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San Francisco in aller Munde

Städtepartnerschaft San Francisco in aller Munde

Die Aussicht, dass Kiel womöglich eine Städtepartnerschaft zu San Francisco knüpft, hat nach der Rückkehr von Oberbürgermeister Ulf Kämpfer aus den USA hohe Wellen geschlagen. Neben der grundsätzlichen Freude meldete aber nicht nur Stadtpräsident Hans-Werner Tovar Bedenken an.

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Das Symbol schlechthin: Die Golden Gate Bridge überspannt die schmale Enge, die die riesige San Francisco Bay mit dem Pazifik verbindet.

Quelle: Cornelia Müller

Kiel. Neue Kontakte dürften erst am Ende eines Prozesses, nicht beliebig oder auf Zuruf entstehen. „Ich bin nicht dagegen, aber Vorsicht an der Bahnsteigkante“, erklärte er. Die Stadt erhielt den Auftrag, dem Hauptausschuss im November eine Bestandsaufnahme und Bewertung der bisherigen Partnerschaften vorzulegen – als Entscheidungshilfe für die Politik, mit wie vielen und welchen neuen Partnern Kiel sich künftig aufstellt.

 Beim OB herrschte in seiner Position als Wirtschaftsdezernent Begeisterung pur: Gemeinsam mit dem Bürgermeister von San Francisco, Edwin M. Lee, hatte er ein „Memorial of Intent“ unterzeichnet, wonach beide Küstenstädte ihre Absicht, auf allen möglichen Ebenen eng zusammenzuarbeiten, erklären. Sollte daraus eine offizielle Städtepartnerschaft entstehen, wäre Kiel die erste und nach den Regeln der USA damit auch einzige deutsche Stadt, mit der San Francisco ein solches Bündnis eingehen könnte. 18 Partnerstädte, darunter Paris, Sydney und Manila, hat die kalifornische Stadt bereits, in der mit etwa 850000 Menschen mehr als dreimal so viele wie in Kiel leben. Kämpfer berichtete, wie das von San Francisco vor einem Jahr geäußerte Interesse eine „unerwartete Eigendynamik“ vor Ort entwickelte. Der Anstoß für ein Bündnis ging von einem Mann aus, der mit Schleswig-Holstein privat eng verbunden ist. Mark Farrell ist in San Francisco Supervisor in der Stadtverwaltung, vergleichbar mit der Position eines Dezernenten. Seine Mutter kommt aus der Probstei, sein Cousin ist Unternehmensberater in Kiel. Hätte er nicht unterschrieben, wäre dies wohl als Affront gewertet worden, zumal alle mitreisenden Wirtschafts-, Wissenschafts- und Landesvertreter der schleswig-holsteinischen Delegation „überwältigt“ reagierten, so Kämpfer: „Auch aus meiner Sicht ist das eine tolle Sache, aber kein Selbstgänger. Die Entscheidung hat die Ratsversammlung zu treffen.“ Und: Der Kontakt müsse auch zivilgesellschaftlich getragen werden. Einen Zeitplan gibt es nicht. Da aber Farrell in zwei Jahren aus seinem Amt ausscheidet, findet der Oberbürgermeister es sinnvoll, dass sich die Politik bis dahin festgelegt hat.

 Bisher hat Kiel elf Partnerschaften, die aus unterschiedlichen Gründen – von Völkerverständigung mit ehemaligen Kriegsgegnern bis hin zum Brückenschlag in Zeiten des Eisernen Vorhangs – geschlossen wurden. Die jüngsten kamen 2011 mit zwei türkischen Städten und der Region Moshi Rural in Tansania dazu, allerdings erst nach politischen Auseinandersetzungen. In Erinnerung an den Streit damals warnte Tovar die Politik: „Eine Städtepartnerschaft macht nur Sinn, wenn sie parteiübergreifend beschlossen wird.“ Ein weiteres Problem sieht er darin, dass sein Büro bereits jetzt schon „personell auf Kante genäht ist“. Bedenken, die CDU und FDP teilen: Ohne ausreichende Ressourcen und Betreuung könne das Ganze nicht funktionieren, wandten die Fraktionsvorsitzenden Stefan Kruber (CDU) und Christina Musculus-Stahnke (FDP) ein. Solche Fragen müssten geklärt werden, findet auch die SPD. Doch schon jetzt signalisierte SPD-Chef Hans-Friedrich Traulsen, dass sich seine Fraktion voll hinter den Kurs San Francisco stellt. Eine großartige Chance sei das, die das Markenzeichen Kiels, die Internationalisierung, unterstütze. Zustimmung kam auch von Lutz Oschmann (Grüne). Musculus-Stahnke hält dagegen eine Schwerpunktsetzung bei den Städtepartnerschaften für notwendig: „Wir können nicht alles mit demselben Einsatz betreiben.“

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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