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Wer tanzen will, muss hart trainieren

Tanzschule Wer tanzen will, muss hart trainieren

Lange hat Elena Kraft nicht verstanden, warum Deutsche beim Tanzen einfach nur Spaß haben möchten. „Wer tanzen will, muss doch hart trainieren“, dachte die Choreografin.

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Im Jahr 2000 kam die studierte Tanzpädagogin Elena Kraft von Kasachstan nach Norddeutschland und eröffnete zwei Jahre später bereits ihre Tanzschule K-System. In ihrer Freizeit malt die 49-Jährige mit Öl und Acryl.

Quelle: Karina Dreyer

Kiel. Das war im Jahr 2000, als sie aus Kasachstan nach Kiel kam. Heute heimst sie mit ihrer Tanzschule K-System international Preise ein und hat die Balance zwischen russisch strenger Trainingsweise und deutschem Spaßfaktor hinbekommen.

 Wer die 49-Jährige mit ihren Schülern beobachtet, erlebt eine Tanzpädagogin mit strengem Ton, der schnell in ein liebevoll, warmes Lachen übergehen kann. „Ich bin perfektionistisch und habe den Anspruch, wenn ich etwas gebe, möchte ich auch etwas zurückbekommen“, betont sie. Und sie gibt sehr viel: Die meisten Choreografien sind von ihr, ebenso die fantasievollen Kostüme.

 Dabei könnte ihre Geschichte selbst Stoff für die Bühne sein: Als Leiterin des Kulturpalastes in St. Petersburg „war ich auf dem Gipfel meiner Karriere und habe dort oben mitbekommen, wie das System funktioniert“, erzählt Elena Kraft. Als kreativer Mensch sei sie nicht sehr an Politik interessiert, aber die Machtspielchen, die sie mitbekam, gefielen ihr gar nicht. Als Spätaussiedlerin beschloss sie also, mit ihrem Mann, dem Tänzer Yuriy und Sohn Ilja im Jahr 2000 das Land zu verlassen.

 Als Russlanddeutsche kamen die Krafts an die Förde, lernten Deutsch an der Volkshochschule, wo sie auch Tanzkurse besuchten, um fit zu bleiben. Ihr Talent fiel auf, und so übernahm Elena Kraft 2001 einen Flamenco-Kursus. In dem brachte sie die deutschen Frauen ganz schön ins Schwitzen. Es hagelte prompt Beschwerden. „Mein Ehrgeiz war den deutschen Frauen zu viel. Ich wollte 40 Minuten Leistung und sie 40 Minuten Spaß, aber der kommt für mich erst nach der Leistung“, betont Elena Kraft. Also gründete sie im selben Jahr eine Tanzgruppe mit Russen, „denn die waren disziplinierter und verstanden meine Sprache“. Das funktionierte prima, es folgten Auftritte zur Kieler Woche. Und so kamen dann auch immer mehr Deutsche hinzu. Die „Dance Company“ im Polizei-Sportverein in der Wik wurde gegründet, statt Beschwerden hagelte es Applaus und Preise für die Amateurtänzer, beispielsweise bei der Polizeischau und bei „Kiel singt und spielt für Kiel“.

Und dann kam Kroatien

 2006 räumten sie bei den Duisburger Tanztagen 500 von 500 möglichen Punkten ab. Im selben Jahr eröffnete Elena Kraft mit ihrem Mann die Tanzschule K-System (das K steht für Kraft) in der Alten Weide mit 120 Schülern.

 2007 wurden sie Deutscher Meister in München. Dann kam Kroatien: Bis heute ergatterten sie jedes Jahr den Titel Europameister, seit 2008 sind sie auch Weltmeister (ESDU World Dance Masters). Production number nennt sich die Kategorie, in der die „Dance Company“ am stärksten ist, ebenso erfolgreich in Hip-Hop, Breakdance, Zumba, Bauchtanz oder Musical-Dance.

 2012 kam eine Filiale im Grasweg hinzu. Heute lernen rund 500 Schüler in 40 Gruppen und aus allen Nationen bei ihrem Team das Tanzen. Trotz der Disziplin, die sie immer noch erwartet. „Ich bin zwar etwas weicher geworden, aber es braucht nun mal Disziplin, um Leistung zu erbringen und um stark zu sein“, ist sie sich sicher.

 Mit der Tanzschule ist für sie ein Traum in Erfüllung gegangen, nur von einem anderen Traum musste sie sich verabschieden: Die Weltmeisterschaften in Amerika. Zu hoch sind die Kosten, für die kein Sponsor gefunden werden konnte. „Der Tanzsport wird leider nicht so ernst genommen wie die Ballsportarten“, bedauert sie.

 Aber auch daran arbeitet sie, auf ihre künstlerische Art und Weise: Mit Bildern aus Öl und Acryl rückt sie Tänzer und Tanzszenen ins rechte Licht. Mittlerweile stellt sie auch aus, nicht nur in der eigenen Tanzschule, sondern auch bundesweit ist ihre figurative Malerei zu sehen.

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