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300 Euro Geldbuße für einen Böller

Störche-Fan verurteilt 300 Euro Geldbuße für einen Böller

Am Donnerstagmorgen war es vorbei mit dem Kuschelkurs für den bekennenden Holstein-Fan. Dreimal hatte der 22-jährige Hooligan die Geduld der Jugendrichterin strapaziert, indem er die Ladung zum Prozess einfach ignorierte. Nun wurde er selbst vorgeführt.

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Ein Fan von Holstein Kiel muss jetzt 300 Euro Geldbuße für einen Böller bezahlen.

Quelle: bk/ Archiv

Kiel. Zwei kräftige Polizeibeamte klingelten ihn unsanft aus dem Winterschlaf und lieferten ihn direkt im Verhandlungssaal ab. Übernächtigt wirkt der stämmige junge Mann, Typ blonder Bär mit Vollbart, als die Staatsanwältin ihm den Tatvorwurf vorliest: Als die Polizei im April 2014 bei einer Großrazzia gegen gewaltbereite Fußballfans im Raum Kiel 17 Wohnungen durchsuchte, wurde sie auch bei ihm fündig. Ein laut Sprengstoffgesetz verbotener pyrotechnischer Gegenstand wurde sichergestellt.

 „Is’ korrekt“, räumt der Angeklagte vor Gericht ein. Woher stammt der Böller? „In meiner Jacke gefunden“, teilt der Holstein-Fan knapp mit. Wie kam er da rein? „Keine Ahnung.“ Die Richterin schüttelt ungläubig den Kopf, hält ein Gruppenfoto posierender Ultras aus dem Fußballstadion in die Höhe. Der Angeklagte erkennt seine Kumpels. Bei mehreren wurde ebenfalls Pyrotechnik beschlagnahmt.

 Hintergrund: In der Silvesternacht 2013/14 hatten rund ein Dutzend mutmaßliche Holstein-Ultras in der Bergstraße Passanten mit Sprengkörpern beworfen. Zeugen sprachen von kriegsähnlichen Szenen. Es gab Verletzte. Eine junge Frau wurde dauerhaft entstellt, zwei Autos durch Kugelbomben demoliert. Zwei Tatverdächtige waren wegen Herbeiführens von Sprengstoffexplosionen und anderer Straftaten festgenommen worden.

 Seit November 2014 wartet die umfangreiche Anklage gegen die jungen Männer auf ihre Verhandlung beim Kieler Landgericht. Ihnen drohen weit härtere Strafen. Nach den Strafanzeigen wegen gefährlicher Körperverletzung, gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr und Sprengstoffdelikten hatte die Polizei eine siebenköpfige Ermittlungsgruppe eingerichtet.

 Dreieinhalb Monate nach Silvester durchsuchten 130 Beamte zeitgleich die Objekte im Kieler Stadtgebiet. Dort wurden neben illegalen Böllern und Bengalos auch Tatbekleidung und ein belastendes Video sichergestellt: Die Täter hatten ihre Sprengattacken aufgezeichnet. Die Datenträger sind nun wichtige Beweismittel.

 Der Qualm jener Silvesternacht hing auch über dem gestrigen Verfahren. Damals war der Angeklagte nur als Zeuge vernommen worden. Zwei Jahre später schwört er den Böllern ab: „Bin ich strikt dagegen“, gibt er vor Gericht brav zu Protokoll. An einem früheren Termin war die Richterin noch bereit, das Verfahren gegen 35 Stunden gemeinnützige Arbeit einzustellen. Doch der Angeklagte tauchte ab, reagierte nicht auf Vorladungen.

 Weil er inzwischen berufstätig sei, biete sich jetzt eine Geldbuße an, stellt die Staatsanwältin fest und schlägt 300 Euro vor. Die Richterin folgt dem Antrag. Zudem muss der Holstein-Fan die Verfahrenskosten tragen. Mit dem eindringlichen Hinweis der Vorsitzenden auf die Nebenwirkungen einer erneuten Nichtbeachtung im Ohr trollt er sich: „Wenn Sie das wieder so schlampig angehen, riskieren Sie vier Wochen Beugearrest.“

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