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Mensch und Hund suchen Hand in Pfote

THW- und DRK-Übung Mensch und Hund suchen Hand in Pfote

Mit elf Hunden trainierte das Technische Hilfswerk (THW), Ortsgruppe Kiel, gemeinsam mit dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) am Sonnabend das Auffinden und die Rettung von Vermissten. Als Übungsplatz diente ein ehemaliges Uni-Gebäude in der Ludewig-Meyn-Straße, das bald abgerissen werden soll.

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Gemeinsam retten sie Leben (v.li.): Julia Steen (THW) mit Schnuffi, Conny Böge (DRK) mit Abayomi und Silke Schulz (ASB) mit Nanuk.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Die Übung galt dem Training und der Vorbereitung auf einen größeren, bundesweiten Wettkampf Anfang September.

Das sind die Bilder zur THW- und DRK-Übung mit Rettungshunden.

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Schnuffi rennt los, einmal quer durch den Raum bis zur Wand, dann zurück. Sie klettert über Bauschutt, schnuppert an Wänden und läuft durch die offenstehende Tür in den nächsten Raum. Die neunjährige Mischlingshündin ist aufgeregt, sie weiß, dass sie einen vermissten Menschen finden muss. Aber noch scheint sie nicht zu wissen, wo sie mit der Suche anfangen soll.

„Schnuffi ist sehr triebig. Manchmal braucht sie in Gebäuden etwas länger, um jemanden zu finden“, erklärt Julia Steen, die Halterin von Schnuffi. Die 33-Jährige ist seit neun Jahren im THW aktiv. Sie ist Hundeführerin, Ausbilderin und nimmt auch die Prüfungen für Rettungshunde ab. Elf ausgebildete Rettungshunde sind an diesem Wochenende beim Training im Einsatz. „Es sind viel mehr Hunde für den Rettungseinsatz geeignet als man glaubt“, erklärt Steen. Im Grunde dürften sie nur nicht zu klein und auch nicht zu schwer sein, weil sie sonst auf den Trümmern, in denen sie nach Vermissten suchen müssen, einsacken könnten. „Viel wichtiger ist aber der Mensch, der sich um den Hund kümmert. Hier ist es viel schwieriger geeignete Helfer zu finden“, sagt die Hundeführerin. Schließlich brauche es Zeit, um den Hund auszubilden und gleichzeitig regelmäßig für das THW im Einsatz zu sein. „In erster Linie sind wir ja alle THW-Mitglieder und erst dann Hundeführer“, so Steen.

Dann bellt Schnuffi laut

Plötzlich fängt Schnuffi an, laut zu bellen. Julia Steen geht zu ihrer Hündin, die vor einem alten Einbauschrank steht. Mit Schnuffi an der Seite geht sie den Schrank nochmals ab. Immer an der gleichen Stelle am Ende des Schranks fängt die Hündin an zu bellen. „Wir haben hier eine Anzeige“, spricht Steen in ihr Funkgerät und fordert zur Feinsuche einen anderen Rettungshund an.

„Im Training würde ich sie jetzt länger suchen lassen, bis sie die vermisste Person gefunden hat“, erläutert Steen. Aber jetzt ginge es darum möglichst effektiv zu suchen und als Team zusammenzuspielen. „Da sind andere Hunde schneller. Schnuffis Stärke liegt bei der Suche in Trümmern“, erklärt Steen.

Nach Schnuffis Vorarbeit kommt nun Border Collie Abayomi zum Einsatz. Schnell ist er sich sicher, hinter welcher Tür des alten Einbauschranks die Person eingeschlossen ist und fängt davor laut an zu bellen. Nachdem die anderen THW-Helfer die Schranktür geöffnet haben und die dort eingeschlossene Person retten, bekommt Abayomi ein Spielzeug hingeworfen, auf das er sich sofort stürzt. Auch Schnuffi darf nach der Rettungsaktion in ein Spielzeug beißen.

Hunde müssen am Ende belohnt werden

„Das ist das Triebmittel, dafür macht der Hund das“, erläutert Steen. Nur weil die Hunde wissen, dass sie am Ende belohnt werden, suchten sie nach den Menschen. Triebmittel können Spielzeuge oder Futter sein, erklärt Steen, das hänge ganz vom Hund ab. „Für die Hunde geht es ja nur um den Spaß an der Sache. Denen ist nicht wichtig, dass sie einen Menschen retten“, ergänzt Mario Mai, THW-Gruppenführer der Fachgruppe Ortung. In der mehrjährigen Ausbildung werde der Hund mit seinem individuellem Triebmittel für die Suche nach lebenden Menschen motiviert.

„Grundvoraussetzung für die Ausbildung eines Rettungshundes ist ein vertrauensvolles Verhältnis zum Hundeführer. Der Hund muss vom Hundeführer immer kontrollierbar sein“, erläutert Mai. Das sei nicht nur entscheidend, damit er nicht auf umstehende Menschen losgeht, sondern auch zum Schutz des Hundes. „In der Umgebung, in der nach Vermissten gesucht wird, ist es oft gefährlich für den Hund, sei es durch Chemikalien, die irgendwo ausgetreten sind oder durch scharfe Kanten, wie hier im Abrisshaus beispielsweise.“ Das Verhältnis zwischen Hund und Hundeführer sei daher entscheidend für die Ausbildung.

Die THW-Hundeführer sind alle mit ihren privaten Hunden aktiv. Denn auch abseits der Übungen trainieren sie jeden Tag mit ihnen. „Es ist wichtig, zumindest jeden Tag etwas für die Kondition zu tun. Damit die Hunde nicht aus der Übung kommen“, sagt Julia Steen. Dann nimmt sie die Leine und führt Schnuffi aus dem Abrisshaus. Denn gleich werden hier die nächsten Hunde nach Vermissten suchen. Schnuffi kann sich so lange erholen und noch ein wenig in sein Spielzeug beißen.

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Ein Artikel von
Anne Steinmetz
Lokalredaktion Kiel/SH

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