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Wo aus Müll Strom und Wärme wird

Tag der offenen Tür Wo aus Müll Strom und Wärme wird

Der massige Bau mit seinem 90 Meter hohen Schornstein am Theodor-Heuss-Ring ist fast zu einem Kieler Wahrzeichen geworden. Vor 40 Jahren wurden die Kessel der Müllverbrennung Kiel (MVK) das erste Mal angeheizt. Grund genug, heute mit einem Festakt für 140 geladene Gäste das Jubiläum zu feiern.

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Die Müllverbrennungsanlage in Kiel hat mit einer Effizienz von 71 Prozent den höchsten Wirkungsgrad aller Anlagen in Deutschland. Durch die Kraft-Wärme-Kopplungs-Technologie wird beim Verbrennungsprozess gleichzeitig Wärme und Strom produziert. Insgesamt liefert die Anlage 20 Prozent der gesamten Kieler Fernwärme.

Quelle: Sven Janssen

Kiel. Geschäftsführer Frank Ehlers sieht abgesehen von der runden Zahl des Bestehens auch bei anderen MVK-Daten Grund, mit den Gästen aus Politik, Verwaltung und Kultur anzustoßen. Schließlich ist die Anlage offenbar hoch profitabel. So durfte sich Kiels Kämmerer im vergangenen Jahr über einen Gewinnanteil der MVK in Höhe von 2,2 Millionen Euro freuen. Denn die Stadt hält 51 Prozent an dem Unternehmen, 49 Prozent gehören dem Entsorgungsriesen Remondis.

Entsprechende Begehrlichkeiten, aufgrund solch satter Gewinne konsequenterweise die Müllgebühren der Bürger zu senken, weist Ehlers allerdings zurück. „Die Entgelte sind bis 2023 festgeschrieben. Außerdem sind wir als GmbH und Co. KG. ein Unternehmen, das auf dem Markt natürlich wirtschaftlich erfolgreich sein will und muss.“ Abgesehen vom wirtschaftlichen Erfolg dürfte Ehlers heute seinen Gästen mit einigem Stolz noch eine weitere positive Zahl präsentieren. Mit einem Wirkungsgrad von 71 Prozent arbeitet die Kieler Müllverbrennung so energieeffizient wie keine zweite Anlage in Deutschland. Grund dafür ist die bei der MVK eingesetzte Kraft-Wärme-Kopplungs-Technologie, bei der Strom und Fernwärme gleichzeitig gewonnen wird. „Und da die Kieler Stadtwerke über ein so großes Fernwärmenetz verfügen, ist die Energieausnutzung besonders effizient“, erklärt der promovierte Ingenieur.

Bei genauerer Betrachtung der Zahlen wird diese Ausbeute deutlich. Rund 137000 Tonnen Müll wurden 2014 in den beiden Kesseln bei etwa 1000 Grad verbrannt, davon kommen mehr als 45000 Tonnen aus Kiel, 33400 aus dem Kreis Schleswig/Flensburg. Weitere 58500 Tonnen sind Gewerbe- und Sperrmüll. Durch den Verbrennungsprozess gewinnt die MVK rund 31000 Megawattstunden Strom, mit dem mehr als 10000 Haushalte versorgt werden. Rund 17000 Haushalte können von der MVK durch fast 230000 erzeugte Megawattstunden mit Fernwärme beliefert werden. Dies entspricht 20 Prozent des Gesamtanteils des Kieler Fernwärmenetzes.

Doch Umwandlung von Müll in Energie hat auch ihre Schattenseiten, denn es bleiben teilweise problematische Reste der Verbrennung. Rund 25 Prozent bleibt als Schlacke übrig, die an Spezialfirmen zur Aufbereitung verkauft wird. So entsteht daraus Baumaterial für Straßen oder für Fundamente von Kaianlagen. Ebenfalls in der Baustoffindustrie landen die jährlich rund 300 Tonnen Gips.

Doch für die jährlich 3000 Tonnen Staub mit vielen hochgiftigen Schwermetallen, die die Filter der Anlage aus den Verbrennungsabgasen ziehen, gibt es keine sinnvolle Verwendung. Sie müssen mit Wasser und bindenden Zusatzstoffen versetzt in Salzstöcken im Südharz eingelagert werden. Frank Ehlers sieht das zwiespältig: Einerseits sei es ja gut, dass die Filter so gut wie alle Schadstoffe im ausströmenden Wasserdampf binden könnten und der Müll durch die Verbrennung aus der Biosphäre gezogen sei. Andererseits bleibe natürlich Gift zurück, dass erst in einer Million Jahren unschädlich wird. „Insofern ist die beste Tonne Müll die, die gar nicht erst erzeugt wird.“

Die Skepsis der Anwohner in den frühen Jahren des Anlagebetriebs sei inzwischen nicht zuletzt aufgrund hervorragender Emissionswerte weit unter den gesetzlichen Vorgaben mittlerweile einem „sehr guten, belastbaren Verhältnis“ gewichen. Der Ortsbeirat tage regelmäßig in Räumen der MVK, aktuelle Emissionszahlen würden einmal im Jahr veröffentlicht. Und eine Rund-um-die Uhr-Kontrolle gebe es auch. So würden alle Emissionsdaten online eins zu eins direkt an das für Umweltüberwachung zuständige Landesamt weitergeleitet. Mehr Kontrolle und Sicherheit, da ist sich Ehlers ganz sicher, „kann es kaum geben.“

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Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

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Kieler Müllverbrennungsanlage
Top-Technik, jetzt auch unabhängig bestätigt: die Kieler Müllverbrennung.

Die Kieler Müllverbrennungsanlage (MVK) ist bundesweit die Anlage mit der höchsten Energieeffizienz. Dies geht aus dem Vergleich von etwa 80 Mitgliedern der Interessengemeinschaft der Thermischen Abfallbehandlungsanlagen hervor. Danach erreicht die MVK eine R1-Kennzahl von 1,21, ein Spitzenwert, wie die MVK angibt.

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