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Dudelsäcke und Saxophon in der Holstenstraße

Straßenmusik Dudelsäcke und Saxophon in der Holstenstraße

Was haben Rod Stewart, Paul Simon und Michael Hirte gemein? Sie begannen ihre Musikkarrieren mit Straßenmusik. Diese Form der Kunst ist aus den Fußgängerzonen nicht mehr wegzudenken. Egal an welchem Tag Passanten über die Holstentraße in Kiel laufen, sie bekommen Akkordeon, Gitarre und Co. zu hören.

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Okusa und Khaan von der Band "Nordhammer" spielen mittelalterliche Stücke in der Holstenstraße in Kiel.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Was das Ohr erreicht, könnte in Hinblick auf Qualität und Anspruch unterschiedlicher nicht sein. Denn eine Wahrheit lautet: Nicht nur die Rod Stewarts dieser Welt stellen sich mit ihren Instrumenten auf die Straße und beschallen die Städte.

Der Bulgare Ibrahim Parno ist seit zwei Jahren Straßenmusiker in Kiel. Er trägt eine Deutschlandmütze, hat gute Laune, ein Akkordeon und kaum Zähne. „Straßenmusiker zu sein, ist toll“, erzählt er. Am Tag kommen 50 bis 60 Euro für ihn zusammen. Wenn er genug verdient habe, werde er sich einen schwarzen Mercedes kaufen und mit seiner Familie nach Bulgarien fahren.

In fast jeder Hinsicht anders als Parno sind ndie Eckernförderinnen Hannah (16) und Luna (14). Aber auch sie machen Musik auf der Straße, stehen nur zehn Meter von der Stelle entfernt, an der Parno tags zuvor spielte. „Ich möchte mir eine Querflöte kaufen“, erzählt Hannah, „und um die zu finanzieren, dachten Luna und ich, dass wir mal in der Fußgängerzone Musik machen.“ Des einen schwarzer Mercedes ist des anderen Querflöte.

Weder auf eine Querflöte noch auf ein Auto sind Okusa und Khaan aus. Sie sind der Grund, warum die Geschäfte, Büros und Redaktionen rund um die Holstenstraße in der vergangene Woche von Dudelsack-Melodien erfüllt waren. Die beiden sind professionelle Musiker. Professionell insofern, als dass Okusa und Khaan Mitglieder der Band „Nordhammer“ sind, die auf Festivals, Hochzeiten und runden Geburtstagen auftritt. Warum stellen sie sich überhaupt noch in die Fußgängerzone? „Wenn wir auf der Straße spielen, haben wie einen direkteren Zugang zu den Menschen. Das ist eine ganz andere Form von Energie zwischen Musiker und Zuhörer“, sagt Okusa. „Auf der Straße muss man die Menschen von seiner Musik überzeugen. Auf unsere Konzerte kommen ja eh nur die, die uns schon kennen und mögen.“ Mögen hängt aber vom persönlichen Geschmack ab, und über den lässt sich bekanntlich nicht streiten. Der Straßenmusik geradezu wehrlos ausgeliefert sind besonders Verkäufer im Einzelhandel. „Wenn eine Stunde lang, immer wieder das gleiche Lied gespielt wird, kann das natürlich ganz schön nerven“, sagt Toni Janker, Verkäufer bei Witte.

Während Hannah und Luna noch neu auf dem Parkett sind und ihr Können testen (“Erkennen die Passanten das Lied?“), testen die Jungs von „Nordhammer“ ihre Musik (“Wie finden die Kieler unsere Musik?“). In Anbetracht der vielen Menschen, die stehen bleiben und ihren Stücken – grob umrissen: Mittelalterliches trifft auf schottische Folklore – zuhören und im Anschluss nach Tonträgern fragten, lässt sich sagen: Die Kieler mögen die Musik. Dass die Chemie zwischen den Passanten der Holstenstraße und den beiden Hünen stimmt, könnte auch an Aussagen liegen wie: „Am liebsten spielen wir im Norden Deutschlands - vor allem hier in Kiel. Lübeck und Hamburg sind auch nett. Aber in Kiel ist es am besten.“ Da schmelzen natürlich die Herzen der Kieler. „Morgen reisen wir nach Prag. Eigentlich ist Straßenmusik ein wenig wie bezahlter Urlaub“, sagt Okusa und lacht.

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