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Tanzen nach den Regeln der Straße

Tag des Sports Tanzen nach den Regeln der Straße

Mitmachen statt zuschauen – das gilt auch in diesem Jahr beim Tag des Sports am Sonntag, 4. September, von 10 bis 18 Uhr. Rund 150 Sportvereine stellen ihre Arbeit vor und laden die Besucher zum kostenlosen Ausprobieren ein. Unsere Zeitung stellt in loser Folge Sportarten vor, die dort vertreten sind. Heute: Streetdance.

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Die Tänzergruppe NordFace Krump im Jugendtreff Ellerbek setzt sich dafür ein, dass Streetdance als Sportart anerkannt wird.

Quelle: Sven Janssen

Kiel. „Besonders lange ertrage ich diese Musik ja nicht“, sagt Azita Sadeghi. Trotzdem beobachtet sie die Streetdance-Vorführung im Jugendzentrum Ellerbek fasziniert. Sadeghi hat vor zehn Jahren den Verein Kieler Kids mitbegründet, einen Verein, der sich für die Förderung von Kindern in Sport und Kunst einsetzt. Einige ihrer Schützlinge sind jetzt erwachsen geworden. Sie organisieren am Tag des Sports, 4. September, den ersten Streetdance-Wettbewerb in Kiel. „No Limit“ ist das Motto, Veranstaltungsort eine Bühne am Winterbeker Weg. Eingeladen sind Tänzer aus ganz Europa.

 Die Organisatoren haben sich besonders dem sogenannten „Krump“ verschrieben. Das ist ein Freestyle-Tanzstil aus den USA, eine Art Mischung aus Hip-Hop und Breakdance. Er findet in der Regel in Battles zwischen zwei Tänzern statt, ähnlich wie ein Boxkampf. „Ich tanze auch, um Energie abzulassen und Probleme zu vergessen“, sagt der 21-jährige Vehbi Can Yesil. Er ist eines der sieben Mitglieder der Gruppe NordFace Krump, die den Tanzwettbewerb am Tag des Sports organisiert. Aus einer Nachmittagsbeschäftigung ist bei ihnen längst professionelles Tanzen geworden. Die Gruppe nimmt an internationalen Wettbewerben teil, dreht Videos und tanzt auf Theaterbühnen. Sogar bei einem Workshop in Japan waren die Jungs schon dabei. Warum ausgerechnet Tanzen? „Tanzen ist kreativer, ehrlicher als andere Sportarten. Gerade beim Krump wird viel improvisiert. Man tanzt, was man spürt“, sagt Ancelmo Do Amaral Mujoco, auch der 20-jährige ist Mitglied von NordFace Krump.

 Mit ihrem Beitrag zum Tag des Sports will sich die Gruppe dafür einsetzen, dass Streetdance als Sportart anerkannt wird. „Auch Streetdance folgt bestimmten Regeln – den Regeln der Straße“, so Yesil. Beim Streetdance-Award gibt es zwei Kategorien, in denen sich die Teilnehmer der Jury stellen können: entweder als Einzeltänzer in Battles oder als Crew, in der mehrere Tänzer eine Choreografie von wenigen Minuten einstudieren. „Wer die Streetdancer einmal trainieren gesehen hat, weiß: Tanzen ist Extremsport”, sagt Azita Sadeghi. Dreimal die Woche treffen sich Tänzer des Vereins Kieler Kids im Jugendzentrum Ellerbek zum Training. „Manche fahren über eine Stunde hierher“, so Vehbi Can Yesil. Wenn alle kommen, sind sie über 20 Leute. Die Altersspanne reicht von zwölf bis 23 Jahre.

 Auch an diesem Freitagnachmittag ist es jetzt soweit. Die Gruppe steigt nach unten in die Sporthalle des Jugendtreffs. Die Mädels gehen noch mal kurz zur Toilette, um sich umzuziehen, die Jungs schlüpfen in ihre dicken Sportschuhe. Noch kurz die Fußballtore von der Bühne schieben, dann wird das Handy an die Lautsprecher gestöpselt. Die Bässe wummern durch den Raum. Die Gruppe wird zur Gang, die sich jeweils um den Einzeltänzer gruppiert. Die Körper zucken, stampfen, hüpfen. Es scheint, als würden sie direkt von der Musik bewegt. Unter den Füßen der Kieler Kids wird der graue Linoleumboden der Halle tatsächlich zur Straße.

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