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Entschärfung schneller als geplant

Theodor-Storm-Schule Entschärfung schneller als geplant

Bombenentschärfung im Stundentakt: Es ist ein Tag der Superlative für die Spezialisten vom Kampfmittelräumdienst. Deutlich schneller als geplant haben sie am Freitag die vier Blindgänger bei der Theodor-Storm-Schule in Wellingdorf unschädlich gemacht.

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Die Einsatzleitung: Stefan Sielemann (Rettungsdienst), Martin Gutchen (Feuerwehr), Michael Corzillius (Notarzt), Hanjo Merkle (Rettungsdienst), Oliver Pohl (Polizei), Michael Krohn (Feuerwehr) und Polizeieinsatzleiter Uwe Eidinger.

Quelle: Frank Peter

Kiel. Nach fast vier Stunden konzentrierter Arbeit geben Chef Oliver Kinast und seine Männer um 13.57 Uhr Entwarnung. Die ganze Aktion verläuft reibungslos: Die Wellingdorfer verlassen den Sperrbereich zügig, das befürchtete Verkehrschaos bleibt aus, die Zünder lassen sich leicht herausdrehen.

 Kinast und seine Truppe ist der Stolz anzusehen. An vier Bomben hintereinander an einem Tag haben sie noch nie gearbeitet. Einer der Sprengkörper aus US-Produktion ist so gut erhalten, dass die Schrift darauf ohne Probleme zu lesen ist. „Das Besondere an dieser Aktion ist, dass drei Kopf- und Heckzünder haben. Aber eigentlich war es eine normale Entschärfung“, sagt der Leiter bescheiden, aber dann doch froh, dass er schnell nach Hause kommt – Kinast ist am Freitag 48 Jahre alt geworden und erwartet noch Gäste.

 Zufrieden ist Kinast auch mit der Trefferquote von knapp 25 Prozent: Bei 18 Verdachtspunkten hatten die Experten fünf Bomben gefunden. „Normal sind zehn Prozent“, erklärt das strahlende Geburtstagskind. Er und sein Stellvertreter Georg Ocklenburg nehmen sich zunächst die Bombe auf dem Sportplatz vor, für die sie etwa 20 Minuten brauchen. „Wir machen das immer zu zweit, um uns auszutauschen, falls etwas Unvorhergesehenes passiert“, erklärt der Chef-Räumer. Zusammen mit Heinz Kollath, Karlheinz Werbitzky und Hauke Seib holen sie anschließend den nächsten Blindgänger aus dem Loch und bringen ihr Werkzeug dorthin. So geht es weiter, bis auch die vierte Bombe keine Gefahr mehr darstellt.

Hier sehen Sie Bilder von der Bombenentschärfung an der Theodor-Storm-Schule in Kiel

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 Ein Novum für die unerschrockenen Fünf ist der Blindgänger unter dem Klassenzimmer. Heinz Kollath hat ihn ausgegraben und erzählt: „Wir haben eine Rampe vor dem Fenster gebaut und sind mit einem Mini-Bagger in das Klassenzimmer gefahren.“ Bis in drei Meter Tiefe reicht der Arm. Dann muss Kollath selbst in das Loch, das er mit Holz ausgekleidet hat: „Mit der Schaufel habe ich anderthalb Meter weiter gegraben, die Erde in einen Eimer gefüllt, den ein Kollege hoch gezogen hat.“ Als er endlich die Bombe freigelegt hat, ist er froh. „Man weiß ja nie, wie sie reagiert. Schon allein die Erschütterung, als das Fundament aufgestemmt wurde, hätte zu einer Umsetzung führen können“, erklärt der Kampfmittelräumer und blickt immer wieder nachdenklich ins tiefe Loch. Nachdem Kinast und Ocklenburg die Bombe entschärft haben, hebt Kollath sie mithilfe des kleinen Baggers durch das Fenster des Klassenzimmers . Bevor hier nach den Sommerferien wieder unterrichtet werden kann, muss nun die Grube wieder zugeschüttet und mit einer Betondecke geschlossen werden.

 Ortswechsel: Die Senioren aus dem Pflegeheim Petrick an der Hangstraße sind schon seit dem frühen Morgen auf den Beinen, weil sie ihr Haus verlassen müssen: „25 Bewohner sind auf einer Station der Uni-Klinik untergebracht und werden von unserem Team ebenso betreut wie die 50 Bewohner, die in der Turnhalle auf das Ende der Entschärfung warten“, sagt Geschäftsführer Stefan van der Velden. Rettungskräfte der verschiedenen Hilfsdienste haben den Sammelpunkt bei der Ellerbeker Schule am Klausdorfer Weg zu einem kleinen Dorf umgebaut. In der Halle haben DRK, Samariter, Johanniter und Malteser Betten aufgestellt, kleine Sitzecken angeordnet. Hier gibt es Getränke und Essen. Später findet vor der Halle sogar noch ein kleines Gitarrenkonzert statt. Darüber freuen sich auch die Senioren aus dem Awo-Servicehaus Wellingdorf, die im Schatten und in der Mensa sitzen und der Musik lauschen. „Wir haben 132 Transporte gefahren und sind mit 100 zusätzlichen Kräften im Einsatz“, sagt Michael Krohn, Sprecher der Berufsfeuerwehr. Zwei Löschfahrzeug der Ostwache stehen seit dem frühen Morgen in Dietrichsdorf – im Notfall wäre der Stadtteil sonst abgekoppelt gewesen.

 Die Polizei ist zufrieden mit dem Einsatz. Es gibt zwar einen Stau am Wehdenweg, aber das ganz große Verkehrschaos bleibt aus. 81 Beamte sind seit dem Morgen unterwegs gewesen ist, errichten Sperren und fordern die Menschen auf, den Bereich im Umkreis von 500 Metern um die Bomben herum zu verlassen: „Die Sperrungen sind für die Bevölkerung bestimmt ein Ärgernis. Die Menschen sind aber wachgerüttelt und wissen, dass eine Bombenentschärfung keine Routine ist“, sagte Polizeisprecher Oliver Pohl.

 Der nächste Einsatz der Kampfmittelräumer wird nicht lange auf sich warten lassen: Die Spezialisten haben drei Verdachtspunkte in Wellsee entdeckt, die sie sich kommende Wochen anschauen wollen.

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