8 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
Schlossplatz oder Schloßplatz?

Altstadt Schlossplatz oder Schloßplatz?

In der Altstadt nimmt eines der größten Bauprojekte der Stadt Kiel erste Formen an. Schon in gut anderthalb Jahren sollen die Bewohner in das Schlossquartier einziehen. Doch wie soll der "Schloßplatz" geschrieben werden: nach alter oder neuer Rechtschreibung?

Voriger Artikel
Unterwegs zu Kiels angesagten Plätzen
Nächster Artikel
Wenige vertrauliche Geburten in Kiel

Der Platz vor dem Kieler Schloss soll den Namen „Schloßplatz“ bekommen. Viele sprechen sich dafür aus, den Namen traditionell mit Eszett zu schreiben.

Quelle: Ulf Dahl

Kiel. Einige Kieler werden künftig an einer sehr klingenden Adresse residieren: dem neuen „Schloßplatz“, an den dann unter anderem auch das NDR-Landesfunkhaus seinen Sitz haben wird. Noch ist allerdings offen, ob der Name des Platzes in neuer oder alter Rechtschreibung Einzug ins städtische Straßenregister finden wird.

 „Über die endgültige Schreibweise des Platzes ist noch nicht entschieden“, sagt Stadtsprecher Arne Ivers. Bei der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats Mitte stimmten dessen Mitglieder dem Namensvorschlag der Verwaltung einstimmig zu. Dieser war darin zwar mit einem traditionellen Eszett aufgeschrieben – verbindlich ist die Schreibvariante jedoch noch nicht. „Die Schreibweise, die bislang im Umlauf ist, kann quasi als Arbeitstitel verstanden werden“, erläutert Ivers. Laut der zuständigen Kollegen im Bauordnungsamt sei es gut möglich, dass die asphaltierte Freifläche vor dem Kieler Schloss auch Schlossplatz heißen könnte.

 In vielen Städten schreiben sich Schloßplätze und -straßen noch mit Buckel-S. Und auch in Kiel hat die Schloßstraße, die vom besagten Platz an der Ecke der heutigen Eggerstedtstraße/Burgstraße in Richtung Alter Markt führt, nach wie vor ein Eszett im Namen – als hätte es die Rechtschreibreform von 1996 nie gegeben. Ins Feld geführt werden können hier ästhetische Gründe, wie Uwe König vom Förderkreis Kieler Altstadt bemerkt. Eine „Schlossstraße“ mit einem Dreifach-S sieht eigenartig aus. Daher plädiert König für Einheitlichkeit: Ein Schloßplatz analog zur Schloßstraße. Denn wie sähe es aus, wenn sich das Schloss im Stadtplan unterschiedlich niederschlüge? Unweit von Platz und Straße gibt es auch noch den Schloßgarten, dessen Name die Stadt offiziell sowohl für die Parkanlage als auch den Straßenabschnitt mit Eszett schreibt. Auch die Bushaltestelle „Schloßgarten“, die von den Buslinien 32 und 62 angefahren wird, folgt in ihrem Name exakt dieser Bezeichnung.

 Über die geplante Benennung des bisher namenlosen Platzes hat die Stadt die Anlieger bereits ins Bild gesetzt. Dabei hat sie sich um die Schwierigkeit einer Lösung für das Rechtschreib-Dilemma allerdings weitgehend ausgeschwiegen. Für Claudia Lohse, Geschäftsführerin von Kiel Concerts als Eigentümerin des Kieler Schlosses, ist die Schreibweise auch „nicht ausschlaggebend“. „Wir begrüßen, dass der Platz bald nach dem Schloss heißen soll.“ Ihre Firma vermarktet die Nachkriegsimmobilie auf dem historisch bedeutsamen Grundstück seit dem Jahr 2003 jedenfalls mit einem Doppel-S. Dies entspreche nicht nur der geltenden Rechtschreibung, sondern bringe auch viele Vorteile im Alltag mit sich, unterstreicht Lohse: „Was Internet- und E-Mail-Adressen angeht, ist das einfach praktischer.“ Und auch wenn sich der Platz später einmal offiziell mit Eszett schreiben sollte, werde die Post an das Schloss am Schlossplatz sicher ankommen, ist sie überzeugt.

 Sicher sein dürfte auch, dass die Mitarbeiter des Landesfunkhauses künftig in einer ähnlich feudalen Straße logieren werden wie ihre NDR-Kollegen in Mecklenburg-Vorpommern – Schreibweise hin oder her. Die Schweriner Redaktion hat ihren Sitz in der Schloßgartenallee 61. „Wir halten den Namen Schlossplatz für eine gute Lösung“, sagte der Kieler NDR-Verwaltungsleiter Thorsten Kleine. „Was die Schreibweise angeht, sind wir leidenschaftslos.“

 Thema ist die Schreibweise jedoch für die Mitglieder des Ortsbeirats – zumal dies auf der jüngsten Sitzung des Gremiums, als es dem Vorschlag der Verwaltung zustimmte, gar nicht näher besprochen wurde. Jasmin Bauer (SPD) spricht sich auf Anfrage „aus optischen Gründen“ spontan für ein Eszett aus. Außerdem stellt sie gleich einmal klar, dass sie und ihre Kollegen bei der endgültigen Entscheidung dann auch wieder ein Wörtchen mitreden wollten. Peter Bergien (CDU) schließt sich dem Votum für das Eszett ohne Wenn und Aber an: „Das ist einfach geläufiger.“ André Groß (Linke) ist auch dieser Meinung. Er hat nicht nur ein Eszett im Nachnamen, er wohnt auch in der Kieler Jeßstraße. Daher kann er auch sehr gut mit einem Schloßplatz leben. „Die eingebürgerte Schreibweise sollten wir beibehalten und nicht alle Kieler Straßenschilder mit der alten Rechtschreibung austauschen“, sagt er. „Da gibt es in Kiel wirklich dringendere Aufgaben zu erledigen.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Thomas Paterjey
Lokalredaktion Kiel/SH

Mehr zum Artikel
Schlossquartier
Foto: Baustelle und archäologischer Grabungsort: Das Baufeld für das geplante Schlossquartier, auf dem Kai Brötzmann (52) den Schutt abfährt, entwickelt sich zum Magneten für Schaulustige zwischen Schloss- und Eggerstedtstraße.

Wann kann man schon so tief in Kiels Vergangenheit schauen? Seit Bagger auf der Baustelle für den Wohnkomplex Schlossquartier anrollten und Archäologen zeitgleich jahrhundertealte Keller freilegten, nutzen viele Passanten ihre Mittagspause, um das Geschehen vom Bauzaun aus zu beobachten.

Kostenpflichtiger Inhalt mehr
Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3