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Ermittlungen: Korruptionsverdacht bei U-Boot-Kauf

ThyssenKrupp Ermittlungen: Korruptionsverdacht bei U-Boot-Kauf

Das geplante U-Boot-Geschäft zwischen der Kieler Werft ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) und Israel wird zunehmend überschattet von Korruptionsvorwürfen: Der israelische Generalstaatsanwalt erweiterte jetzt seine Ermittlungen und hat auch das jüngste Korvettengeschäft mit Israel ins Visier genommen.

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Der israelische Generalstaatsanwalt ermittelt wegen des Verdachts der Korruption beim Kauf von U-Booten aus Schleswig-Holstein.

Quelle: Frank Behling (Symbolfoto)

Kiel/Tel Aviv. Nachdem im U-Boot-Deal bislang vor allem der private Anwalt von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, David Shimron, im Mittelpunkt stand, geht es nun um mehrere Verdächtige, wie das Justizministerium in Jerusalem am Dienstag mitteilte. Der israelische Regierungschef gehöre nach bisherigen Erkenntnissen jedoch nicht dazu.

Beim U-Boot-Geschäft, dessen Volumen auf rund 1,5 Milliarden Euro geschätzt wird, geht es um drei 68 Meter lange Neubauten vom Typ „Dolphin AIP“, deren Kauf aber noch nicht vertraglich besiegelt ist. Außerdem hat Israel 2015 einen Vertrag zum Kauf von vier Korvetten abgeschlossen, die ebenfalls in Kiel gebaut werden sollen. Laut Justizministerium betreffen die Ermittlungen beide Fälle.

Deutschland hat rund 570 Millionen Euro Zuschuss für den Kauf veranschlagt. Der Vertrag sei allerdings noch nicht abgeschlossen, sagte eine Sprecherin. Die Bundesregierung unterstützt die U-Boot-Lieferungen, weil sie sich für die Sicherheit des Staates Israel besonders verantwortlich fühlt. ThyssenKrupp-Sprecher Tim Proll-Gerwe verwies auf Nachfrage der Kieler Nachrichten auf interne Ermittlungen des Konzerns, die seit November liefen und bislang keinerlei Anhaltspunkte für Korruption ergeben hätten. Proll-Gerwe betonte, dass sich die Ermittlungen nicht gegen ThyssenKrupp richteten.

Die entscheidende Frage ist, ob es zwischen dem für ThyssenKrupp in Israel tätigen Auftragsvermittler Miki Ganor und Anwalt Shimron illegale Absprachen zum U-Boot-Geschäft gab. Solange es dafür keine Belege gebe, so der Konzernsprecher, sehe man auch keinen Grund, die Zusammenarbeit mit dem Vermittler in Frage zu stellen.

Vorgeworfen wird Netanjahu, er habe den Kauf der U-Boote gegen den Willen von Militär und Verteidigungsministerium durchgesetzt. Sicherheitsexperten waren nach Medienberichten der Meinung, der Deal sei zu teuer, man wolle das Geld lieber in andere Waffensysteme investieren.

In der Belegschaft von TKMS sorgt die mutmaßliche Korruptionsaffäre bislang nicht für große Unruhe: „Wir gehen davon aus, dass wir sauber sind“, sagte ein Insider. Sollte das Geschäft scheitern, wären die wirtschaftlichen Folgen für die Werft überschaubar. Zum einen, weil TKMS bereits mit bestehenden Aufträgen bis weit ins kommende Jahrzehnt ausgelastet ist. Zum anderen, weil das Israel-Geschäft finanziell längst nicht so lukrativ ist wie andere U-Boot-Aufträge.

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Ein Artikel von
Ulrich Metschies
Wirtschaftsredaktion

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