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SUP setzt sich immer mehr durch

Interaktive Karte SUP setzt sich immer mehr durch

Die Trendsportart "Stand-Up-Paddling" (SUP) setzt sich in Kiel immer mehr durch. Wo Sie die Sportart in Kiel ausprobieren können, erfahren Sie in einer interaktiven Karte.

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Die SUP-Schule Kiel bietet auf der Schwentine mehrstündige Anfänger- und Fortgeschrittenen-Kurse an, bei denen Trainerin Inga Golde behutsam an die Sportart heranführt.

Quelle: Uwe Paesler

Kiel. Entspannt gleite ich den letzten Sonnenstrahlen auf der Kieler Förde entgegen, rechts die Fachhochschule und links das Geomar. Dabei schleichen sich die Worte von SUP-Shop Besitzer Mikesch Groht in meine Gedanken: „Leute, die so eine langsame Sportart betreiben, ruhen auch in sich selbst.“ Genau das tue ich gerade und denke: „Stand-up Paddling“ könnte eine Sportart sein, die zu mir passt und all meine Ansprüche erfüllt.“

 Es muss aber weitere gute Gründe geben, warum ich derzeit überall Menschen entspannt auf Brettern stehend paddeln sehe. Die Windsurf-Alternative bei Flaute hat sich tatsächlich zu einer eigenen Sportart mit einer großen Anhängerschaft entwickelt. Für Sabine Borowski, die sich gerade ihr zweites Board gekauft hat, sind das „auf dem Wasser in der Natur zu sein sowie Ausdauertraining“. „In der Förde sehe ich Schweinswale, auf Sylt Robben und in der Schwentine Schildkröten“, schwärmt die 34-Jährige von interessanten Begegnungen und neuen Sichtweisen durch das aufrechte Stehen.

 Besonders interessant ist aber auch der gesundheitliche Aspekt: „Kein Muskel kann sich verstecken, alle müssen mitmachen“, sagt Mikesch Groth, der vor sieben Jahren wegen Rückenproblemen vom Windsurfen zum SUP gewechselt und seitdem schmerzfrei ist. „Es ist ein Training für den ganzen Körper“, sagt auch Thomas Wendt, Gründer von SUP-Teamsport. Ziel sei es, spielerisch die Gesundheit zu fördern. Dazu kämen die ganzen anderen positiven Aspekte wie in der Natur zu sein, die Sportart auf dem Meer, auf dem See oder dem Fluss ausüben zu können, mit der gesamten Familie etwas gemeinsam zu machen und die geringe Verletzungsgefahr.

 Doch am Anfang steht alles auf der Kippe, weil das Board ganz schön kippelig ist. Auf allen Vieren besteige ich gemäß den Anweisungen von Trainer Hannes von Weihl vom SUP-Teamsport das Board beim Steg am Seefischmarkt. Das Aufrichten gestaltet sich ganz schön wackelig, obwohl ich schon auf diversen Brettern beim Windsurfen oder Skifahren gestanden habe. Von meiner inneren Mitte bin ich noch weit entfernt. Vielmehr verkrampfe ich beim Gedanken auf ein Bad in der grün-braunen Schwentine. Meine bevorzugte Wasserfarbe ist Türkisblau. Mit etwas gutem Zuspruch, flexiblen Knien und ein paar Wackelübungen stellt sich allmählich ein Gefühl der Sicherheit ein. Auch das Wetter ist auf meiner Seite: strahlender Sonnenschein mit absoluter Windstille.

 Mit dem auf meine Größe eingestelltem Paddel bewege ich mich Richtung Alter Schwentinebrücke. Ich gleite dahin. Ist gar nicht so anstrengend, wie ich gedacht habe, aber dennoch schweißtreibend – schließlich bestimmt jeder sein Tempo selbst. Wieder schießt mit ein Satz von Mikesch durch den Kopf: „SUP sorgt dafür, dass man fitter wird, ohne dass man es will oder merkt.“ Die gewonnene Sicherheit lässt Raum, die Natur wahrzunehmen. Beim SUP stellt sich der Erfolg schnell ein – und der Frust ist somit gering.

 Der Erfolg treibt mich daher auch ein zweites Mal aufs Brett, diesmal mit SUP-Trainerin Inga Golde. Auf dem Parkplatz unter der Schwentinebrücke liegen schon die Inflatables, die aufblasbaren Boards, bereit. Beim dreistündigen Anfängerkursus stehen vor allem die Regeln auf dem Wasser, Materialkunde und diverse Schlagübungen auf dem Programm. Brett und ich harmonieren beim Einsetzen in die Schwentine schon besser. Mit der Gruppe geht es langsam Richtung Oppendorfer Mühle. Dabei begegnet mir schließlich doch der Frust: In Windböen bis zu vier Windstärken paddele ich auch der Stelle. Mein Basisschlag, der mich geradeaus fahren lassen soll, ist korrekturbedürftig, was ich am nächsten Tag im Rücken spüren werde. Mein Stopp-Schlag zum Bremsen empfinde ich dafür als wahres Highlight, und mein Selbstbewusstsein bekommt erst wieder beim Bogenschlag zum Kurven einen Knacks. Schon beim zweiten Versuch verliere ich das Gleichgewicht und plumpse mitten in Entengrütze und Schlingpflanzen – zum Glück hatte ich mich vorher statt T-Shirt für einen Shorty entschieden. „So, nun habe ich auch das hinter mir“, denke ich. Danach ist alles egal, der Abgang sorgt für Entspannung bei mir, und entkrampft paddele ich schließlich mit korrektem Basisschlag zurück. „Suppen“ will eben doch gelernt sein.

Das nächste Ziel ist jetzt eine Tour in Falckenstein auf der Ostsee, beispielsweise die Fischbrötchentour bei Volker Schöttkes Katamaran-, SUP- und Surfschule Westwind. Doch bis ich mich aufs Meer wage, möchte ich noch ein bisschen mehr Vertrauen ins Brett aufbauen, zum Beispiel beim SUP-Yoga oder SUP-Workout mit Lena Hogenkamp an der Seebar. „Beides eignet sich, um ein gutes Boardgefühl zu entwickeln. Einfache Übungen werden auf dem Wasser zur Herausforderung“, sagt die 25-jährige Trainerin. Für sie gehört der Unterricht einfach ins Freie: „In geschlossenen Räumen kann man nicht wirklich durchatmen.“

 Wie bei jeder ausgereiften Sportart ist das Materialfrage eine Wissenschaft für sich. Eindrücke dieser Vielfalt habe ich schon bei Mikesch Groht im SUP-Shop bekommen. Ich liebäugle nach meinen ersten Erfahrungen mit einem aufblasbaren Brett, das gut verstaut im Rucksack ab acht Kilo wiegt und maximale Mobilität bedeutet. Und in Gedanken sehe ich mich gen Süden fliegen, um auf dem Mittelmeer die Küste entlang zu paddeln.

 

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