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Kiel streckt die Fühler nach China aus

Stadtkooperationen Kiel streckt die Fühler nach China aus

Kiel und seine Außenpolitik: Die Landeshauptstadt plant, sich internationaler als bisher aufzustellen. Nach einer möglichen Partnerschaft mit San Francisco und der Mitgliedschaft im Großstädte-Bund „Eurocities“ streckt Kiel 2017 die Fühler nach Dänemark und China aus.

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Seit mehr als 16 Jahren pflegt Kiel Kontakte zur chinesischen Hafenstadt Qingdao, als frühere deutsche Kolonie unter dem Namen Tsingtao bekannt.

Quelle: Konrad Bockemühl (Archiv)

Kiel. Für Oberbürgermeister und Wirtschaftsdezernent Ulf Kämpfer (SPD) gewinnt die internationale Ausrichtung strategisch eine immer wichtigere Bedeutung für die Stadt, auch mit Blick darauf, die gesamte Region für Investoren sichtbarer zu machen und die Wirtschaft anzukurbeln: „Kiel ist zwar national eine Marke durch das Segeln, den Handball, durch den U-Boot-Bau und teilweise durch Forschungsbereiche.“ Doch international müsse die Stadt noch viel aufholen, vor allem bei der Digitalisierung und Stadtentwicklung, drängt er auf „eine neue Kategorie von Kontakten.“

 Ob Kreativwirtschaft, Hochschulen oder die IT-Branche – die Stadt hat großes Potenzial, das auch außerhalb der Grenzen Interesse weckt. So könnte Schleswig-Holstein, wie berichtet, schon bald einen exklusiven Zugang zum Silicon Valley haben. Zwei Monate nach einer beiderseitigen Absichtserklärung von San Francisco und Kiel, enger zusammenzuarbeiten, gründete sich in Kiel der Verein „The Bay Areas“. Dem Verein gehören unter anderem das Land, die Universität und die Fachhochschule Kiel sowie die Industrie- und Handelskammern Kiel und Flensburg an.

 Vergangene Woche nahm Kämpfer mit einer kleinen Delegation an der Tagung der „Eurocities“ in Mailand teil: Die Vereinigung, der 135 europäische Städte angehören, gilt als ein wichtiges Netzwerk, um Lobbyarbeit bei den EU-Institutionen zu betreiben und Möglichkeiten, an Fördermittel heranzukommen, auszuloten. Der Verbund, so Kämpfer, gebe starke Rückendeckung dabei, die Interessen Kiels auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene zu vertreten und biete eine „schöne Bühne, um Kiel bekannter zu machen.“

 Wichtig ist dem Verwaltungschef auch der regelmäßige Austausch über Stadtentwicklungsprojekte. So ging seine Hoffnung auf, aus den Gesprächen in Mailand Erkenntnisse und „tolle Ideen“ für die geplante digitale Strategie Kiels zu erhalten: „Wir müssen nicht immer das Rad neu erfinden.“ Weitere Schwerpunkte beim Erfahrungsaustausch in den Arbeitsforen waren für Kiel die Bereiche Soziales/Arbeit und Mobilität. Eigentlich gehören dem 1986 gegründeten Verbund nur Städte mit mehr als 250000 Einwohnern an. Doch Kopenhagen und Malmö wollten Kiel (246000 Einwohner) schon jetzt mit im Boot haben.

 Von anderen Kommunen lernen will der Oberbürgermeister auch mit Blick auf Skandinavien: Im April 2017 steht für ihn eine Delegationsreise nach Aarhus an, dann wenn in der dänischen Stadt dem Internet und der Digitalisierung eine ganze Themenwoche gewidmet ist.

 Auch eine Reise nach China ist im nächsten Jahr geplant: „Ohne China ist eine Internationalisierungsstrategie nicht vorstellbar“, ist der Wirtschaftsdezernent überzeugt. Hauptziel wird die Stadt Qingdao sein, zu der Kiel seit mehr als 16 Jahren Kontakte pflegt. Qingdao, das auch mit Kieler Hilfe fit gemacht wurde, um 2008 die olympischen Segelwettbewerbe auszutragen, wolle die Beziehungen vertiefen. Gleichzeitig fragten Wirtschaftsexperten aus Nordrhein-Westfalen an, ob Kiel der Allianz der Industriestädte mit China beitreten möchte.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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