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Mädchen-Gang provoziert die Bundespolizei

Tatort Kieler Bahnhof Mädchen-Gang provoziert die Bundespolizei

Vier junge Mädchen halten die Bundespolizei am Kieler Hauptbahnhof seit Wochen auf Trab. Gezielt versuchen sie, die Beamten zu provozieren. Immer wieder beschädigen die Jugendlichen die Einsatzfahrzeuge.

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Ungewöhnlicher Ärger für die Bundespolizei: Oberkommissar Stefan Bildt (rechts, 39) und sein Kollege Lukas Michaelsen (23) müssen bei Streifen auch besonders auf ihre Fahrzeugflotte Acht geben. Immer wieder werden die Streifenwagen beschädigt.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Die Motivation der jungen Kielerinnen ist unklar. „Wir gehen davon aus, dass das Verhalten ein Versuch der Mädchen ist, Aufmerksamkeit zu bekommen“, sagt Gerhard Stelke von der Bundespolizei-Inspektion in Kiel. An einen vergleichbaren Fall kann sich er sich in seiner mehr als 40-jährigen Dienstzeit nicht erinnern.

 Seit August sorgt das Mädchen-Quartett regelmäßig für Ärger rund um den Hauptbahnhof. Im Fokus der 13 bis 16 Jahren alten Teenager steht die Bundespolizei; vor allem auf die Streifenwagen, die am Sophienblatt abgestellt sind, haben sie es abgesehen. „Sie machen sich an den Fahrzeugen zu schaffen, in dem sie die Reifen zerstechen, die Fensterscheiben zerkratzen oder die Autos beschmieren“, berichtet Stelke. Lackstifte haben die Mädchen für ihre Anti-Polizei-Parolen ebenso benutzt wie Graffiti-Spray. Das Kürzel ACAB, das für „All Cops are Bastards“ steht, sprühten sie in schwarzen Lettern auf die Motorhaube. „In einem weiteren Fall schleuderten sie eine volle Flasche gegen die Windschutzscheibe des geparkten Einsatzwagens, die riss und ausgetauscht werden musste“, so der Behördensprecher. Offenbar legt sich die Mädchen-Gang gezielt auf die Lauer: „Das Fahrzeug eines Kollegen, der nur kurz für eine Botenfahrt am Bahnhof war, erlebte eine ebenfalls böse Überraschung, als er nach kurzer Zeit zum Dienstfahrzeug zurückkehrte.“ Nach Stelkes Angaben beläuft sich der Sachschaden auf mehrere Tausend Euro.

 Um dem Treiben ein Ende zu setzen, nutzte die Bundespolizei zwischenzeitlich sogar einen anderen Parkplatz – vergeblich: „Die Mädchen riefen uns per Telefon auf der Wache an, um uns fröhlich mitzuteilen, dass sie unsere Autos gefunden hätten“, sagt Stelke. Der 60-Jährige ist sicher, dass die Mädchen erwischt werden wollen. Sechsmal konnten die Beamten die Mädchen, die in unterschiedlicher Besetzung meist zu zweit oder zu dritt auf Randale-Tour gehen, bereits auf frischer Tat erwischen. „Zuletzt haben wir die Mobiltelefone der Beschuldigten beschlagnahmt und lassen diese nun auswerten, ob sich anhand von Bildern weitere Beweismittel sichern lassen“, so der Behördensprecher. Von den Strafanzeigen wegen Sachbeschädigung ließen sich die minderjährigen Täterinnen bislang nicht beeindrucken. „Das Problem ist, dass es menschlich keine Chance gibt, Zugang zu den Mädchen zu bekommen“, sagt Stelke. Auch den Eltern, die mehrfach ihre Töchter vom Revier abholen mussten, hätten sich die Jugendlichen komplett entzogen.

 Die Bundespolizei hat das Jugendamt eingeschaltet und auch die Landespolizei in Kiel über die Intensivtäterinnen in Kenntnis gesetzt. Strafrechtliche Konsequenzen hatte das Treiben bislang aber nicht, und so bleibt der Bundespolizei auf dem Hauptbahnhof nichts anderes übrig, als häufiger nach ihrem Fuhrpark sehen.

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Ein Artikel von
Bastian Modrow
Lokalredaktion Kiel/SH

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Foto: Tatort Parkplatz: Eine Mädchen-Gang hat in den vergangenen Wochen mehrfach Fahrzeuge der Bundespolizei am Bahnhof beschädigt.

Die Serie von Sachbeschädigungen an Fahrzeugen der Bundespolizei am Hauptbahnhof Kiel, für die eine Gruppe junger Mädchen verantwortlich ist, sorgt für Kopfschütteln und Empörung. „Warum werden die Täterinnen nicht bestraft?“, fragen viele Leser bei KN-online. Die Bundespolizei verfolgt einen Weg.

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