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Tietze: "Wir Grünen können Stadt"

OB-Kandidat für Kiel Tietze: "Wir Grünen können Stadt"

Die Kieler Grünen treten mit einem eigenen Kandidaten zur Oberbürgermeisterwahl am 28. Oktober an - und der zeigt sich nun kämpferisch: „Kiel kann mehr“ gab der Landtagsfraktionsvize Andreas Tietze als Losung aus.

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Ein Mann will hoch hinaus: Tietze tritt für die Grünen bei der Wahl der Kieler Verwaltungsspitze an.

Quelle: Paesler

Kiel. Schon in der Einladung hatte der Kreisvorstand die strittige Frage nach einer Oberbürgermeister-Kandidatur „natürlich mit Ja“ beantwortet. Die Kieler Grünen, auf 340 Mitglieder angewachsen, sehen sich im Aufwind und wollen sich mit einem eigenen Kandidaten auch gegenüber dem roten Kooperationspartner profilieren. Tietze sei ein Macher, lobte ihn die Landtagsabgeordnete Anke Erdmann. Theologe, promovierter Sozialwirtschaftler, Unternehmensberater, seit 2009 Landtagsabgeordneter mit den Schwerpunk ten Wirtschaft, Verkehr, Tourismus und Sozialpolitik – zudem sammelte der gebürtige Gelsenkirchener Erfahrungen als Fraktionschef im Kreistag von Nordfriesland und als stellvertretender Landrat.

Für die Kieler SPD steckt die Suche nach Oberbürgermeister-Kandidaten voller Überraschungen. Zum ersten Mal treten mit Susanne Gaschke und Manuela Söller-Winkler zwei Frauen gegeneinander an. Es wird spannend am 11. August, wenn die Partei ihre Kandidatin kürt.

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Er will an die Erfolge grüner Oberbürgermeister in Freiburg (Dieter Salomon) und Tübingen (Boris Palmer) anknüpfen, sagt er trotz des Bekenntnisses zur Küstenkoalition im Kieler Rathaus: „Das Tabu ist gebrochen, dass nur immer SPD oder CDU die Oberbürgermeister stellen.“ Vor den Mitgliedern, die ihn immer wieder laut beklatschten, machte der Kandidat mit Wohnsitzen auf Sylt und in Kiel den grünen Aufschwung an den Punkten Lebensqualität und Nachhaltigkeit sowie an der Balance von Ökonomie und Ökologie fest: „Wir Grünen können Stadt.“

Er will die Kernkompetenzen der drei Hochschulen verstärkt nutzen, um Existenzgründungen voranzubringen. Die wegen der Finanzierung umstrittene Stadtregionalbahn ist für den Wirtschafts- und Verkehrssprecher die Antwort für die Mobilität des 21. Jahrhunderts. Stark machen will er sich auch für die städtebauliche Entwicklung des Flughafengeländes und des MFG5-Geländes – mit Wohnungen, Gewerbe und Freizeitmöglichkeiten. Kiel sei eine wachsende Stadt und brauche dringend attraktiven sowie bezahlbaren Wohnraum. Ein gutes, generationsübergreifendes Leben bezeichnete er ebenso als Ziel wie Kiel zur Vorreiterin in der Energiewende zu machen. „In Kiel wird es eine klimaverträgliche Energieversorgung ohne Kohle geben“, setzt er auf eine gasbasierte Lösung beim Ersatz des Gemeinschaftskraftwerks.

Doch auch die Jugend-, Familien- und Sozialpolitik liegt ihm am Herzen. Der zweifache Vater und frühere Jugendpfleger plädierte für eine stärkere Förderung von Kindern und Jugendlichen. Tietze warb aber auch mit seiner Erfahrung in der Organisations- und Personalentwicklung: Er stehe für Verwaltungsmodernisierung, E-Government, Dienstleistungsorientierung, für Bürgernähe und neue Formen der Bürgerbeteiligung.

Mit seinem Auftritt war die grüne Basis hochzufrieden. Eine Direktwahl sei eine Persönlichkeitswahl. Und da könne Tietze punkten, weil er breite Wählerschichten anspreche, erklärte der Vorstand. Er selbst will auch auf die Piraten zugehen. Der Streit in der SPD um die knappe Wahl der „Zeit“-Redakteurin Susanne Gaschke als Kandidatin war nur am Rande Thema. Dabei herrschte Erleichterung darüber, mit der SPD-internen Akzeptanzkrise nichts zu tun zu haben, wie die Kreisvorsitzende und Leiterin der OB-Findungskommission, Ursel Meenzen, meinte. Dramatischer Entscheid, verstolpertes Verfahren – bei all dem „können wir zum Glück nicht mit verhaftet werden“, hieß es. So gehen die Grünen selbstbewusst ins Rennen um die Verwaltungsspitze, auch wenn Susanne Gaschke in der roten Hochburg Kiel als Favoritin gilt. Dass sie Torsten Albig 2009 als SPD- Herausforderer der CDU-Oberbürgermeisterin Angelika Volquartz unterstützten, sei eine andere Lage gewesen, so Meenzen: Man habe auch den Wechsel an der Verwaltungsspitze gewollt.

Bei der OB-Wahl am 28. Oktober, bei der neben Gaschke und Tietze auch der ehemalige Stadtrat Gert Meyer für die CDU antreten will, muss einer der Bewerber mehr als 50 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen. Ansonsten kommt es am 11. November zur Stichwahl zwischen den beiden Kandidaten mit der höchsten Stimmenzahl. Tietze glaubt, die Stichwahl erreichen zu können. Er sei halt Optimist.

Kiel TV sendet die Aufzeichnung der Wahl am Montag um 13 und 20 Uhr.

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OB-Wahl in Kiel
Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Kieler Landtag, Andreas Tietze, tritt zur Oberbürgermeisterwahl in Kiel an.

Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende im Kieler Landtag, Andreas Tietze, tritt zur Oberbürgermeisterwahl in Kiel an. Mit großer Mehrheit und nur einer Gegenstimme bestimmte die Grünen-Wahlversammlung am Samstag den 50-jährigen Wirtschafts- und Verkehrssprecher zu ihrem Kandidaten für die Wahl am 28. Oktober.

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