16 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
Frau Rossi oder das Knöllchen für die Beifahrerin

Stadtverwaltung Frau Rossi oder das Knöllchen für die Beifahrerin

Barbara Rossi fährt gerne und oft Taxi. Zu einer Taxifahrerin wird sie dadurch aber noch nicht – auch wenn die Stadt Kiel jetzt genau diesen Schluss gezogen hat. Die Verwaltung hat der Seniorin nämlich ein Knöllchen geschickt und sie darin fälschlicherweise zum „Führer des Pkw“ gemacht.

Voriger Artikel
Drei große Tage für ambitionierte Laienmusiker
Nächster Artikel
Goldenes Buch Kiel: Riesentrubel um Angie

Mehr als überraschend: Barbara Rossi hat als Beifahrerin einen Strafzettel bekommen.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Ihren Anfang nahm die Verwechslungsgeschichte vor ungefähr einem Monat. Aber der Reihe nach. Barbara Rossi ist seit einer Operation vor gut anderthalb Jahren nicht mehr so gut zu Fuß und auf zwei Krücken angewiesen. Daher holt Taxifahrer Thomas Petzold sie jeden Morgen ab und fährt sie ins Büro; Rossi arbeitet im europäischen Verbraucherzentrum. Ihren „angestammten“ Fahrer ordert sie auch, wenn sie einmal schwerere Besorgungen macht – wie an jenem Tag im Januar. Insgesamt neun Bücher hatte sich Rossi bei einer Buchhandlung in der Holtenauer Straße ausgesucht und sich – wie immer – das Taxi für die Fahrt nach Hause bestellt. Fahrer Petzold fand keinen Parkplatz – wie so oft. Er stellte sich auf einen Behindertenparkplatz. Als er wenige Minuten später mit Rossi wieder am Wagen war, hatte ihm eine Politesse bereits einen Strafzettel unter den Scheibenwischer gesteckt. 35 Euro sollte er bezahlen. „Alle acht Wochen erlebe ich das im Schnitt“, sagt er. Holt er einen älteren Menschen aus einer Arztpraxis ab und steht kurz im Halteverbot oder mit Pannenblinker in der zweiten Reihe – das nächste Strafmandat ist ihm so gut wie sicher. „Ich wünsche mir ein bisschen mehr Augenmaß“, sagt er. „Es ist doch klar, dass ich als Taxifahrer gleich wieder weg bin.“ Und mit Barbara Rossi hatte er überdies tatsächlich einen mobilitätseingeschränkten Fahrgast.

"Ein Witz ist das"

Jedes Mal schreibt Petzold der Stadt. „Mein Einspruch wird jedes Mal abgeschmettert.“ Daher ärgerte das neuerliche Knöllchen auch Barbara Rossi – so sehr, dass sie selbst einen Brief an die Verwaltung aufsetzte. Darin beschrieb sie, dass der Taxifahrer nur wenige Augenblicke auf dem Parkplatz stand und dokumentierte das dann auch mit der Quittung vom Buchladen. Das Schreiben gab sie Petzold, und der schickte es mit seinen Einwänden an die Stadt. Die Folge: Das Ordnungsamt versandte die „schriftliche Verwarnung“ mit Zahlungsaufforderung jetzt an Barbara Rossi als „die vermeintliche Taxifahrerin“: „Sehr geehrte Frau Rossi, Ihnen wird vorgeworfen, folgende Verkehrsordnungswidrigkeit begangen zu haben...“, heißt es da. „Ein Witz ist das“, sagt sie. Wieder schrieb Rossi an die Stadt: „Ich bin weder Halter noch Fahrer des Taxis. Daher betrifft mich der Bußgeldbescheid nicht.“

Sie wünschen sich mehr Nachsicht

Die Stadt spricht auf Nachfrage von einem „Versehen“. Aber wie konnte es überhaupt dazu kommen? Als recht ungewöhnlich beschreibt Stadtsprecher Arne Gloy, dass Rossis Brief im selben Umschlag wie der Widerspruch des Taxifahrers beim Ordnungsamt eintrudelte. Da muss der Sachbearbeiter wohl gedacht haben: Er will es nicht gewesen sein, sie erklärt den Hergang, also zahlt sie. „Gelesen hat er meinen Brief wohl gar nicht“, meint Rossi. Gloy stellt klar: „Frau Rossi muss selbstverständlich nicht bezahlen.“ Niedergeschlagen ist die Forderung der Stadt damit jedoch nicht: In der Pflicht ist nun also wieder der Taxifahrer. Petzold wird den Betrag begleichen. Dennoch, ein bisschen mehr Nachsicht für Taxifahrer im Dienst, die wünschen sich Rossi und Petzold schon.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Thomas Paterjey
Lokalredaktion Kiel/SH

Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3