19 ° / 7 ° heiter

Navigation:
Wenn der Druck zu groß wird

Studentenberatung Wenn der Druck zu groß wird

Der Besuch einer Uni hat mit einem lockeren Leben nur wenig gemein. Studien zeigen: An Hochschulen sind Stress und seine gesundheitlichen Folgen ein wachsendes Problem. Die Muthesius Kunsthochschule in Kiel hat das Problem erkannt und bietet daher eine feste psychologische Sprechstunde auf dem Campus an.

Voriger Artikel
Licht ist mehr als Helligkeit
Nächster Artikel
Einbrecherjagd per Helikopter über Kiel

Prof. Josef Aldenhoff hilft schnell und unkompliziert nach E-Mail-Anmeldung.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Das Büro ist klein, unter dem Dach und nicht auf Anhieb zu finden. Hier gibt Prof. Josef Aldenhoff in Einzelgesprächen Rat und Hilfe. Der ehemalige Direktor des Zentrums für Integrative Psychiatrie (ZIP) am Kieler Universitätsklinikum ist ein ausgewiesener Fachmann für seelische Nöte der unterschiedlichsten Art. Eine E-Mail zur Anmeldung des Gesprächsbedarfs reicht aus, der Ratsuchende kann anonym bleiben, und die Professoren oder das Hochschulpräsidium erfahren garantiert nichts von dem Hilferuf.

Dieses Angebot geht auf eine Initiative des Kanzlers Dirk Mirow zurück, er lud den Mediziner und Psychiater vor zwei Jahren ein, sowohl Vorträge als auch persönliche psychologische Einzelberatung anzubieten. Das kommt bei den Studierenden gut an: Die Rückmeldungen an die Hochschulleitung seien sehr positiv, erklärte das Präsidium. Wie viele aber sich aktiv Hilfe geholt haben, ist schwer zu sagen. Über die Zahl gibt es keine öffentliche Statistik. Vielleicht liegt es auch daran, dass es nach den Worten von Aldenhoff noch immer Vorbehalte gebe, seelische Not zu offenbaren.

Jeder Zehnte greife bereits zu Psychopharmaka

Wissenschaftliche Studien und Zahlen beschreiben das Ausmaß dieser Not. Prof. Aldenhoff verweist auf das Jahr 2012, in dem das Thema Studierenden-Stress und Burn-Out bundesweit für Schlagzeilen gesorgt hatte. Eine Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) kam damals zu dem Ergebnis, dass 75 Prozent der Befragten sich nervös und unruhig fühlten, 23 Prozent hätten Phasen tiefster Verzweiflung. Und mehr als jeder siebte leide unter Panikattacken. Die Ergebnisse werden von anderen Untersuchungen gestützt. So ergab eine Studie an der TU Chemnitz mit psychologischen Beratern von Studentenwerken aus 14 Bundesländern, dass 83 Prozent der Studierenden eine Tendenz zur Überlastung und psychischen Erschöpfung haben. Als Folge, so Wissenschaftler, greife jeder zehnte der Befragten zu Psychopharmaka, zu Alkohol (15 Prozent) und Zigaretten (18 Prozent). Was neu ist: Die Fähigkeit, Leistung zu bringen, wird immer wichtiger. Während frühere Generationen noch mit Hilfe von Drogen und Medikamenten abschalten, Erfahrungen sammeln wollten, gehe es jetzt mehr und mehr ums Durchhalten – notfalls auch mit Koffein, Drogen, Pillen.

Als Grund für den wachsenden Druck nennt Prof. Aldenhoff die Studienverschärfungen, Studienzeitverkürzung und die wachsende Konkurrenz durch immer weiter steigende Studierendenzahlen – und an der Kunsthochschule ist zudem dauernd Kreativität gefragt. Perfektion ist wichtig, auch vergleichen sich die Studierenden permanent. Dazu kommen schwindende Freiräume ebenso wie Zukunftssorgen. Aldenhoff verweist auf die Umbruchphase, den Rollenwechsel, in der sich die Studierenden befinden. Sie haben nicht mehr den klar vorgezeichneten Weg wie in der Schule, sondern müssen mehr Verantwortung für sich übernehmen, wichtige Entscheidungen treffen. Es ist ein Neuanfang, mitunter ohne die alten Freunde, die Familie. Das alles verursache Stress, und der könne zu Angstzuständen oder Depressionen führen. Was aber kann er an der Hochschule bieten? Aldenhoff beschreibt „vier, fünf Stunden“ Gespräch. Komplette ambulante Therapien sind nicht möglich.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Kieler Förde

Schiffspositionen in
der Kieler Förde, dem
NOK und der Ostsee.

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3