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Kiels Geschichte zum Nulltarif

Stadtarchiv Kiels Geschichte zum Nulltarif

Im kleinen Lesesaal des Stadtarchivs direkt im Kieler Rathausturm wurde am Freitag ein ziemlich spektakulärer Startschuss gegeben. Am Vormittag um 11.45 Uhr wurde die Online-Datenbank für historische Kiel-Fotos freigeschaltet. Von nun an kann sich jeder kostenlos alte Bilder herunterladen.

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Die Vorbereitungen laufen schon seit sechs Jahren: Nun wurde die Online-Datenbank mit bisher 15.000 historischen Bildern freigegeben. Marianne Sloot und Christoph Freitag sichten und scannen schon für die nächsten Freigaben.

Quelle: Volker Rebehn

Kiel. Das älteste gespeicherte und sicher datierte Foto stammt aus dem Jahr 1865 und zeigt eine Stadtansicht Richtung Altstadt. Insgesamt 15411 Bilder sind frei verfügbar. Man kann sich den Alten Markt von 1930 als Postkarte ausdrucken, aus Olympiabildern von 1972 bunte Collagen machen, sich Einladungen aus alten Werft- und Hafenbildern basteln oder ein eigenes Kiel-Buch erstellen. Nur für eine großflächige Fototapete reichen die Aufnahmen dann doch nicht. Dafür ist die Auflösung nicht gut genug.

„Wir gehen einen großen Schritt auf die Internet-Gemeinde zu“, sagte Johannes Rosenplänter, Leiter des Stadtarchivs. „Lange haben wir überlegt, ob wir dafür Geld nehmen oder die Bilder mit einem Wasserzeichen sichern sollen.“ Letztendlich habe man sich aber für die kostenlose Variante entschieden. Oberbürgermeister Ulf Kämpfer bezeichnete die Online-Fotodatenbank als „großen Meilenstein“. „Das ist die erste große Kultureinrichtung im Land, die so etwas anbietet. So wird Geschichte visualisiert. Das ist unglaublich spannend.“ Bürgernah und niedrigschwellig könnten nun weltweit Kiel-Bilder verbreitet werden.

Möglich macht es die Internet-Adresse www.stadtarchiv-kiel.de. Dort muss der Nutzer „Fotoarchiv“ und dann „Recherche“ anklicken, und schon öffnet sich ein buntes Verzeichnis, das die Suche leicht machen soll, erklärt Jutta Briel vom Stadtarchiv. Vom Rundgang durch das alte Kiel bis zur Volltextsuche ist alles möglich. Einen Tipp gibt sie noch: „Wenn man nicht weiß, ob es Olympiade oder Olympische Segelwettbewerbe heißt, einfach ,olymp.’ eingeben. Dann kommt wirklich alles zum Thema Olympia.“ Hat man die gewünschten Bilder ausgewählt, nicht erschrecken, denn nun kommen Sie in den „Warenkorb“. Aber die Fotos kosten tatsächlich nichts. „Man verpflichtet sich nur, den Fotografen, Bildtitel und die Lizenz zu erwähnen“, so Archivleiter Rosenplänter.

Als Ulf Kämpfer am Freitag die ersten Archivbilder online zum Testen herunterlud, klappte alles prima und wirkte ganz leicht und einfach. Die Vorarbeit allerdings war alles andere als ein Kinderspiel. Seit 2009 kämpft sich Christoph Freitag vom Fotoarchiv mit seinem Team für dieses Angebot durch Tausende von Bildern. Wo sind sie her? Was zeigen sie? Wie ist die Qualität? Wer hat das Fotorecht? Verletzt man Persönlichkeitsrechte? Der Hauptfundus der jetzt freigeschalteten Bilder stammt von einem Fotografen der Kieler Nachrichten. Friedrich Magnussen war von 1946 bis 1987 überall in Kiel unterwegs. „Er war wahnsinnig fleißig und hat auf seinen Terminen immer auch alles Mögliche drumherum fotografiert“, erzählt Historikerin Susanne Kalweit (61). Rund 500000 Negative hat der Kieler hinterlassen, fein sortiert und grob beschriftet.

Christoph Freitag (30) hat die Magnussen-Fotos alle gesehen. Die besten und wichtigsten kennzeichnet er, lässt sie von Kollegin Marianne Sloot (49) einscannen und schaut erneut nach der Qualität. Dann kommt Susanne Kalweit ins Spiel und betextet sie. Die alten Ausgaben der Kieler Nachrichten helfen da sehr. „Denn oft hat Fiete Magnussen nur ein Stichwort wie ,Freilichtmuseum’ dazugeschrieben“, sagt sie. „Ich aber muss genau wissen, welches Haus, welche Personen darauf zu sehen sind.“ Das ist oft echte Detektivarbeit. Einmal wäre sie an einer Kunstplastik fast verzweifelt. Wer war der Künstler? Wer hat sie geschaffen? Im eigenen Archiv wälzte sie Bildbände, Kunstführer und alte Berichte, wurde aber nicht fündig. „Zum Schluss kam heraus, dass das nur eine Papp-Bühnendeko aus dem Opernhaus war“, erzählt sie lachend.

12000 der über 15000 freigeschalteten Online-Fotos stammen nun von „Fiete“ Magnussen, der Rest aus anderen Bildbeständen. „Insgesamt decken wir 164 Jahre und vier Monate ab“, berichtet Christoph Freitag nicht ohne Stolz. Wenn die Technik mitspielt und sein Team weiter so fleißig ist, könnten später irgendwann einmal 500000 historische Bilder frei verfügbar in der Datenbank sein. „Aber das kann durchaus noch Jahrzehnte dauern. Aber wir arbeiten dran.“

Wer mehr über die Online-Datenbank für historische Kiel-Fotos unter www.stadtarchiv-kiel.de wissen möchte: Am Montag, 23. November, 18.30 Uhr, heißt es im Schifffahrtsmuseum in der Fischhalle „Suchen, staunen, nutzen“.

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Ein Artikel von
Kristiane Backheuer
Lokalredaktion Kiel/SH

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