigzustellen.

 Seit dem Bürgerentscheid im März 2014, der knapp zugunsten von Möbel Kraft ausging, geriet das Projekt ins Stocken, zuletzt wegen juristischer Formalien und verschärfter Umweltauflagen. Der Rat genehmigte erst im Juli dieses Jahres den Satzungsbeschluss mit den Stimmen von SPD, CDU, Grünen, FDP und SSW – fast ein Jahr später als vorgesehen. Man habe die Unterlagen nach Rechtsänderungen nacharbeiten müssen, um auf Nummer sicher zu gehen, hieß die Begründung des Möbelhauses, warum es sich auf keinen Termin für den Baubeginn der dann achten Filiale festlegen lassen will.

 Die Änderungen gegenüber der ursprünglichen Fassung sehen jetzt unter anderem vor, die maximale Höhe von Photovoltaik und Solarthermie ebenso festzusetzen wie die Geschossflächenzahl. Auch eine Ausnahme lässt die Stadt zu: Möbel Kraft kann, wie berichtet, im Sconto-Discounter einen Gastronomiebetrieb mit 100 Quadratmetern einrichten. Die Zustimmung zum geänderten Satzungsbeschluss war ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur Investition, die auf 60 bis 65 Millionen Euro geschätzt wird.

 Doch das Ganze zog sich mittlerweile so in die Länge, dass bei Befürwortern Irritationen und Befürchtungen laut wurden. Und nicht nur das: Die Stadt Kiel und die Krieger-Gruppe, zu der Möbel Kraft gehört, hätten nach dem Vertrag das Projekt sogar platzen lassen können. Nach der Anpassung gibt es für beide Seiten keine aktuellen Rücktrittsrechte mehr, versichert Kämpfer: „Das zeigt, woran ich nie gezweifelt habe, dass Möbel Kraft es ernst meint. Möbel Kraft kommt, wenn auch später, als ich es mir als Oberbürgermeister und Wirtschaftsdezernent gewünscht hätte.“ Beide Seiten wollten einen erfolgreichen Abschluss für das Projekt. Vom Kaufpreis für das ehemalige städtische Kleingartengelände (zwischen zehn und elf Millionen Euro) hat die Krieger-Gruppebereits fast eine Million Euro gezahlt. Die restliche Summe ist in den jetzigen Haushalt eingestellt.

 Das Unternehmen selbst ging bisher von einer Baugenehmigung im Laufe des Jahres 2017 aus und veranschlagte etwa neun bis 14 Monate für die Errichtung des Baus. Eine Eröffnung wäre dann frühestens Ende 2018/Anfang 2019 möglich. Damit könnte es passieren, dass Möbel Kraft etwa zeitgleich mit der Erweiterung des schwedischen Möbelhauses Ikea in der Nachbarschaft an den Start geht. Sollte schnell Baurecht geschaffen werden, will Ikea nach 15 bis 17 Monaten Bauzeit Ende 2018 eröffnen. 50 Millionen Euro nimmt das Unternehmen dafür in die Hand. Vor der Konkurrenz haben die Schweden keine Angst, im Gegenteil, gerade von der Nähe zu Möbel Kraft erhoffen sie sich ein Umsatzplus. Möbel-Kraft-Gegner wie die Linken fürchten dagegen ein Überangebot von Möbeln in Kiel und daher eine „Kannibalisierung“. Im Bauausschuss widersprach Oberbürgermeister Kämpfer als Wirtschaftsdezernent: „Angebot schafft Nachfrage.“

 

 Die neuen Vereinbarungen hat die Stadt in die „Gläserne Akte“ auf ihrer Webseite eingestellt.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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