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Kreative Aufbrüche in Gaarden

Stadtteil in Kiel Kreative Aufbrüche in Gaarden

Im Stadtteil Gaarden hat sich eine außergewöhnliche Kreativenszene entwickelt: Eines der Beispiele dafür ist Musik-Produzent André Funkhauser. Und es passiert noch einiges mehr.

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André Funkhauser produziert Musik unter dem Label „Spheredelic“. Die kreative Kraft des Stadtteils Gaarden hält er für einzigartig.

Quelle: Martin Geist

Kiel. „Spheredelic“ heißt das Label, unter dem André Funkhauser seit fünf Jahren Musik produziert. Derzeit steht die 52. Veröffentlichung an. Tendenz stark steigend. Der Zuspruch von Musikern aus Deutschland, den USA und Asien ist so groß, dass es von Juni an monatlich nicht mehr nur eine, sondern zwei Neuerscheinungen geben wird. Doch vom Geldverdienen ist André Funkhauser trotzdem immer noch weit entfernt.

Funkhausers Geschichte ist typisch für den digitalisierten Musikmarkt – und typisch für den Stadtteil Gaarden: Kreative Köpfe, fast wohin man schaut, gepaart mit überwiegend prekären Lebensbedingungen. Der Gaardener, dessen Tonstudio sich in seiner Wohnung in der Elisabethstraße befindet, mag darüber nicht klagen. Im Gegenteil, er scheint bei sich zu sein, glücklich darüber, sein Ding zu machen und damit Anklang auf der ganzen Welt zu finden.

Ambient, Avantgarde und experimentelle Musik sind die Stilrichtungen, denen er sich verschrieben hat. Ihre Abnehmer finden die die Produktionen fast ausschließlich per Gratis-Download. Es gilt also – ebenfalls sehr typisch für diese Zeit der Umsonstkultur – Geschäftsmodelle zu entwickeln, die irgendwann eine wirtschaftlich tragfähige Basis hergeben könnten.

Was ist eigentlich "Gaarden Style"?

Gaarden, davon ist Funkhauser überzeugt, bietet dafür weiß Gott nicht die schlechteste Plattform. „Nirgendwo sonst in Kiel gibt es mehr Impulse als hier“, schwärmt er. Musiker, andere Künstler, Tüftler und Querdenker, alles sei in hoher Zahl und hoher Qualität vorhanden.

André Funkhauser war einer der Teilnehmer, als der Kultur- und Kreativrat Gaarden am vergangenen Freitag in den Räumen der Türkischen Gemeinde unter dem Motto „Gaarden Style“ die Kreativen aus dem Stadtteil bat, über ihre Probleme und Bedürfnisse zu sprechen. Und nein, das Thema öffentliche Förderung spielte dabei keineswegs die herausragende Rolle. Den Kreativrat nutzen, um weitere Kontakte zu knüpfen und Live-Events zu organisieren, mit denen sich Geld verdienen lässt, darum geht es Funkhauser.

Eine ebenfalls im Stadtteil lebende Künstlerin hat sich vorgenommen, das seit Jahren geschlossene „Café Kreuzberg“ in der Reeperbahn wiederzubeleben. Galerie, Gastronomie, Ateliers und Kommunikation sollen das Projekt prägen. Zunächst fällt aber, schon um die Räume nutz- und erlebbar zu machen, jede Menge Arbeit an. Doch die Frau hat gute Aussichten, damit nicht allein zu sein. Die Mitglieder des im Sommer 2015 gegründeten Kultur- und Kreativrats Gaarden zeigten sich geradezu begeistert über die Initiative und sicherten breite Unterstützung zu.

Hilfe für Fördergelder nötig

Die, so betonte Sabine Leonhardt vom Verein „Kulturwerft“, könnte in diesem Fall und ganz grundsätzlich durchaus auch darin bestehen, Hilfestellung beim Beantragen öffentlicher Fördermittel zu geben. Ebenso scheut sich das Gremium nicht davor, sich auf wenngleich eigene Weise aufs Parkett der Politik zu begeben. Gedacht ist beispielsweise an ein Kultur-Event auf der chronisch unvollendeten Gaardener Brücke, um damit nicht zuletzt ein Signal in Richtung Rathaus zu senden.

Ideen und Gesprächsbedarf in Gaarden scheinen jedenfalls so groß zu sein, dass sich der bislang nur intern tagende Kultur- und Kreativrat öffnen will. Im Juli wird es erstmals einen öffentlichen Stammtisch geben, um die bei der jetzigen Konferenz entwickelten Ideen zu vertiefen und ebenso, um weitere neue Gedanken zu entwickeln.

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Ortsbeirat
Foto: Leichter geschrieben als getan: Auch in Gaarden wird es immer schwieriger, ein neues Zuhause zu finden.

Oft und gern wird im Rathaus die integrative Kraft von Gaarden gelobt. Diese Kraft wird auch weiterhin vonnöten sein, denn der Zuzug von Flüchtlingen betrifft den Stadtteil deutlich stärker als andere Bereiche von Kiel.

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