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Aus für die Sprottenplatten

Holstenstraße Aus für die Sprottenplatten

Nun also doch: Die Stadt will die Sprottenplatten in der Holstenstraße noch in diesem Quartal entfernen. Der Grund ist, dass die Rutschfestigkeit nach der Sandstrahlung 2014 schon wieder unter den geforderten Wert gefallen ist.

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Die Sprotten-Platten in der Holstenstraße in Kiel sollen aus Sicherheitsgründen entfernt werden.

Quelle: Hamid Saeidi

Kiel. Zudem würde eine zweite Behandlung die Konturen noch mehr verblassen lassen. Die Platten sollen später an einem „Ort in der Innenstadt“ abgelegt werden.

Um das Jahr 1986 wurden die 24 mal 24 Zentimeter großen Kacheln mit den Namen der Spender bei der Neugestaltung der Fußgängerzone verlegt – insgesamt 312. Nach 30 Jahren hat die Geschichte der Sprottenplatten in der Holstenstraße jetzt ein Ende. Viele Jahre hatten sich die Kieler an dem glänzenden Fußbodenschmuck erfreut, obwohl mancher bei Nässe, Eis und Schnee arg ins Schlittern geriet. Dann kam der Unfall, der alles veränderte: 2011 rutschte eine Frau bei Nieselregen auf einer Platte aus und brach sich einen Wadenbeinknochen. Die Frau klagte gegen die Stadt und forderte Schadenersatz und Schmerzensgeld. Die Stadt sollte 2000 Euro zahlen, ging aber in die Berufung, die sie verlor. Richter am Oberlandesgericht stellten fest, dass die Stadt ihre Verkehrssicherungspflicht verletzt hatte und deshalb für den Sturz der Frau auf der Messingplatte haften musste.

Die Stadt ließ daraufhin 2013 die Platten auf ihre Griffigkeit und Rauheit hin untersuchen. Das Ergebnis zeigte einen nicht ausreichenden Rutschwiderstand, der für einen Gehwegbereich gefordert wird. Schon damals wurden erste Überlegungen laut, die Platten auszubauen und entlang der Häuserfront an der Holstenstraße abseits der Hauptfußgängerroute neu zu verlegen. Doch dieser Plan wurde verworfen. Stattdessen rückte eine Firma für Strahltechnik an und pustete unter Hochdruck feinen Spezialsand auf das Messing. Das Ergebnis war ein Erfolg: Nach der Strahlung hatten die Platten Widerstandswerte um die 90. Der Durchschnittswert muss über 55 liegen. Unbehandelte Quadrate wiesen Werte zwischen 18 und 23 auf der Skala auf. Gemessen wurde das mit einem an einer technischen Einrichtung befestigten künstlichen Fuß mit Gummisohle, der über dem Metall pendelte.

Danach war zunächst alles gut: Die Sprottenplatten waren stumpf, zu Unfällen ist es nicht mehr gekommen. Die Stadt hatte damals versprochen, den Widerstandswert immer wieder überprüfen zu lassen. Neue Messungen im vergangenen Jahr haben nun ergeben, dass der Rutschwiderstand wieder unter den geforderten Wert gefallen ist. Nach der ersten Strahlaktion hatten die Platten schon deutlich an Kontur verloren. „Würden sie jetzt nochmals mit dem Spezialsand abgepustet werden, wäre die Musterung kaum mehr erkennbar“, sagte Joachim Kläschen vom Presseamt der Stadt. Aus diesem Grund will die Verwaltung die 312 Messingteile noch in diesem Quartal aus dem Boden heben und die Löcher mit Gehwegplatten schließen.

Diese kleine Umgestaltung der Holstenstraße werde mehrere Wochen dauern, weil es eine „kleinteilige Maßnahme“ sei, so Kläschen. Nach Angaben des Pressesprechers schätzt die Verwaltung die Kosten auf 10000 Euro. Klar ist, dass die Stadt den historischen Bodenschmuck erhalten will. Die 312 Teile sollen an einer zentralen Stelle wieder in der Innenstadt eingepflastert werden. Das kann nur abseits der Fußgängerströme geschehen, damit es nicht wieder zu Stürzen kommt. In einem nächsten Schritt soll dieser Ort jetzt gefunden werden. Wie der ehemalige Bodenschmuck dann angeordnet wird, steht noch nicht fest. Auch wann die Sprottenplatten wieder in die Erde kommen, ist ungewiss.

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Ein Artikel von
Günter Schellhase
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Holstenstraße
Foto: Erste Schritte sind getan: Herkömmliche Gehwegplatten (wie hier unter dem rechten Fuß) ersetzen nach 28 Jahren die Sprottenplatten in der Holstenstraße.

Die Sprottenplatten in der Holstenstraße werden entfernt. Am Freitag begannen Mitarbeiter des Tiefbauamtes, erste Messingplatten auszubauen. Alle 312 Kacheln im Pflaster werden in den kommenden Wochen durch herkömmliche Gehwegplatten ersetzt. Was mit den Sprottenplatten dann passieren soll, steht noch nicht fest.

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