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Strafverfahren gegen Pferdehalter eingestellt

Prozess Strafverfahren gegen Pferdehalter eingestellt

„Oh Gott, die armen Tiere!“ So würde der Pferdehalter nach eigenen Worten die Anklage kommentieren, wenn er es nicht besser wüsste. Denn die gegen ihn gerichteten Vorwürfe der Tierquälerei seien „völliger Quatsch“, behauptete der 46-Jährige am Dienstag vor dem Kieler Amtsgericht.

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Der Prozess um Tierquälerei auf einer Koppel in Kiel-Rönne endete ohne Urteil.

Quelle: Angelika Warmuth/dpa (Symbolfoto)

Kiel. Vor viereinhalb Jahren soll der Familienvater auf einer gepachteten Weide in Kiel-Rönne zwei Holsteiner-Stuten, drei Hengste und eine Ponystute unter desolaten Bedingungen gehalten haben. Im Dezember 2011 waren die sechs Pferde bei Außentemperaturen knapp über dem Gefrierpunkt starkem Wind und Regen ausgesetzt, hieß es. Ohne Unterstand harrten sie mit durchnässtem, stark verschmutztem Fell aus – in Matsch und Exkrementen.

Vernachlässigt, teilweise total abgemagert, lahm und hochgradig verwurmt, so lautetet die Anklage. Ohne Futter, ohne Futterbehälter hätten die hungernden Tiere einen Zaun niedergetreten, um auf der Nachbarweide Futter zu suchen. Der Halter, der erhebliche Schmerzen und bleibende Schäden der Pferde in Kauf genommen haben soll, schnaubt verächtlich und widerspricht entschieden.

„Zwei bis drei Mal täglich“ will er die Tiere gefüttert haben, für die es auf dem Hof durchaus einen Unterstand gegeben habe. „Wohlgenährt und kugelrund“ seien alle Stuten gewesen. „Abgemagert war nur ein Hengst, den ich gerade zum Aufpäppeln bekommen habe.“ Die Strafanzeige gegen ihn beruhe auf einem Nachbarschaftsstreit, so der Angeklagte. Die völlig unverhältnismäßige Beschlagnahme der Tiere, gegen die er sich vergeblich zur Wehr gesetzt habe, bedeute einen immensen Schaden.

Während eine Veterinärin den Gesamtwert der sechs abtransportierten Pferde auf 3250 Euro festlegte, setzt der Angeklagte die Summe „allein schon als Decktaxe“ für einen Hengst an. Mindestens 60000 Euro seien die Pferde Wert gewesen, nach denen er immer noch bei Turnieren oder Körungen Ausschau halte. „Das war Familie“, sagt der Angeklagte, „meine Tochter hing total an dem Pony, das kam auf Zuruf wie ein Hund.“

„Ein emotionales Thema, aufwühlend“, stellt der Vorsitzende fest und bittet um Sachlichkeit. Immerhin beruhten die Vorwürfe auf Zeugenaussagen, habe die Stadt Kiel den Abtransport der Tiere mit der fünfseitigen Begründung einer Amtstierärztin angeordnet. „Ich habe mir nichts vorzuwerfen“, beharrt der Angeklagte. „Ich bin hier reingegangen, um freigesprochen zu werden.“

„Dafür spricht sehr wenig“, verweist der Richter auf die Aktenlage, hält jedoch eine Strafe angesichts der einschneidenden Folgen für den Pferdehalter und der inzwischen verflossenen Zeit für überflüssig. Nach kurzer Beratung mit seinem Anwalt gibt auch der Angeklagte grünes Licht für die Einstellung des Verfahrens ohne weitere Auflagen. Die erspart allen Beteiligten eine mehrtägige Beweisaufnahme.

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