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Ein Zimmer gegen 16 Stunden Hilfe

Studentisches Wohnen Ein Zimmer gegen 16 Stunden Hilfe

Erst seit eineinhalb Jahren ist Mohammed Maswada aus Palästina in Deutschland. Trotzdem versteht er jedes Wort, wenn Ilse Greune in der heimischen Küche in Russee Geschichten von früher erzählt. Seit dem Tod ihres Mannes Anfang der 90er-Jahre nimmt sie Studenten bei sich auf - über die Aktion "Wohnen gegen Hilfe".

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Begegnung auf Augenhöhe: Ilse Greune sitzt gemeinsam mit Mohammed Maswada an dem kleinen, ausziehbaren Küchentisch, an dem sie schon viele internationale Gäste empfing.

Quelle: Frank Peter

Kiel.  Zu den Stoßzeiten saßen einige Nationen an dem ausziehbaren Küchentisch, an dem Greune jetzt mit dem Medizinstudenten sitzt. „Rund 50 Prozent aller Studenten, die sich bei ,Wohnen für Hilfe’ melden, kommen aus dem Ausland“, erklärt Teamleiterin Alexandra Dreibach vom Studentenwerk. Da sie nicht die Gelegenheit hätten, vor Ort nach Wohnungen zu suchen, seien sie dankbar für die Hilfe des Studentenwerks. Aber auch der finanzielle Aspekt spricht für eine Teilnahme am Projekt. Nur die Nebenkostenpauschale von 50 bzw. 60 Euro muss bezahlt werden. Für die Miete wird im Haushalt gearbeitet. „Es ist ein soziales Projekt, kein Zimmer für lau“, betont Dreibach.

 Die politische und finanzielle Situation machte es für den 21-Jährigen unmöglich, in seiner Heimat Medizin zu studieren. „Wohnen für Hilfe“ und seine Gastgeberin Ilse Greune sind für ihn ein „Geschenk Gottes“. „Wenn ich nebenher arbeiten müsste, würde ich mein Studium gar nicht schaffen“, erklärt er. Eigentlich soll er 16 Stunden, eine Stunde pro bewohntem Quadratmeter, im Monat helfen. Wegen der vielen Klausuren, Referate und Hausarbeiten schafft er das nicht immer. Greune notiert die Stunden, gibt ihm die nötige Zeit zum Lernen und ist stolz, wenn er von seinen Professoren gelobt wird.

 Beide haben einen Bewerbungsbogen ausgefüllt und angegeben, was ihnen bei einer Wohnpartnerschaft wichtig ist. Dreibach und ihr Team werteten die Bögen aus und stellten das Paar zusammen. Seit dem Projektstart vor zwei Jahren hat das Team rund 65 erfolgreiche Partnerschaften vermittelt. Bei der Suche hilft es, flexibel zu sein, so Dreibach. „Am Anfang wollen alle am liebsten auf dem Campus wohnen“, erklärt Dreibach. Aber die größeren Häuser und Wohnungen liegen natürlich weiter am Stadtrand. Maswada stört es nicht, dass sein Zimmer eine gute halbe Stunde vom Campus entfernt ist. Im Bus könne er schließlich lernen.

 „Ein persönliches Verhältnis entsteht meist von ganz alleine“, so Dreibach. Offenheit und Toleranz sind dafür auf beiden Seiten erforderlich. „Ich bin dankbar, dass Frau Greune geduldig ist“, sagt Maswada, „Am Anfang wusste ich nicht, wie ich mich verhalten soll und habe Fehler gemacht.“

 Zum Beispiel, als er eines Nachts laut begann, zu singen und zu beten. „Ich habe vorher in einer Verbindungsvilla gewohnt. Da war ich fast immer alleine“, erklärt er halb beschämt, halb belustigt. Auch Frau Greune nahm es, nachdem sie ihn ausgeschimpft hatte, mit Humor: „Er kann nicht perfekt sein.“

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