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Studieren neben Familie und Beruf

Teilzeitstudium Studieren neben Familie und Beruf

Jeder fünfte Studierende absolviert sein Studium in Teilzeit, aber nur etwa vier Prozent sind formell in einem Teilzeit- oder berufsbegleitenden Studiengang eingeschrieben. Zu diesem Ergebnis kamen die Mitglieder der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) bei ihrer jüngsten Versammlung.

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Um mehr Zeit für ihre Kinder Lönne (3; v. li.), Piet (6) und Onno (1) zu haben, entschied sich Dana Siewertsen (32), ihr Studium auf Teilzeit zu reduzieren. Der Bedarf, in Teilzeit studieren zu können, ist weit größer als das Angebot.

Quelle: Thomas Eisenkrätzer

Kiel. Der Bund der 268 staatlichen und staatlich anerkannten Universitäten und Hochschulen in Deutschland gab jetzt konkrete Handlungsempfehlungen heraus, um die Teilzeit-Angebote noch flexibler und näher am Bedarf der Studierenden zu konzipieren.

Es gibt vielfältige Gründe, warum sich Frauen und Männer für ein Teilzeit-Studium entscheiden. Zum Beispiel Dana Siewertsen: Die 32-Jährige hat drei kleine Kinder, einen Job und studiert Wirtschaft/Politik und Englisch auf Gymnasial-Lehramt an der Christian-Albrechts-Universität (CAU) Kiel. Für sie ist die Möglichkeit des Teilzeitstudiums ideal. „Das Studium ist für mich der Bereich, der am flexibelsten ist“, sagt die junge Frau. Pro Semester darf die Kielerin als Teilzeitstudentin nicht mehr als 35 Leistungspunkte im Jahr und 20 pro Semester sammeln. Kommt sie dennoch über die Punktzahl, wird das Studienjahr automatisch als Vollzeit angerechnet. „Das ist eine tolle, flexible Lösung.“

Das Teilzeitstudium in Anspruch zu nehmen, war für die 32-Jährige zunächst nicht einfach: Es sei ein Stück weit ein Schwächeeingeständnis gewesen, erzählt sie, da sie erkennen musste, dass sie den Spagat zwischen Job und Familie in Vollzeit zu studieren, nicht schaffe. Aber mit ihren drei Kindern Piet (6), Pelle (3) und Onno (1) nebst ihrem Job als Lehrerin bei einem Bildungsträger mit 7,5 Stunden pro Woche gab es keine andere Lösung. „Jetzt habe ich mehr Zeit für meine Kinder.“ Die Familie finanziert sich durch ihren Job, aber vor allem durch die Lehrerstelle ihres Mannes.

Vielen Dozenten ist das Angebot unbekannt

Auch Florian Weigel hat sich vor drei Jahren für das Teilzeitstudium entschieden – allerdings aus beruflichen Gründen. Der 28-jährige Masterstudent arbeitet seit 2013 als Geschäftsführer der Jungen Union mit 30 Stunden pro Woche. „Damals lag ich in den Endzügen meines Bachelorstudiums und das war mit der Arbeit nur ganz schwer zeitlich vereinbar.“ Also surfte der Politik- und Geschichtsstudent im Internet nach Alternativen und stieß schließlich auf das Teilzeitangebot.

„Viele Professoren kennen diese Studienmöglichkeit nicht“, sagt der Kieler. Trotz der halbierten Leistungspunktzahl kommt Weigel manchmal in Zeitnot: „Abends und am Wochenende wird mein Arbeitsbüro zum Studienort.“ Er würde sich flexiblere Vorlesungsangebote wünschen: „Die meisten Veranstaltungen sind mitten am Tag. Morgens oder nach 18 Uhr wäre für mich besser.“

Auch die HRK macht deutlich, dass ein Teilzeitstudium weder als Notlösung noch als einheitlich strukturiertes Modell zu betrachten sei. Eine angestrebte Flexibilisierung erfordert „unbedingt den Einsatz von Online-Studium und mediengestützten Lernformen“, lautet ihre Empfehlung an die Hochschulen. Das Gremium legt den Hochschulen nahe, Teilzeitangebote als Bestandteil der eigenen strategischen Entwicklung und Profilbildung zu begreifen.

Es gibt aber auch Probleme

Hauptprobleme gibt es aus Sicht der Hochschulvereinigung vor allem bei den Kosten für die Hochschulen und beim Bafög. Besonders bei den Finanzierungsmöglichkeiten für die Studenten sollte nachgebessert werden. Denn derzeit wird die Ausbildungsförderung nur für ein Vollzeitstudium gezahlt. Wer also in Teilzeit studiert, ist nach geltendem Recht nicht förderfähig. Auch die vorhandenen Kapazitäten der Unis bieten aus Sicht der HRK derzeit häufig nicht den nötigen Spielraum, um bedarfsgerechte, flexible Studienmöglichkeiten in Teilzeit zu anbieten zu können.

Die Universität Kiel verspricht, das Teilzeitangebot auszubauen, um mehr Studenten „die Gelegenheit zu geben, ihre berufliche Perspektive zu erweitern und ein Studium mit Beruf, Familie, einer chronischen Erkrankung oder Behinderung zu vereinbaren“, sagt Prof. Anja Pistor-Hatam, Vizepräsidentin für Studienangelegenheiten.

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