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Studium trotz Flucht

Studienkolleg FH Kiel Studium trotz Flucht

Das Studienkolleg der Kieler Fachhochschule (FH) ist noch internationaler geworden. Unter den ungefähr 100 jungen Menschen aus 17 Nationen werden erstmals von diesem Wintersemester an auch zwölf Flüchtlinge aus Syrien, Iran und Afghanistan unterrichtet.

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Torsten Mai unterrichtet Physik in einer Klasse unterschiedlicher Nationalitäten. Darunter sind auch einige Flüchtlinge.

Quelle: Volker Rebehn

Kiel. Diese sind in den regulären Unterricht integriert. Bis 2019 sollen am Kolleg zusätzlich fünf zweisemestrige Kurse für jeweils 15 Flüchtlinge eingerichtet werden. Das Studienkolleg verdoppelt damit seine Kapazitäten. Daher wird ab November ein auch Containerquartier mit Seminar-, Büro- und Sanitärräumen auf dem FH-Parkplatz neben dem Institut für CIMTT errichtet.

Tahmina Bayat ist glücklich. Eine mehrjährige Odyssee liegt hinter ihr: Sie begann mit der Flucht nach Schweden und der Abschiebung nach Afghanistan, es folgte der erneute Aufbruch mit Mutter und Bruder, die Flucht führte über die Türkei und Griechenland nach Deutschland. Jetzt kann für die 29-Jährige ein Traum wahr werden: Tahmina hat einen der Plätze im neu eingerichteten Schwerpunktkursus Technik am Kieler FH-Studienkolleg erhalten. Dieser ist eine Vorbereitung auf technische und ingenieurwissenschaftliche Studiengänge an deutschen Fachhochschulen. Die vorbereitenden Deutsch-Sprachkurse und die Aufnahmetests zum Kolleg hatte sie bestanden. Jetzt will die Afghanin „die Riesenchance“ nutzen, die zwei Semester erfolgreich zu absolvieren, um anschließend Informatik studieren zu können. „Ich möchte eine starke, selbständige Frau sein und anderen Frauen vermitteln, dass sie das auch sein können“, sagt Tahmina Bayat. Sie, ihre Mutter und ihr Bruder, die in Kiel-Mettenhof leben, wollen nach Möglichkeit in der Landeshauptstadt bleiben.

"Wir sind optimistisch"

Dagegen will Muneb Diab eines Tages gerne nach Syrien zurückkehren. Der 21-Jährige, dessen Familie seit zwei Jahren in Bonn lebt, ist mit dem Semesterbeginn ans Studienkolleg nach Kiel gekommen. In Neumühlen-Dietrichsdorf auf dem Kieler Ostufer hat er eine kleine Wohnung nahe der Fachhochschule bezogen. „Ich bin mit meiner eigenen Situation zufrieden, aber traurig darüber, was in Syrien passiert“, erzählt Muneb Diab. Er wolle studieren, um später beim Wiederaufbau seines Landes helfen zu können. Froh sei er daher, durch den Kollegbesuch die Voraussetzungen zur Aufnahme eines Studiums an einer deutschen Fachhochschule erlangen zu können. Ob das in Kiel sein wird, weiß er noch nicht.

„Wir sind optimistisch, den jungen Menschen eine gute Basis für ihren gewünschten Weg vermitteln zu können“, sagt Kristina Neuhaus, Leiterin des FH-Studienkollegs. Auffällig sei, dass alle Geflüchteten sehr gut Deutsch sprechen, klare Ziele vor Augen und bereits gute Kontakte zu den anderen Kollegiaten hätten. Grund dafür sei wohl, dass die Geflüchteten in andere Klassen integriert worden sind.

Neue Bildungschancen eröffnen

Ali Akbar Mirawand begrüßt das sehr: „Wir wurden von den anderen sehr gut aufgenommen. Es ist schön, mit so vielen internationalen Leuten zusammen zu sein.“ Für niemanden sei es hier wichtig, dass man Flüchtling sei. Für den 29-jährigen Iraner, der seit zwei Jahren in Deutschland lebt und Informatik studieren möchte, ist das Kieler FH-Studienkolleg „eine tolle Einrichtung“.

Das Studienkolleg der FH Kiel bietet Kurse im Rahmen des Projektes „Integra – Integration von Flüchtlingen ins Fachstudium“ des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) an, um „jungen Menschen angesichts der Flüchtlingswelle Bildungschancen zu eröffnen“, wie Neuhaus sagt. Die Teilnehmer, können eine fachgebundene Hochschulreife erlangen, um die Voraussetzungen zur Aufnahme eines Studiums an einer deutschen Fachhochschule zu schaffen. Das bis 2019 laufende Projekt wird auch vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und der Initiative „Studienchancen für Flüchtlinge an Hochschulen in Schleswig-Holstein“ der Landesregierung unterstützt. Am 7. Januar nächsten Jahres soll der Schwerpunktkurs Wirtschaft beginnen.

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