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Dieses Foto ist eine Überraschung

Stadtarchiv Dieses Foto ist eine Überraschung

Überraschung im Stadtarchiv: Als Christoph Freitag in Sportaufnahmen des Pressefotografen Friedrich Magnussen aus dem Jahr 1960 blätterte, fiel ihm ein einzelner älterer Negativstreifen auf. Der zeigte keinen Rasen, keinen Ball und kein Tor, sondern ein Gebäude, das Freitag auf den ersten Blick als Synagoge an der Goethestraße identifizierte.

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„Bisher sind nur eine Handvoll Außenaufnahmen der Synagoge bekannt, ein echter Überraschungsfund“, sagte Christoph Freitag. Dies ist eins der drei Bilder, die nun fast genau 106 Jahre nach der Einweihung der Kieler Synagoge am 2. Januar 1910 auftauchten.

Quelle: Stadtarchiv Kiel

Kiel. „Bisher sind nur eine Handvoll Außenaufnahmen der Synagoge bekannt, ein echter Überraschungsfund“, sagte Christoph Freitag. Die Bilder tauchten fast genau 106 Jahre nach der Einweihung der Kieler Synagoge am 2. Januar 1910 auf.

 Die drei bisher unbekannten Negative zeigen den jüdischen Sakralbau aus der Perspektive von der Goethestraße. Auffällig sind die Brandspuren oberhalb der Fenster und die provisorischen Baugerüste am Gebäude.

 Alles deute darauf hin, dass die Bilder nach der Verwüstung der Synagoge in der Reichspogromnacht am 9. November 1938 aufgenommen worden sind, so der Archivar. Mit der Pogromnacht begann die systematische Verhaftung und Ermordung der Juden durch die Nationalsozialisten. Die jüdische Gemeinde in Kiel konnte die Synagoge nie wieder als Gotteshaus nutzen. Die Synagoge wurde von der Stadt im Dezember 1938 aus Mitteln der Stadtwerke gekauft, um das den Nationalsozialisten verhasste Gebäude aus dem Stadtbild zu entfernen.

 1939 ließ die Stadt die Synagoge abreißen. „Die drei Negative zeigen offenbar bauliche Sicherungsmaßnahmen oder den Beginn der Abrissarbeiten und müssen daher 1939 aufgenommen worden sein“, sagte Freitag. Friedrich Magnussen war bereits vor 1945 mit seiner Kamera unterwegs, so dass der Pressefotograf die Fotos tatsächlich aufgenommen haben dürfte. Ein Rätsel für den Archivar bleibt allerdings, warum er ausgerechnet diesen Negativstreifen zwischen den Sportaufnahmen ablegte.

Imposante Kuppel

 Die Geschichte der Juden in Kiel geht bis ins 17. Jahrhundert zurück. 1782 entstand in der Kehdenstraße 12, einem ehemaligen Kaffeehaus der Universität, das erste jüdische Bethaus der Stadt. 1869 bezog die Gemeinde eine dreistöckige Synagoge in der Haßstraße, wo noch heute ein Teil des ehemaligen Erdgeschosses als Ruine besteht. Als das Gebäude zu klein wurde, kaufte man zum Vorzugspreis von 13425 Mark von der Stadt ein Grundstück an der Ecke Goethestraße/Humboldtstraße. Dort ließ die jüdische Gemeinde nach Plänen des Kieler Architekten Johann Theede eine große Synagoge bauen, die am 2. Januar 1910 in Gegenwart des Oberbürgermeisters Paul Fuß und des Oberrabbiners aus Wandsbek ihrer Bestimmung übergeben wurde.

 Die Gemeinde hatte die neue Synagoge aus eigenen Mitteln, Spenden sowie dem Verkaufserlös des Grundstücks in der Haßstraße finanziert. Es wurde ein monumentales vierflügeliges Gebäude, dessen Zentralbau von einer imposanten Kuppel abgeschlossen wurde. Im großen zweigeschossigen Versammlungsraum fanden etwa 400 Personen Platz.

 1933 waren die 600 in Kiel lebenden Juden nach Altona die zweitgrößte jüdische Gemeinde in Schleswig-Holstein. 1961 lebten nur noch 27 in der Stadt. Heute bilden etwa 550, vornehmlich aus Osteuropa zugezogene Juden, zwei selbstständige Gemeinden in Kiel, die jeweils ein eigenes Bethaus nutzen. Eines davon befindet sich in Gaarden, ein weiteres befand sich an der Eckernförder Straße. 2008 wurde in der Jahnstraße, nur wenige hundert Meter vom Standort der ehemaligen Synagoge entfernt, eine neue bezogen.

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Ein Artikel von
Günter Schellhase
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