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Mit 80 Stundenkilometern über den Strand

Meike Meyer aus Kiel Mit 80 Stundenkilometern über den Strand

Meike Meyer aus Kiel geht neugierig durch die Welt, probiert sich immer wieder aus, testet Grenzen. Mit dieser Lebenseinstellung hat sie im Jahr 2009 ihre wahre Leidenschaft entdeckt: Das Strandsegeln. Als eine von zwei Frauen behauptet sie sich seither erfolgreich in einer Männerdomäne. 

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Meike Meyer aus Kiel in ihrem Wagen beim Strandsegeln in St. Peter-Ording.

Quelle: Andrea Koch

Kiel. Alles begann mit einem Gutschein für einen Strandsegel-Kursus zu ihrem 40. Geburtstag. Seitdem sie als Kind regelmäßig Urlaub in St. Peter-Ording machte, war sie fasziniert von den Strandseglern. Ihre Begeisterung hat bis heute angehalten. "Wenn man den Wagen aufgebaut hat und an der Startposition steht, kickt das einfach", sagt Meike Meyer. Mit bis zu 80 Stundenkilometern düst die 47-Jährige regelmäßig in ihrem Wagen über den Strand in St. Peter-Ording. Ähnlich wie in einem Kajak auf drei Rädern, liegt sie bei diesen hohen Geschwindigkeiten im Wagen und lenkt ihn mit Fußpedalen und einer Handsteuerspinne sicher über die Sandbänke. Über ihrem Kopf schwingt der etwa sechs Meter hohe Segelmast im Wind.

Mit bis zu 80 Stundenkilometern düst die 47-Jährige regelmäßig in ihrem Wagen über den Strand in St. Peter-Ording. Ähnlich wie in einem Kajak auf drei Rädern, liegt sie bei diesen hohen Geschwindigkeiten im Wagen und steuert ihn mit Fußpedalen und einer Handsteuerspinne sicher über die Sandbänke. Über ihrem Kopf schwingt der etwa sechs Meter hohe Segelmast im Wind, den sie gekonnt steuert. Ihre Augen leuchten, wenn sie von ihrem Hobby erzählt.

"Von der Natur her, ist es magisch. Es ist der Wahnsinn mit so einer Geschwindigkeit über den Strand zu orgeln." Die gebürtige Hamburgerin hat es mittlerweile in die größte Wagenklasse beim Strandsegeln geschafft. Mit ihrem knapp 120 Kilogramm schweren Gefährt, ausgestattet mit einem etwa sieben Quadratmeter großen Segel, legt sie sich in den Wind und nimmt europaweiten an Regatten teil. Im Jahr 2013 startete sie bereits in einer kleineren Wagenklasse bei der Europameisterschaft. Jetzt versucht die Kielerin auch einen Platz für die kommende EM in der Normandie zu ergattern.

Nicht ganz ungefährlich

Ganz ungefährlich ist der Lieblingssport der Lehrerin aus Neumünster allerdings nicht. Der weltweite Geschwindigkeitsrekord beim Strandsegeln liegt bei stolzen 202 Stundenkilometern. So schnell flitzt Meyer zwar nicht über den Sand, trotzdem verliert sie den Respekt vor der Geschwindigkeit nie: „Wenn man in einem Wagenpulk fährt, kann immer etwas passieren.“ Die Rennen erfordern volle Konzentration von den Strandseglern. Auch Meyer ist erleichtert, wenn alles glimpflich ausgeht.

"Wahrscheinlich würden die alten Hasen des Strandsegelns jetzt lachen, aber ich bin auch immer ein bisschen froh, wenn ich den Wagen wieder zum Stehen bekommen habe", sagt sie. Die Unfallgefahr kann bei diesem Sport hoch sein. Erst vor einigen Jahren hat ein Strandsegler einen Spaziergänger angefahren. Meyer selbst hatte an Ostern, bei einer Auswahlrunde um die Qualifizierung zur Europameisterschaft in Frankreich, einen Unfall. "Meine Planke ist gebrochen. Zum Glück habe ich aber nur ein paar blaue Flecken abbekommen", erzählt sie. Auch die Verantwortung anderen gegenüber ist beim Strandsegeln hoch. "Man muss alles und alle im Blick behalten", erklärt die Kielerin. Aus diesem Grund ist es neben dem Besitz eines Pilotenscheins auch Voraussetzung eine Haftpflichtversicherung in Höhe 3,5 Millionen Euro abzuschließen. Meike Meyer gibt das ein Gefühl von Sicherheit. "Wir fahren zwar an einem extra ausgewiesenen Strandabschnitt, aber manchmal versuchen Spaziergänger auch Fotos von uns zu machen. Sie wissen nicht immer, dass der Wagen auch plötzlich einen seitlichen Satz von zwei bis drei Metern machen oder das Segel in eine Böe geraten kann.“

Fotostrecke: Strandsegeln in St. Peter-Ording - Sie haben keine Berechtigung dieses Objekt zu betrachten.

Trotz möglicher Gefahren, steht für sie der Spaß beim Strandsegeln im Vordergrund. Die Technik, das Taktieren, den Gegner im Blick behalten - Dinge, die für Meike Meyer den besonderen Reiz beim Strandsegeln ausmachen. Und es gibt noch Luft nach oben: „Viele Optionen nutze ich noch gar nicht richtig aus", sagt Meyer.

Warum so wenige Frauen sich in die große Wagenklasse wagen, kann Meyer nur vermuten. "Es ist auch eine Kraftfrage. Meinen Wagen kriege ich nicht alleine aus dem Sand." Sie selbst habe sich nicht davon abschrecken lassen, dass hauptsächlich Männer diesen Sport betreiben. "Ich war schon früher in einem Ruderclub, in dem es anfangs auch nur Männer gab. Auch damals habe ich mir nie darüber Gedanken gemacht, dass es nicht gehen kann". 

Der Sport spielt auch im Alltag eine Rolle

Ihre Leidenschaft teilt sie mit ihrem Ehemann - anders sei das auch kaum möglich. „Das Strandsegeln frisst sehr viel Zeit. Wir haben das Glück, das wir es gemeinsam machen können. Jemand, der nichts mit Strandsegeln zu tun hat, aber einen Partner aus diesem Sport, bringt meist ein großes Opfer ", so Meyer. Die Sportart ist selten, so dass es eine kleine eingeschworene Gruppe gibt. Kinder hat die Kielerin bei ihrem zeitintensiven Sport nicht, aber die Strandseglergemeinschaft sei ohnehin "wie eine kleine Familie", betont sie. 

Mittlerweile spielt der Sport auch in ihrem Alltag eine Rolle. "Ich habe gelernt, den Strand zu lesen. Seitdem fahre ich auch anders Auto. Ich lese regelrecht das Gelände und fahre nicht mehr über Gullideckel." Ihr nächstes Ziel? "Ich möchte bei der EM in der Normandie teilnehmen." Am Pfingstwochenende geht es für die Kielerin in den nächsten Vorentscheid nach St.Peter-Ording - die gebrochene Planke an ihrem Wagen ist bereits repariert.

Strandsegeln

Die übliche Saison beim Strand- oder auch Landsegeln geht je nach Region von Mai bis Oktober. Gesteuert werden die kajak-ähnlichen Wagen mit Pedalen an den Füßen und häufig mit einer zusätzlichen Handsteuerspinne, die beim anschieben benutzt wird. Spezielle Trainer gibt es bei dieser Sportart nicht. Bekannte Segelschulen bieten die notwendigen Kurse an, in denen der Pilotenschein gemacht werden kann. In St. Peter-Ording ist dieser Voraussetzung um mit dem Wagen über den abgesperrten Strandabschnitt zu segeln. Zusätzlich wird der Nachweis über eine entsprechende Haftpflichtversicherung und eine erste Mitgliedschaft im Yacht Club vor Ort oder eine Anmeldung als Gast vorausgesetzt. Das Angebot für fertige Landsegler ist rar. Deshalb werden auch aus Kostengründen viele Wagen selber gebaut. Für die Teilnahme an Regatten müssen dafür allerdings die Regeln des Dachverbands FISLY (International Land and Sandyachting Federation) eingehalten werden. Am besten können sich Landsegler auf harten Stränden an der Küste, Salzseen (USA) und in der Wüste (Las Vegas) fortbewegen. Im Winter können die Fahrer mit ihren Wagen – ausgerüstet mit entsprechenden Kufen – auch auf Schnee und Eis segeln.

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