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Doppeldecker nehmen Kurs auf Kiel

Stadtrundfahrten Doppeldecker nehmen Kurs auf Kiel

In diesem Sommer könnten sich einige Kieler und Kiel-Besucher verwundert die Augen reiben: Rote Doppeldecker-Busse sollen die Straßen der Landeshauptstadt erobern. Geht es nach dem Willen der Berlin City Tour GmbH starten spätestens im Juni die ersten Busse vom Hauptbahnhof zu Stadtrundfahrten.

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Knallrote Doppeldecker-Busse kutschieren die Touristen weltweit – hier ein Foto aus Santa Cruz/Teneriffa – zu den Sehenswürdigkeiten der jeweiligen Stadt. Spätestens ab Juni sollen die Sightseeing-Busse auch in Kiel starten.

Quelle: Andrés Gutiérrez/afp

Kiel. Kiel würde sich mit den Doppeldecker-Stadtrundfahrten in die Liste der Großstädte wie Kopenhagen, London oder Barcelona einreihen. Weltweit gibt es bisher nur 100 Städte, in denen nach dem Prinzip „Hop on, hop off“ die Touristen mit den rot lackierten Doppeldeckern zu den Sehenswürdigkeiten kutschiert werden.

 „Unsere Pläne sind schon sehr weit fortgeschritten“, sagte Malika Gharred, Betriebsleiterin der Berlin City Tour GmbH. Die Firma gehört zu dem Stadtrundfahrten-Verbund City Sightseeing Worldwide mit Sitz in London. Angedacht sind in Kiel zunächst zwei Busse, die im Stundentakt, später im 40-Minuten-Takt bis nach Holtenau fahren. 2017 sollen es vier Busse sein. Sechs Haltepunkte sind geplant. Dazu gehören unter anderem der Seegarten, die Reventloubrücke, die Holtenauer Straße sowie der Schwedenkai-Terminal. Im Fokus stehen besonders die Gäste der Kreuzfahrer. Allein 450000 Passagiere werden in Kiel in dieser Saison erwartet. „Kiel hat Potenzial. Die Entwicklung hier ist enorm“, so Gharred. Für 2017 rechnet die Betriebsleiterin mit etwa 250 bis 300 Gästen pro Tag.

 Einige Genehmigungen fehlen noch

 An dem Kiel-Konzept wird schon seit Wochen und Monaten mit Hochdruck gestrickt. Es wurde eine Unterfirma gegründet, die City Sightseeing Kiel GmbH. Ein Firmenbüro soll am Kieler Bootshafen entstehen. Eine örtliche Projektmanagerin wurde eingestellt. Eine enge Kooperation besteht bereits mit der Kiel-Marketing GmbH. „Wir sind sehr optimistisch, dass es klappt“, sagte Geschäftsführer Uwe Wanger, „aber noch fehlen einige Genehmigungen.“ Die Sightseeing-Touren mit den Doppeldecker-Bussen seien ein neues, attraktives Angebot, das perfekt ins Portfolio passen würde. „Jedes Jahr haben wir 18,7 Millionen Tagesgäste in Kiel, die von einem solchen Angebot profitieren würden“, ist er sich sicher.

 Auch Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer ist begeistert von der Idee: „An zahlreichen Stellen im Stadtgebiet können unsere Gäste nicht nur die einmalige maritime Atmosphäre genießen, sondern auch historisch bedeutsame Orte erleben. Mit den Doppeldecker-Bussen erhalten Besucher eine weitere attraktive Möglichkeit, die touristische Vielfalt unserer Fördestadt zu entdecken.“ Im Kieler Rathaus kläre die Verwaltung gerade mit dem Anbieter den rechtlichen Rahmen, so Stadtsprecher Joachim Kläschen. „Wenn wir die Genehmigung erhalten haben, könne wir mit der Umsetzung beginnen“, so Malika Gharred von der Berlin City Tour GmbH. Haltestellen kennzeichnen, Flyer drucken, Personal einstellen. Mindestens zehn, ab kommenden Jahr 20 Jobs sollen entstehen. Momentan würden etwa sechs bis acht Busfahrer gesucht, Stadtführer, Ticketverkäufer und Promoter. „Als Starttermin ist der 1. Mai angedacht, spätestens jedoch der 1. Juni.“

 Nordic/Baltic-Ticket ist denkbar

 Der Fahrkarten-Preis steht auch schon: Ein Ticket für 24 Stunden soll 19 Euro für Erwachsene, zehn Euro für Kinder kosten. Des Weiteren soll es nach Auskunft von Malika Gharred schon ab dieser Saison ein Nordic/Baltic-Ticket geben. Mit nur einem Fahrschein können die Kreuzfahrtgäste dann Rundfahrten in Tallinn, Kopenhagen, Oslo, Göteborg, Stavanger, Stockholm, St. Petersburg, Riga, Helsinki, Bergen, Berlin und Kiel machen.

 Mit Spannung beobachtet auch das Kieler Taxi- und Busunternehmen Vineta die künftige Entwicklung. Seit 2013 hat das Unternehmen zusammen mit Kiel Marketing von April bis Oktober Stadtrundfahrten im Acht-Sitzer angeboten. „Wir hatten wachsende Nutzerzahlen, sodass der Betrieb 2015 fast kostendeckend war“, sagt Jürgen Ubben von Vineta. „Wir selbst haben aber keine Chance gesehen, in absehbarer Zeit mit großen Doppeldeckern hier in Kiel ausreichend Kunden erreichen zu können. Angedacht ist aber eine Kooperation mit den Berlinern. Als gebürtiger Kieler würde ich mich freuen, wenn die roten Sightseeing-Busse künftig zum Kieler Stadtbild gehören würden.“

Das Prinzip der Doppeldecker-Busse

Hop on, hop off:

Man kauft ein 24-Stunden-Ticket und kann an jedem Haltepunkt aus- oder wieder einsteigen, so oft man möchte.

Informationen:

Angedacht ist in Kiel zunächst ein Reiseführer an Bord, der während der Fahrt den Gästen Geschichtliches und Informatives erzählt. In absehbarer Zeit sollen aber Audio-Guides angeschafft werden. Per Knopfdruck können dann auch andere Sprachen ausgewählt werden.

Bedenken :

Insider befürchten, dass die Doppeldecker-Idee in Kiel nicht Fuß fassen wird. Grund: Bei drei von vier Schiffsreisenden sei Kiel der Start- oder Endpunkt. „Da macht man keine Stadtfahrt mehr.“

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Ein Artikel von
Kristiane Backheuer
Lokalredaktion Kiel/SH

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