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Studienkredit nur als „letzte Notlösung“

Studentenleben Studienkredit nur als „letzte Notlösung“

Der Trend im Schuldneratlas ist eindeutig: Immer mehr Deutsche haben Schulden, und insbesondere Studenten sind offenbar gefährdet, ihre Zukunft auf Pump zu finanzieren.Neben Semesterbeitrag und Lernmaterialien schlagen hohe Mietkosten und steigende Ausgaben etwa für Lebensmittel zu Buche.

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Ein Leben auf Pump: Immer mehr Menschen landen in der Verbraucherinsolvenz – häufig auch Studie rende. Foto: Dpa

Quelle: dpa

Kiel. Gleichzeitig lassen Bachelor- und Masterstudiengänge den Studierenden weniger Freiheiten, sich mit Jobs etwas hinzuzuverdienen. Diana Kaufmann von der Bafög- und Sozialberatung des Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta) der Kieler Uni schlägt daher Alarm: Nie sei es so leicht gewesen, als Student in die Schuldenfalle zu tappen, wie seit der Einführung des sogenannten Studienkredites vor gut zehn Jahren.

„Dieser wird den Studierenden förmlich hinterhergeschmissen“, kritisiert sie. Er könne mit wenigen Klicks online beantragt werden – und schon fließe das Geld. Sparkassen und Banken klärten nicht über die Kosten auf, sondern verteilten fleißig die Prospekte der staatlichen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), die den Kredit anbiete. Aus Sicht des Asta kommt er aber nur als „allerletzte Notlösung“ in Frage und sollte keineswegs die Grundlage fürs Studium sein. Wer allein auf den Kredit setze, könne rasch Schulden in Höhe von mehreren zehntausend Euro anhäufen. „In den vergangenen fünf Jahren sind vier Leute zu mir in die Beratung gekommen, die Privatinsolvenz anmelden mussten“, sagt Kaufmann. Die Schwierigkeiten, die Studierende mit der Finanzierung des Studiums haben, würden an der steigenden Zahl der Nachfragen deutlich, so Kaufmann. Der Asta habe sein Beratungsteam im vergangenen Jahr um eine weitere Teilzeitkraft auf nunmehr drei Personen aufgestockt.

Weniger dramatisch sieht das Studentenwerk die Lage, bei dem Anträge auf Leistungen nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz (Bafög) gestellt werden und das daher ebenfalls in Fragen rund um das Thema berät: „In der Sozialberatung des Studentenwerks Schleswig-Holstein sind Beratungen explizit zum Thema ,Schulden’ eher selten“, sagt Sprecherin Kerstin Klostermann. Im vergangenen Jahr seien Schulden nur bei 41 von insgesamt 2625 Beratungen landesweit das Thema gewesen. Jedoch würden im Zuge einer jeden „Studienfinanzierungsberatung“ Informationen zum Thema Schuldenvermeidung gegeben.

Auch beim Studienkredit hat das Studentenwerk einen anderen Blickwinkel: Tatsächlich würde dieser nur von wenigen Hochschülern genutzt, laut der 20. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks (2012) waren es vier Prozent der Studierenden. „Während des Studiums sind Studienkredite und auch andere Formen von Darlehen eine gute Chance, wenn es keine anderen Möglichkeiten zur Finanzierung (mehr) gibt“, heißt es beim Studentenwerk. „Wichtig sind aber eine gute Beratung zur Einschätzung der Gesamtbelastung und eine realistische Kalkulation der Kredithöhe und der Rückzahlung.“

Unterschiedlich schätzen auch die Schuldnerberatungsstellen die Verschuldungssituation unter Studierenden ein: Lisa Hartjen von der Schuldnerberatung des DRK-Kreisverbands Kiel bestätigt, dass es mehr Nachfragen gibt als früher. „Das hat in den letzten drei, vier Jahren schon zugenommen“, sagt sie. Als Gründe führt Hartjen an, dass die Mietpreise gestiegen sind und dass die Studierenden offenbar weniger Zeit haben, genügend Geld zum Lebensunterhalt zu verdienen. Möglicherweise falle auch die Unterstützung durch das Elternhaus geringer aus als in der Vergangenheit, da die Haushalte selbst finanziell angespannter sind. Eine andere Wahrnehmung hat indes Hardy Bickel vom Schuldner- und Insolvenzberatungszentrum Kiel: Nach wie vor kämen nur sehr wenige Studenten in die Beratung. Zwischen 15 und 25 seien dies im Jahr – bei 1800 bis 2000 Beratungen im Jahr.

Auch die Einschätzung, warum sich junge Leute verschulden, ist unterschiedlich: Bickel verweist darauf, dass sich nur die wenigsten Studenten heutzutage ein Auto leisteten, ihre Ausgaben seien im Wesentlichen vom Studium und damit zusammenhängenden Kosten bestimmt. Hartjen hingegen kann berichten, dass die finanzielle Gefahr durch vermeintliche Schnäppchen im Internet durchaus ernst zu nehmen sei.

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Ein Artikel von
Thomas Paterjey
Lokalredaktion Kiel/SH

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