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Schmutzwäsche waschen bald andere

Städtisches Krankenhaus Schmutzwäsche waschen bald andere

Eine Ära geht am Städtischen Krankenhaus in Kiel zu Ende. Als eine der letzten Kliniken in Schleswig-Holstein sieht sich „das Städtische“ gezwungen, sich von seiner hauseigenen Wäscherei zu trennen.

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Noch trocknet Rebecca König die Kittel in der Wäscherei des Städtischen Krankenhauses, die Ende des Jahres geschlossen wird.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Ob Bettwäsche oder Ärztekittel aus Kiel – stimmt die Ratsversammlung wie erwartet am 10. Dezember zu, werden die fünf Tonnen Wäsche täglich künftig in Rostock durch die Trommeln gejagt. Der Grund: Das Wäscherei-Gebäude ist so marode, dass es Ende 2016 abgerissen werden soll.

 Bisher gehört die Wäscherei wie die Küche, Reinigung, Hol- und Bringdienste sowie das Bistro der 100prozentigen Kliniktochter Service GmbH, die insgesamt 180 Mitarbeiter hat. Die Service-Gesellschaft höre nicht etwa wegen erhoffter Einsparungen auf zu waschen, erklärt Geschäftsführer Dr. Roland Ventzke: „Wir haben eine tolle Wäscherei, für die sich die Mitarbeiter toll engagieren. Aber wir müssen große Investitionen in Bereichen vermeiden, die nicht zum medizinischen Kernbereich gehören.“ Denn die Grundsanierung des markanten Backstein-Gebäudes an der Chemnitzstraße mit den blauen Schornsteinen hätte laut Gutachter-Schätzungen vier bis fünf Millionen Euro samt Interimslösung während der Bauarbeiten verschlungen. Ein Neubau, gaben die Experten dem Krankenhaus mit auf den Weg, wäre kaum günstiger gewesen.

 Bereits vor einem Jahr beschloss der Aufsichtsrat daher die Schließung der Wäscherei zum Ende 2015, ohne dass ein Stellenabbau damit einhergeht. Zeitgleich bereitete man eine Neuorganisation vor: Die 23 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen behalten ihre Stellen zum gleichen Lohn, werden in andere Bereiche versetzt oder betreuen weiterhin die Spezial-Wäscherei im Krankenhaus, die unter anderem Jacken der Berufsfeuerwehr reinigt. Als ökonomisch sinnvollstes Konzept stellte sich nach Klinikangaben der gemeinsame Betrieb einer Tochtergesellschaft mit einem Dienstleister heraus, wie es etwa im Krankenhaus Itzehoe und Friedrich-Ebert-Krankenhaus in Neumünster praktiziert wird.

 In dieser neuen Gesellschaft mit dem Namen „Städtische Textilversorgung Kiel GmbH“ hält das Städtische Krankenhaus die Mehrheit mit 51 Prozent. Die europaweite Ausschreibung gewann die Firma Sitex, eines der größten Unternehmen in der Textilreinigungs-Branche mit zahlreichen Standorten in Deutschland, darunter auch in Rostock. Nach dem Vertragsentwurf stellt sie als Gesellschafterin mit 49 Prozent der Anteile sämtliche Infrastruktur-, Verwaltungs- und Management-Dienstleistungen, während das Kieler Krankenhaus die Logistik behält.

 Die Kommunalaufsicht hat nach Angaben der Stadt keine Einwände gegen diese Konstruktion, die der Klinik zwar keine Ausgabenersparnis, aber steuerliche Vorteile bringen kann. Auch der Hauptausschuss unterstützte am Mittwoch die Vorlage einstimmig, die Zustimmung in der Ratsversammlung in der kommenden Woche gilt deshalb als sicher. Was ändert sich durch die Umstrukturierung? Für die Patienten gar nichts, betont Ventzke. Wie die Fläche nach dem Abriss des Gebäudes genutzt werde, sei noch offen. Denkbar seien neue Parkplätze.

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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