2 ° / -1 ° Schneeregen

Navigation:
Kraftwerk: Alles eine Frage der Kohle

Stadtwerke Kiel Kraftwerk: Alles eine Frage der Kohle

Eigentlich sollte der Aufsichtsrat der Stadtwerke Kiel AG am 24. März 2016 endgültig eines der größten Bauprojekte im Norden beschließen. Doch nun ist klar: Die finale Entscheidung zum Bau des Gasmotorenkraftwerks wird sich um gut zwei Monate verzögern – mindestens.

Voriger Artikel
Brand beim Kieler Schrotthandel
Nächster Artikel
Prozess wegen KZ-Tätigkeit noch unklar

Das Gemeinschaftskraftwerk (GKK) auf dem Kieler Ostufer muss weiterlaufen, bis der Nachfolger ans Netz geht.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Grund: Die Verhandlungen über die Finanzierung des 290-Millionen-Euro-Projektes gestalten sich anspruchsvoller als zunächst vermutet. Gleichwohl sieht das Unternehmen den Bauzeitplan nicht gefährdet. Stadtwerke-Vorstandschef Frank Meier: „Wenn es keine unvorhersehbaren Probleme gibt, wird das Kraftwerk wie geplant spätestens zum 1. Oktober 2018 ans Netz gehen.“

 Der größte Batzen der Investitionssumme, rund 130 Millionen Euro, soll von der Europäischen Investitionsbank (EIB) in Luxemburg kommen. Doch deren Zusage trudelte nicht wie zunächst erwartet kurz vor Weihnachten in Kiel ein, sondern erst Mitte Februar. Sollte der EIB-Verwaltungsrat zustimmen – was als höchst wahrscheinlich gilt –, wäre ein entscheidender Risikofaktor für die Umsetzung des Projektes vom Tisch. „Das ist für uns ein wichtiger Fortschritt“, sagt Meier: „Wir blicken optimistisch auf die nächsten Schritte des Finanzierungsprozesses – aber noch ist nicht alles in trockenen Tüchern.“

 Die „nächsten Schritte“ – das sind vor allem die Gespräche mit zahlreichen Banken, die als Konsortium eine dreistellige Millionensumme zur Verfügung stellen müssten. Von zahlreichen Instituten liegen zwar Finanzierungsangebote vor, doch bei den Konditionen sehen der Energieversorger und seine Eigentümer – die Mannheimer MVV Energie und die Stadt Kiel – noch Verbesserungspotenzial. Aus diesem Grund haben beide Anteilseigner sich in den vergangenen Wochen darauf verständigt, bei den Rahmendaten für die Finanzierung nachzujustieren. Entscheidende Veränderung ist ein deutlicher Verzicht auf Ausschüttungen. So sollen während der ersten fünf Betriebsjahre 50 Prozent der Stadtwerke-Gewinne im Unternehmen verbleiben, um eine schnellere Entschuldung zu ermöglichen. Im Durchschnitt der letzten Jahre haben die Stadtwerke rund zehn Millionen Euro an die Landeshauptstadt Kiel ausgeschüttet.

 Die Zeit drängt: Erst wenn für die Gesamtfinanzierung eine Lösung steht, kann das Kontrollgremium der Stadtwerke grünes Licht geben. Nach jetzigem Stand soll das auf der nächsten regulären Aufsichtsratssitzung am 6. Juni erfolgen. Meier ist zuversichtlich, die Finanzierungsverhandlungen rechtzeitig bis dahin abgeschlossen zu haben. Doch ein Risiko, das die Stadtwerke nicht steuern können, gibt es noch: Die von der Bundesregierung beschlossene Novellierung der Förderung von Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) steht derzeit noch bei der EU auf dem Prüfstand. Mit den hohen Einspeisevergütungen für umweltfreundlichen KWK-Strom ist die Berliner Neuregelung zentraler Baustein für die Wirtschaftlichkeit des neuen Kraftwerkes. Erwartet wird zwar, dass diese Prüfung im Mai beendet sein könnte, doch ist nicht ausgeschlossen, dass die Wettbewerbshüter sich mehr Zeit dafür nehmen. Sollte das neue KWK-Gesetz in Brüssel durchfallen, müsste die Bundesregierung nachbessern – weitere Verzögerungen beim Kraftwerksprojekt wären damit unvermeidbar. Sollte der Startschuss jedoch wie geplant am 6. Juni erfolgen, könnte der Bau bereits Anfang März 2018 fertig sein. Das heißt: Noch gibt es einen Puffer von sechs Monaten.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3