25 ° / 17 ° Gewitter

Navigation:
Studieren mit Kind? Eine Bereicherung!

Studentisches Wohnen Studieren mit Kind? Eine Bereicherung!

Mit 27 studieren viele, ein vierjähriges Kind haben dabei wenige. Lea Galazka lebt mit Tochter Isabella seit zwei Jahren im Studentenwohnheim – und genießt jeden Tag.

Voriger Artikel
Kiel-Region will für Flüchtlinge bauen
Nächster Artikel
Und wieder ist hier Baustelle

Machen jeden Schritt im Leben gemeinsam: Lea Galazka und Tochter Isabella im Kinderzimmer im Studentenwohnheim.

Quelle: Michael Kaniecki

Kiel. Das Abitur ist geschafft, der Studienplatz nach langer Qual der Wahl gefunden. Doch schon stehen viele junge Menschen direkt vor dem nächsten Problem: Zur Uni von den Eltern aus zwischenfahren oder den räumlichen Neuanfang wagen? Alleine wohnen, ein Zimmer im Wohnheim suchen oder in eine WG übersiedeln? Welche Wohnmöglichkeiten Studierende in Kiel haben, beleuchtet die Serie „Studentisches Wohnen“. Heute: Leben mit Kind.

 9 Uhr Kita am Wissenschaftspark, dann in der Uni hören, essen, lernen, 16 Uhr wieder zurück über die Kita zum Wohnheim Edo-Osterloh-Haus in Projensdorf. So eng getaktet, wie die der 27-jährigen Lea Galazka, sind die Tage weniger Studenten. Das liegt am Zusammenleben mit der vierjährigen Tochter Isabella –„voll die Bereicherung“, wie Psychologie-Studentin Lea strahlend sagt, während sich Isabella auf dem großen Bett verschämt in eine Decke lümmelt.

 Seit zwei Jahren wohnen die beiden in dieser 47-Quadratmeter-Wohnung mit zwei Zimmern, Küche und Bad in einem der hinteren Häuser des Wohnheimkomplexes. Ein wenig Glück war dabei, denn das Studentenwerk gab auf Anfrage an, lediglich fünf kindgerechte Wohnungen in Kiel bereitzuhalten. Und Lea und Isabella fühlen sich hier mehr als wohl, haben in karge Räume mit bunten Tapetenstreifen und Tierzeichnungen an der Wand Farbe gebracht. Sie genießen den kurzen Weg zu Ansprechpartnern des Studentenwerks: „Hier sind die Hausmeister immer um die Ecke.“ Der Mietpreis ist mit 362 Euro warm bezahlbar.

 Die meisten Mädchen in Isabellas Alter wachsen nicht im Wohnheim auf. Ein Nachteil sei das aber keinesfalls. „Ich erzähle sehr gerne darüber“, erklärt Lea, „es bereichert mein Leben, dass es nicht der gängige Weg ist.“ Freimütig gibt sie zu, nach der Trennung von Isabellas Vater „eine ganze Weile“ gebraucht zu haben, „sich hereinzufinden“. In das Finanzielle und die Tagesplanung. Mittlerweile ist sie im 13. Semester und hat gelernt, mit Druck entspannt umzugehen.

 Sie lernt als „Lückenfüller“ zwischen den Vorlesungen. Sobald sie Isabella aus der Kita abholt, ist Kinderzeit. Für Freunde sei es normal, sich auch mit Isabella zu treffen: „Kein Problem. Wir kommen bei dir vorbei“, heißt es dann. Und bei engen Uni-Abgabefristen stellt Lea fest: „Ich finde es ziemlich cool, dass ich so viel Verständnis kriege.“ 45 Prozent der Abende ist Isabella bei ihrem Vater, mit dem sich Lea wieder versteht. In den entstehenden Freiräumen arbeitet sie als Kellnerin.

 Die Wohnung mit Isabella ist ihr Ruhepunkt, Lehrbücher kommen kaum auf den Schreibtisch. Von hier startet Lea Laufrunden und Fahrradtouren, außerdem kommt ein Gitarrenlehrer vorbei. Noch mit 20 hatte sie in einer WG gewohnt, konnte jeden Abend feiern. Das reize sie nicht mehr. „Ich habe viel erlebt, stemme alles alleine und glaube schon, dass ich reifer geworden bin.“ Nicht nur im Umgang mit Isabella, die jetzt unbedingt einen Lillifee-Film schauen will, sondern auch mit großen Ideen.

 So wie einige Umzugskartons, die noch immer in einer Ecke stehen, plant Lea, ihr Leben in Häppchen einzuteilen. „Ich will mehrere Stützen haben“, sagt sie, „wenn eine wegbricht, fällt nicht alles weg“, weiß sie aus Erfahrung. Eine Halbtagsstelle als Wissenschaftlerin wäre das eine, aber „mein eigentlicher Wunsch ist, eine eigene Bar oder ein Café aufzumachen.“ Wem könnte man diese Organisation besser zutrauen als ihr.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Ein Artikel von
Niklas Wieczorek
Lokalredaktion Kiel/SH

Kieler Förde

Schiffspositionen in
der Kieler Förde, dem
NOK und der Ostsee.

Sagen Sie es uns!

Vorschläge oder Kritik?
Schreiben Sie
der Redaktion!

Anzeige
Mehr aus Nachrichten aus Kiel 2/3