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Fahrradstreifen sorgt für Unmut

Steenbek-Projensdorf Fahrradstreifen sorgt für Unmut

„Dieser Fahrradstreifen ist unnötig und geht schlicht am Bedarf vorbei“ – so das Urteil des Ortsbeirats Steenbek-Projensdorf über die aktuelle Markierungsmaßnahme im Steenbeker Weg. Das Tiefbauamt ist, wie berichtet, gerade dabei, die Straße zu modernisieren, unter anderem mit einer neuen Asphaltdecke. Auf diesem frischen Untergrund sollen die Radler künftig eine eigene Spur haben.

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Die Modernisierung des Steenbeker Weges schreitet voran. Die Steinsetzer Viktor Lange (l.) und Jürgen Wolfeil bauen im Auftrag des Tiefbauamtes die Bushaltestelle Rehbenitzwinkel barrierefrei um.

Quelle: Christoph Jürgensen

Steenbek-Projensdorf. Für die einen ist es ein Gewinn in Sachen Fahrradfreundlichkeit, für die anderen ein völlig nutzloser Akt, dem zu allem Überfluss noch etliche Parkplätze zum Opfer gefallen sind. Ein Teil des neuen Fahrradstreifens in der südlichen Fahrspur des Steenbeker Wegs ist am vergangenen Wochenende bereits auf die tiefschwarze Asphaltdecke aufgebracht worden – nach seinem Eindruck vor allem, um vollendete Tatsachen zu schaffen und diese im „Sommerloch“ zu verstecken, so der Ortsbeiratsvorsitzende Ralf Meinke (FDP). Er zeigt sich enttäuscht: „Es hätte sich gehört, den Ortsbeiratsvorsitzenden vorher noch einmal einzubeziehen, das ist in keiner Weise geschehen. So macht Ehrenamt keinen Spaß.“ Stattdessen habe man ihm lediglich mitgeteilt, dass der Schutzstreifen jetzt markiert werden solle, ohne Angabe von Gründen.

 In seiner Julisitzung hatte sich der Ortsbeirat einstimmig gegen eine eigene Fahrspur für Radler ausgesprochen. Bei dieser Entscheidung ging es dem Gremium unter anderem darum, die rund 60 weggefallenen Parkplätze am Steenbeker Weg zu erhalten, beziehungsweise zurückzugewinnen. Der Parkdruck im Quartier sei spürbar gewachsen, so Meinke. Vor allem aber will sich den Ortsbeiratsmitgliedern die Sinnhaftigkeit eines Schutzstreifens im Steenbeker Weg nicht erschließen. Weder seien hier Massen von Radfahrern unterwegs noch sei hier ein besonderer Unfallschwerpunkt zu finden. „Es sind bislang niemals Berichte über Konflikt- oder Gefährdungssituationen an uns herangetragen worden“, stellt der stellvertretende Ortsbeiratsvorsitzende Manfred Scholz (SPD) fest.

 Genau damit aber argumentiert die Stadt: „In der Vergangenheit war es auf dem gemeinsamen Geh- und Radweg im Steenbeker Weg immer wieder zu Konflikten zwischen Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmern gekommen“, heißt es in einer Pressemitteilung, „Durch die Einrichtung des Schutzstreifens sollen diese Konflikte beseitigt werden.“ Der Einrichtung des Schutzstreifens sei eine einjährige Beobachtungsphase vorausgegangen. Diese sei unter anderem zu dem Ergebnis gekommen, dass auch bei der Einrichtung des Schutzstreifes eine ausreichende Zahl von Parkmöglichkeiten zur Verfügung stehe. „Konkrete Erhebungen und Zahlen dazu sind nie bekanntgegeben worden“, so die Vertreter des Ortsbeirats. Die ganze Sache grenze schon an Verwaltungswillkür. „Die Stadt hat ihre Entscheidung getroffen“, so Meinke, „Sie darf aber nicht den Eindruck erwecken, die Bevölkerung sei hier mit einbezogen worden.“

 Tatsächlich ist die Verwaltung an das Votum des Ortsbeirats nicht gebunden. „Bei der Einrichtung des Schutzstreifens handelt es sich um eine sogenannte ordnungsbehördliche Maßnahme der Straßen- und Verkehrsbehörde im Rahmen sogenannter Weisungsangelegenheiten nach der Straßenverkehrsordnung“, heißt es in einer Stellungnahme der Stadt, „Im Gegensatz zu den Selbstverwaltungsangelegenheiten werden die Entscheidungen hier durch die Verwaltung getroffen, die aufgrund von Bundes- und Landesgesetzen vom zuständigen Gesetzgeber so inhaltlich vorgegeben sind.“ Trotzdem habe die Stadtverwaltung die Empfehlung des Ortsbeirats in ihre Entscheidungsfindung einbezogen, sei dann aber nach nochmaliger Abwägung bei der ursprünglich avisierten Lösung geblieben.

 Der Schutzstreifen soll also kommen und den Steenbeker Weg für Radler zu einer attraktiven Wegeverbindung im Kieler Norden machen. Der Fahrradbeauftragte des Ernst-Barlach-Gymnasiums hat bereits angekündigt, den Schülern zu empfehlen, zwischen Torfende und B76 weiterhin den alten Radweg auf der Nordseite zu nutzen. Dieser soll schließlich auch künftig in beide Richtungen befahrbar bleiben. Für den Ortsbeirat hat sich das Wirken gegen den Schutzstreifen erledigt. „Wir werden nun genau beobachten, wie sich die Situation entwickelt“, sagt der Vorsitzende Meinke, „und ob durch den Streifen mögliche neue Gefahrensituationen entstehen.“

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