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Lust und Last der Blitzmerker

Tag der Intelligenz Lust und Last der Blitzmerker

Etwa 1,6 Millionen Deutsche sind hochbegabt – 98 Prozent wissen nichts davon. Das sollten sie aber, findet die Mensa-Ortsgruppe Kiel und lädt alle an Geistesblitzen Interessierten zum ersten Kieler Tag der Intelligenz am kommenden Sonntag ein. Das Motto: „Der Norden denkt quer.“

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Der Polizeibeamte Oliver Pohl ist Mensaner.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Wer auf der Homepage des ehrenamtlichen Mensa-Vereins den Speiseplan des studentischen Restaurationsbetriebes sucht, den müssen sie enttäuschen: „Hier gibt es ,nur’ geistige Nahrung!“ Mensa ist ein weltweiter Verein mit mehr als 100.000 Mitgliedern, der sich zum Ziel gesetzt hat, hochintelligente Menschen zusammenzuführen und ihnen ein Forum für Geselligkeit und zum Meinungsaustausch zu bieten. Aufgenommen wird jeder, der in einem Test einen Intelligenzquotienten von mindestens 130 erreicht. Das jüngste deutsche Mensa-Mitglied kam 2010 übrigens aus Eckernförde: Vincent, gerade mal 2,5 Jahre alt. Den Altersrekord der Hochbegabten soll eine Australierin mit 106 Jahren halten.

 Für Oliver Pohl, Sprecher der Kieler Polizeidirektion (45), war es eine wichtige Wende im Leben, als er erst 2012 erfuhr, dass er zu den Hochbegabten zählt. Segen oder Fluch? Der Sohn einer Nichtakademiker-Familie – der Vater war Kraftfahrer, die Mutter Näherin – schloss zwar als Jahrgangsbester die Realschule ab. Doch „ich wusste, dass ich schräg bin“. Da er sich nicht erklären konnte, warum er anders tickt und in der Schule ausgebremst wurde, weil er Fragen zu vielen Bereichen außerhalb des Lehrplans stellte, habe er die Schuld bei sich gesucht. Ein Druck, der später, gibt er zu, seine Ehe belastete: „Meine Frau meinte, ich bin so viele.“

 Von Thema zu Thema springen, viele Dinge gleichzeitig und schnell aufnehmen wollen, der ständige „Hunger nach Wissen“, all das begleitete Pohl sein Leben lang: Er betreibt alle möglichen Nahkampfsportarten, ist Flieger und Apnoe-Taucher. Der Vater von fünf Kindern ließ sich zum Krankenpfleger ausbilden, ist seit 26 Jahren Polizist, schrieb ein Kinderbuch, begeistert sich für Mathematik, Quantenphysik und IT und engagierte sich für Politik. Ein Leben voller Tempo und Ungeduld. Ob in der Abendschule oder beim Aufnahmetest der Polizei – immer wieder schaffte Pohl Glanzleistungen. „Aber hochbegabt bedeutet nicht hochschlau oder hocherfolgreich. Dafür bin ich im Leben zu oft gescheitert“, sagt er. Als seine Hochbegabung entdeckt wurde, stand er an der Spitze der Kreis-Grünen. „Wir können die Stadt grüner gestalten“, vor allem dann, wenn es gelänge, über Geschichten die Menschen zu erreichen, warb Pohl mit seiner eigenen, für einen Grünen untypische Lebensgeschichte: Als Polizeibeamter schützte er auch Castor-Transporte.

 Dem Mensa-Verein ist er dankbar: Denn dieser habe ihm geholfen, seine „Taktung zu leben“, sich mit Gleichgesinnten austauschen zu können, mit sich ins Reine zu kommen und die Hochbegabung als Chance und nicht mehr als Handicap zu begreifen. So soll der erste Tag der Intelligenz, den Pohl mitorganisierte, auch dazu beitragen, dass andere Erwachsene erkennen können, ob sie zu den Blitzmerkern gehören und für Hinweise auf Hochbegabung bei Kindern sensibilisieren.

Die Veranstaltung findet am Sonntag, 4. Oktober, von 11 bis 18 Uhr im Stadtteilrestaurant Fleet, Muhliusstraße 84, statt. Mehr Informationen auf https://kiel.mensa.de/der-norden-denkt-quer oder https://www.facebook.com/dernordendenktquer

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Ein Artikel von
Martina Drexler
Lokalredaktion Kiel/SH

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