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Diese Liebe geht unter die Haut

Stadtmarke Kiel Diese Liebe geht unter die Haut

Seit Tagen kochen die Emotionen über: Die Kieler Stadtmarke soll einen modernen Anstrich bekommen und das bisherige Stadtwappen in vielen Bereichen ablösen. Bei einem Rundgang durch die Stadt wird klar: Viele Kieler identifizieren sich mit dem alten Wappen und wollen keine Neuauflage für ihre Stadt.

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Für Dennis Glöye (li.) geht die Liebe zu seiner Stadt sehr weit. Er lässt sich bei „Tattoo-Micha“ ein Stadtwappen samt Verschnörkelung auf den Arm stechen. Die neue „Kiel-Sailing-City“- Marke überzeugt die beiden allerdings nicht.

Quelle: Frank Peter

Kiel. So geht es auch Hartmut Denkert. Der 64-jährige Kieler steht im Souvenirladen am Bootshafen und deckt sich vorsichtshalber mit den entsprechenden Wappentassen und einer Flagge ein. „Wer weiß, wie lange es die noch gibt. Der neue Entwurf ist schon rein handwerklich nicht gelungen. Der Schriftzug spiegelt sich nicht einmal richtig“, sagt er. Regelrechte Hamsterkäufe hat Verkäuferin Gisela Neumann noch nicht beobachtet und beruhigt: „Die Ware in unserem Laden reicht bestimmt noch für das ganze Jahr.“ Eine neue Stadtmarke hält auch sie für überflüssig. „Ich bin in der Beziehung altmodisch.“

„Stadtwappen sind historisch aufgeladen und haben einen starken Einfluss auf die Identifikation der Bürger mit ihrer Stadt“, erläutert Sebastian Zenker, Professor für Stadtmarketing an der Copenhagen Business School. „Für viele sind sie so etwas wie eine heilige Kuh, deren Relevanz man besser nicht anfasst.“ Der Mensch bleibe auch in Zeiten rasanter Veränderungen ein Gewohnheitstier, das sehr emotional auf zentrale Neuerungen reagiere.

Die Liebe zur Stadt Kiel geht für manche sogar unter die Haut. Im Tattoo-Studio von „Micha“ steht Tischler Dennis Glöye und lässt sich das Stadtwappen samt kunstvoller Verschnörkelung auf den rechten Oberarm stechen. „Ich wollte etwas haben, das mit meiner Heimat verbunden ist und mit dem ich mich auch noch in 50 Jahren identifizieren kann. Die neue Stadtmarke wirkt wie gewollt und nicht gekonnt“, erklärt der 23-Jährige.

Ähnliche Kritik ist auch im Rathaus angekommen. Die Sprecherin der Stadt, Annette Wiese-Krukowska, versucht, die Gemüter zu beruhigen. „Wir wollen das Wappen nicht töten und sind doch auch Wappenfreunde. Die Debatte ist einfach sehr emotional geworden. Das Stadtwappen soll schließlich nicht gänzlich abgeschafft werden.“

Zwischen den Skeptikern finden sich aber auch Befürworter. Lilli Chrast arbeitet bei „Mode4Kiel“ in der Brunswiker Straße und verkauft Pullover, T-Shirts und Mützen mit dem Kieler Wappen. „Ich finde den neuen Entwurf sehr gut. Kiel ist eine maritime Stadt, mit der man das Segeln verbindet. Das kommt bisher nicht zur Geltung.“ Im Stadtbild ist das Wappen für viele Bürger allgegenwärtig. Ob im Logo des Fußball-Drittligisten Holstein Kiel, an alten Hausfassaden oder auf der „Gorch Fock“. Oberbürgermeister Ulf Kämpfer versucht, die Diskussion mit einem gut gemeinten Reim zu beruhigen: „Marken kommen und gehen, das Wappen bleibt bestehen.“

Von Julia Carstens und Katrin Mansfeld

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Diskussion um Stadtmarke
Foto: Sie möchten das Kieler Stadtwappen in der jetzigen Form und Verwendung sichern: Die Ortsbeiratsmitglieder Axel Stein (CDU, v. li.), Vorsitzender Timo Dittrich (SPD), Julia Bousboa (Bündnis 90/Die Grünen) und Eberhard Stein (CDU).

Die neue Dachmarke der Stadt sorgte für Diskussionen im Ortsbeirat Schreventeich/Hasseldieksdamm. In einem Antrag wird der Oberbürgermeister gebeten, den Erhalt des Kieler Stadtwappens in der jetzigen Form und Verwendung zu sichern und die Einführung der Stadtmarke nicht weiter zu verfolgen.

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