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Tag des Handwerks Hier war Geschick gefragt

Besser hätte der Tag des Handwerks auf dem Asmus-Bremer-Platz in Kiel am Sonnabend kaum starten können. Von Oberbürgermeister Ulf Kämpfer gab es viel Lob für das große Engagement von Handwerkern, die aus der ehemaligen Markthalle eine Unterbringung für Flüchtlinge gemacht haben: „Das ist Handwerk, wie wir es schätzen.“

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 Nähen war eine der Disziplinen bei der Handwerksolympiade. Oberbürgermeister Ulf Kämpfer erwies sich als geschickter Einfädler und Knopfannäher.

Quelle: Sonja Paar

Kiel. Tagesbaustelle Asmus-Bremer-Platz: Am Sonnabend wurde hier an Ständen von neun Innungen gebaggert, geschraubt, geflext und gehämmert – und das ausnahmsweise mal sehr zum Vergnügen der Passanten. Denn um das Interesse der Öffentlichkeit ging es schließlich am „Tag des Handwerks“. Der offenbarte in diesem Jahr vor dem Hintergrund der Flüchtlingsproblematik im Norden aber noch ganz andere „Baustellen“.

„Was hat er damit nur gemeint?“: Norbert Pöhlmann, Obermeister der Baugewerbe-Innung Kiel, Eckernförde und Kiel-Plön, kann sich keinen rechten Reim auf die jüngste Erklärung von Ministerpräsident Torsten Albig machen. Der Regierungschef kündigte noch für dieses Jahr einen Gesetzentwurf an, um Standards in Bauvorschriften zu vereinfachen und dadurch den schnellen Bau von Wohnraum für Flüchtlinge ermöglichen. An welche Standards Albig dabei gedacht hat, bleibt Pöhlmann rätselhaft: „Damit kann eigentlich nur die Beschleunigung von Genehmigungsverfahren gemeint sein. Alles andere wäre ja unsinnig.“

Denn Verordnungen für Statik und Brandschutz zu ändern, gehe schon aus Sicherheitsgründen nicht. Die Herabsetzung von Standards zur Gebäudedämmung könne ebenfalls niemand wollen, wenn Klimaschutz und Energieeinsparung weiterhin Zielsetzungen der Regierung bleiben sollen. So ist der Obermeister „sehr gespannt“, was demnächst auf seine Branchenkollegen zukommt, wenn Albigs Ankündigungen konkreter werden sollten.

Hier sehen Sie Bilder vom Tag des Handwerks auf dem Asmus-Bremer-Platz in Kiel.

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Mit Spannung erwartet Pöhlmann auch die weitere Entwicklung auf dem Lehrstellenmarkt. Noch sei die Lage dort zwar „einigermaßen stabil“, trotzdem konnten in diesem Jahr im Innungsbezirk etwa 30 Ausbildungsstellen nicht besetzt besetzt werden. Peter Karstens, Chef des Trägervereins für das Ausbildungszentrum Bau in Wellsee, sieht insbesondere für junge Flüchtlinge hier gute Chancen. „Voraussetzung ist aber die Beherrschung der deutschen Sprache. Und irgendein Schulabschluss ist ebenfalls wichtig. Da müssen uns die Bildungssysteme allerdings unterstützen. Aus eigener Kraft schaffen wir das nicht.“

Zu welchen Leistungen Handwerker der Region gerade in den vergangenen Tagen fähig waren, machte Oberbürgermeister Ulf Kämpfer in seiner Begrüßungsrede deutlich. Sie seien sich nicht zu schade gewesen, innerhalb weniger Stunden bis in die Nacht hinein die ehemalige Markthalle für die Flüchtlingsunterbringung herzurichten. Auch Friseure sind bereit, Flüchtlingen kostenlos die Haare zu schneiden. Kämpfer: „Das ist das Handwerk, so wie wir es schätzen.“

Gerade diese gesellschaftliche Wertschätzung des Handwerks vermisst Jan Juraschek, Hauptgeschäftsführer im Landesverband des Dachdeckerhandwerks. Dies sei wohl einer der Hauptgründe für das zunehmend mangelnde Interesse von Jugendlichen. „Immer mehr brechen die Lehre ab. Und das erste Mal seit sieben Jahren haben wir bei den Bewerbern einen Einbruch von bis zu 15 Prozent.“

An der Bezahlung könne das jedenfalls nicht liegen. So verdienten Gesellen ab 2500 Euro brutto „aufwärts“, Azubis erhielten im dritten Lehrjahr 1000 Euro, und dies werde sich in Kürze noch weiter steigern, rechnet Juraschek vor. Trotz groß angelegter Werbeaktionen zunehmend in sozialen Netzwerken sei es „ungeheuer“ schwer, die Jugendlichen von Vorteilen einer Lehre zu überzeugen: meist selbstbestimmtes Arbeiten, Aufstiegschancen, gute Bezahlung, sichere Jobs. Denn die Auftragsbücher seien voll und 30 Prozent mehr Leute auf den Baustellen nötig.

Aber eins ist für den Dachdeckermeister mit abgeschlossenem Ingenieurs- und Betriebswirtschaftsstudium auch klar: „Ein Job als Dachdecker verlangt vollen Einsatz von morgens bis abends. Das schreckt offenbar dann doch viele Jugendliche ab.“

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Ein Artikel von
Jürgen Küppers
Lokalredaktion Kiel/SH

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