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Kieler Stadtgespräch Forum für die Sorgen der Bürger

Wie sehr die Unterbringung der Flüchtlinge in Kiel Fragen und Bedenken aufwirft, offenbarte das erste Stadtgespräch. Etwa 100 Leute drängten sich in den Saal des „Legienhofes“, um sich in einer sachlichen Atmosphäre über die aktuelle Lage zu informieren.

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Die Stadt lud zum ersten Stadtgespräch ein, um über die Flüchtlingsunterbringung zu informieren und Sorgen aufzunehmen. Auch an zwei weiteren Abenden soll es um die Frage gehen: „Wie können wir in guter neuer Nachbarschaft miteinander leben?“

Quelle: Manuel Weber

Kiel. Die Lage ist zwar laut Dezernent Gerwin Stöcken (SPD) angespannt, „aber noch keine wirkliche Herausforderung“. Noch nicht.

Bevor die Fragerunde eröffnet wurde, hagelte es jede Menge Informationen von Stöcken, Ulf Döhring (Leiter des Landesamtes für Ausländerangelegenheiten) und Ilka Hübner vom DRK, die das am 1. September eröffnete Containerdorf am Nordmarksportfeld in Kiel leitet. Kamen im Januar noch etwa 25 Flüchtlinge in der Woche, waren es im Oktober bereits 145. Zusätzlich muss die Stadt Transitflüchtlinge für ein, zwei Tage unterbringen, die keine Fährplätze nach Schweden ergattern konnten. In Höchstzeiten waren das schon mal 900 Menschen.

Asyl-Antrag und Anhörung sollten, räumte Döhring ein, längst schon viel schneller erfolgen. Doch der Andrang lasse das derzeit noch nicht zu. So verbringen laut Hübner die derzeit 764 Flüchtlinge meist aus Syrien in der provisorischen Erstaufnahmestelle am Norder zwei bis sechs Wochen in Vier-Bett-Zimmern, bevor sie wissen, wie es weitergeht. Große Konflikte habe es bisher nicht gegeben, nur kleine Rangeleien, versicherte sie. Als größtes Problem bezeichnete Stöcken die Langeweile, die zum Lagerkoller führen könne.

2320 registrierte Flüchtlinge sind derzeit in Kiel in Gemeinschaftsunterkünften und Wohnungen dezentral untergebracht. Die Stadt rechnet damit, dass insgesamt samt Familiennachzug 3600 Flüchtlinge auf Dauer bleiben. Wenn die Nachbarschaft gelinge, werde dies kein wirkliches Problem in einer 242000-Einwohner-Stadt sein, meinte Stöcken zuversichtlich und versprach, die in den drei Stadtgesprächen geäußerten Sorgen von Anwohnern aufzunehmen. Davon konnte er bereits am ersten Abend etliche Bedenken mitnehmen: Wie geht es mit dem Norder weiter, wo wegen der Überbelegung keine schönen Zustände herrschten, warfen Vertreter des benachbarten Hockey- und Tennisclubs ein. Und was ist eigentlich mit dem für Mitte 2016 geplanten Bau der Erstaufnahmeeinrichtung am uninahen Bremerskamp, fragte eine Anwohnerin, die sich von der diesbezüglichen Informationspolitik „verschaukelt“ fühlte.

Stöcken konnte auf die Frage ebensowenig eine klare Antwort geben wie auf die eines Mannes, ob das Land dort womöglich aussteigen werde: Die Stadt, berichtete er, sei nicht Herrin des Verfahrens, da das Land derzeit das Angebot eines Privatinvestors für den Bau der Einrichtung am Bremerskamp überprüfe. Land und Bund will er mit politischem Druck über die kommunalen Verbände wegen der Kosten der Unterbringung in die Pflicht nehmen: „Wir senden jeden Tag Alarm, Alarm nach Berlin. Wir brauchen Zuschüsse für den Wohnungsbau“, betonte er mit Hinweis auf den angespannten Kieler Wohnungsmarkt. Entwickelten sich die Flüchtlingszahlen wie derzeit auch 2016 weiter, müsste die Stadt etwa 5000 Menschen unterbringen. Dann aber „stehen wir vor einer wirklichen Herausforderung“, gab Stöcken zu. Auch wenn viele Fragen offen blieben, gab es am Ende doch Applaus für die Podiumsteilnehmer.

Die beiden weiteren Stadtgespräche (jeweils 19 Uhr, Legienstraße 22) drehen sich um die städtischen Gemeinschaftsunterkünfte im Schusterkrug (Montag, 18. Januar 2016) und in der Marinetechnikschule in der Wik (Montag, 21. März 2016). Der Eintritt ist frei.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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