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Auftrag: Menschenleben retten

Tender „Werra“ Auftrag: Menschenleben retten

Der Sommerurlaub war gebucht. Doch jetzt reichte es nur für einen Kuss auf der Pier. „Ich habe ein Paket mit ein paar Überraschungen mit auf die Reise bekommen.

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Ein letzter Kuss: Die Obermaaten Tim Vongehr (links) und René Friedrich verabschieden sich von ihren Frauen Anna und Isabelle mit den Säuglingen Noah (vier Wochen alt) und Giulian (zwölf Wochen). Eigentlich sollte die „Werra“ den Sommer über im Hafen sein. Jetzt geht es kurzfristig ins Mittelmeer zur Seenotrettung.

Quelle: Frank Behling

Kiel. Das mache ich aber erst nach dem Auslaufen auf“, sagt Obermaat René Friedrich. Der Funker des Tenders „Werra“ verabschiedete sich am Mittwoch auf der Pier des Kieler Marinestützpunktes von seinem zwölf Wochen alten Sohn Giulian und Frau Isabelle. Wann er wieder in Kiel zurück sein wird, steht noch nicht fest. „Wir haben ja auch noch keinen Einsatzbefehl. Den erwarten wir aber in den nächsten Tagen“, sagt Kommandant Stefan Klatt (46). Der Korvettenkapitän hatte gerade mal drei Wochen Zeit, um sein 100 Meter langes Schiff und die 66 Frauen und Männer auf den Einsatz im Mittelmeer vorzubereiten.

 „Die Tender der Marine sind für derartige Einsätze die am besten geeigneten Schiffe. Wir haben große Decks, eine niedrige Bordwand und können im Notfall auch sehr viele Menschen an Bord unterbringen“, sagte Klatt. Professionelle Seenotrettung ist für die Marine nicht neu. 2010 wurde die Besatzung des Schwesterschiffes „Mosel“ von der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger für eine Seenotrettung im Mittelmeer ausgezeichnet.

 Für die Aufgabe wurde die „Werra“-Besatzung mit Schutzanzügen ausgerüstet. Auch Medikamente, Kindernahrung, zwölf Container und Hunderte Tonnen Ausrüstung sind an Bord. Psychologen, Dolmetscher, Militärpolizei und ein Pfarrer ergänzen die Crew. „Wir müssen auf alles vorbereitet sein. Zu den Gefahren gehören auch Krankheiten und mögliche Terroranschläge“, sagte Klatt. Bei den Rettungsaktionen selbst gibt es klare Regeln. Schlauchboote fahren vom Tender dem Flüchtlingsboot entgegen. „Sie verschaffen sich einen ersten Eindruck“, so Klatt. Danach werden die Menschen vorsichtig und einzeln an Bord geholt und versorgt. „Diese Verfahren haben sich bereits vor Ort bewährt“, so der Offizier. Die Einsätze erfolgen in Absprache mit dem italienischen Seenotrettungszentrum in Rom. „Dort wird auch entschieden, wo wir die geretteten Menschen hinbringen“, sagt Klatt.

 Der Tender „Werra“ soll Anfang der Woche in einem Hafen an der Straße von Gibraltar auf den Versorger „Berlin“ treffen, der seit Anfang Mai an der Seenotoperation teilnimmt. Das Ziel der Mission fasst Klatt klar zusammen: „Wir werden niemanden zurücklassen.“ Deshalb gibt es auch noch keinen genauen Termin für die Rückkehr nach Kiel. „Sie sind die Ersten, die den Menschen helfen, die nach Europa kommen. Wir sind stolz auf sie“, betonte Fregattenkapitän Guido Brach, der Kommandeur des 5. Minensuchgeschwaders.

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Ein Artikel von
Frank Behling
Lokalredaktion Kiel/SH

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Jedes Leben zählt: Egal, ob es nun von einem italienischen Kapitän, einem philippinischen Schiffskoch oder einem deutschen Soldaten gerettet wird. Tausende Menschen fliehen derzeit über das Mittelmeer, wohl Hunderte ertrinken täglich. Jeder einzelne ist einer zu viel.

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