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Der Druck ist aus dem Kessel

Stadtgespräch zur Flüchtlingssituation Der Druck ist aus dem Kessel

Ein großer Aufreger ist das Thema Flüchtlinge in Kiel offenbar nicht mehr. Nur zehn Gäste folgten am Mittwochabend der Einladung der Stadt in den Legienhof zum mittlerweile fünften Stadtgespräch.

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Mehr Deutschunterricht, schneller in Ausbildung: Bei vielen jungen Flüchtlingen steigt nun der Integrationsdruck.

Quelle: Frank Peter/Archiv

KIEL. Dabei ging es diesmal um die Integration von Kindern und Jugendlichen. Weil die dazu erwarteten Bürgervorschläge inklusive Diskussion darüber ausblieben, beschränkten sich Mitarbeiter aus Verwaltung und Initiativen auf einen Informationsaustausch zur aktuellen Situation.

 Nach einem Jahr Arbeit, phasenweise „bis zur völligen Erschöpfung“, sind Schulen und Kitas nach Einschätzung von Bildungsdezernentin Renate Treutel inzwischen „gut aufgestellt“ für die Betreuung von aktuell rund 1500 jungen Flüchtlingen unter 18 Jahren. Kita-Lotsen zur Orientierung im Betreuungssystem seien inzwischen ebenso etabliert worden wie eine Zentralstelle für Anmeldungen an Schulen mit Unterricht in „Deutsch als Zweitsprache“ (Daz).

 Einigermaßen normalisiert hat sich inzwischen auch der Zustrom unbegleiteter, meist männlicher Flüchtlinge unter 14 Jahren, von denen allein im vergangenen Jahr 670 nach Kiel kamen, zuvor waren es im Jahresschnitt jeweils um die 50. Dieses Jahr kamen laut Zählung der Stadt bislang 240 in die Landeshauptstadt.

 Trotz nicht mehr weiter eskalierender Zahlen gab es auch nachdenkliche bis besorgte Stimmen zur aktuellen Entwicklung. „Vor allem bei jungen Flüchtlingen ohne echte Bleibeperspektive stelle ich eine zunehmende Verunsicherung fest“, gab Wiltrud Cordes vom Mädchentreff Mona Lisa zu bedenken.

 „Ja, es gibt Konkurrenz unter jungen Flüchtlingen bis hin zu starken Auseinandersetzungen“, bestätigte Renate Treutel: „Manchmal sogar richtigen Stress, wenn Vormünder für die fehlenden Bleibeperspektiven verantwortlich gemacht werden.“

 Nachdem die Grundversorgung mit Wohnung und Nahrung mittlerweile gesichert ist, steigt nach Beobachtung der Dezernentin nun der Integrationsdruck bei jungen Flüchtlingen. „Sie wollen mehr Deutschunterricht, Schulabschlüsse und eine Ausbildung machen. Aber das System gibt dies leider nicht immer her.“

 Wohl auch vor diesem Hintergrund soll es im nächsten Stadtgespräch am Dienstag, 15. November, um das Thema Integration ins Arbeitsleben gehen. Ob die im Dezember 2015 von der Stadt eingeführten Stadtgespräche zur Flüchtlingssituation in Kiel danach in dieser Form weiter fortgesetzt werden, steht nach Einschätzung der Stadt-Sprecherin Annette Wiese-Krukowska aber noch nicht fest. Eine Entscheidung dazu falle erst nach einer Auswertung dieses Bürgerdialog-Formates.

 Denkbar sei auch ein „stärker ortsgebundener“ Informationsaustausch, beispielsweise in Zusammenarbeit mit den Ortsbeiräten. Wiese-Krukowska: „Ein offenes Gespräch mit den Bürgern zur Flüchtlingssituation wird es auf jeden Fall weiter geben.“

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Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

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