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Kieler möbeln Bundestag auf

Tischlerauftrag in Berlin Kieler möbeln Bundestag auf

923 Schränke im Paul-Löbe-Haus des Deutschen Bundestages verbinden Kiel mit Berlin. Zumindest verbinden sie die Kieler Tischlerei Zwintzscher mit dem politischen Geschehen in der Hauptstadt. Denn das Team von Geschäftsführer Mathias Jöhnck ist für Tischlerei-Arbeiten in das Regierungsviertel ausgerückt.

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Mission Berlin (von links): Helge Wittmack (Tischlergeselle), Rouven Todeskino (Auszubildender), Kevin Lenz (Tischlergeselle), Lothar Detlefsen (Tischlermeister) mit ihrem Chef Mathias Jöhnck im Bundestag. Links im Hintergrund die Reichstagskuppel, rechts das Paul-Löbe-Haus, in dem die Kieler arbeiten.

Quelle: Katrin Wilbert

Kiel. Durch eine öffentliche Ausschreibung war Zwintzscher auf den Auftrag aufmerksam geworden. „Eigentlich konzentrieren wir uns vor allem auf individuelle Tischlerei-Arbeiten“, erzählt Jöhnck, „aber hin und wieder schauen wir uns auch in den Portalen nach solchen Aufträgen um.“ So wurden sie auf die Ausschreibung des Deutschen Bundestages aufmerksam und bewarben sich für den „Austausch von Schiebetürbeschlägen an Einbauschränken“. Wie es der Zufall wollte, befand sich der Geschäftsführer Jöhnck parallel zum Bewerbungsprozedere in Berlin: „Ich war eine Woche lang für ein politisches Praktikum im Bundestag bei Thomas Stritzl.“ Weil er schon immer politisch interessiert war, nahm er ein Angebot der Handelskammer an, die Bundespolitik mal von Nahem zu betrachten. „Und wo ich schon mal da war, habe ich mir natürlich auch angeschaut, was da an den Schränken gemacht werden muss.“ Und schließlich entschied sich das Baureferat des Bundestages zwischen sieben Wettbewerbern für den Kieler Tischlerei-Betrieb. Seitdem gehen die Angestellten von Jöhnck im Paul-Löbe-Haus ein und aus. Elf Wochen waren sie jetzt schon insgesamt in Berlin. „Immer in den Ferien und an sitzungsfreien Wochen“, so der Tischlermeister. Unter den fünf Angestellten mit der „Mission: Berlin“ befand sich für zwei Wochen auch die Auszubildende Lynn Zschiegner. Von ihr sei man im Bundestag besonders begeistert gewesen: „Für uns ist das eigentlich ganz normal, dass wir auch weibliche Tischlerei-Azubis haben, aber in Berlin war das ein absolutes Highlight“, erzählt Jöhnck.

Aber was genau machen die Jungs und das Mädchen eigentlich im Paul-Löbe-Haus? „Es geht um die Regale in den Büros der Abgeordneten und der Vorzimmer“, erzählt Jöhnck. An den Regalen wurde jede einzelne Schiebetür abgebaut, die Beschläge heruntergenommen, neue Beschläge angebracht und die Türen wieder auf ihre Schienen montiert. „Das ist für uns etwas außergewöhnlich, reine Montagearbeit machen wir eigentlich gar nicht“, so Jöhnck. Zwintzscher sei, seit der Gründung 1936 von Jöhncks Großvater, bewusst ein herstellender Betrieb. Aber für den Bundestag habe man mal eine Ausnahme gemacht. Und diese Ausnahme hat sich offensichtlich gelohnt: „Es ist schon eine tolle Erfahrung für unser Team vor Ort, so ganz nah am politischen Geschehen zu sein.“ So nah, dass die Griechenlandkrise die Arbeiten der Zwintzscher-Meister direkt beeinflusste: „Eigentlich war es geplant, dass wir in den Sommerferien durcharbeiten, aber dann gab es plötzlich zwei Sondersitzungen zur Griechenlandkrise, und wir sind ... naja, rausgeflogen“, erzählt Jöhnck lachend. „Das war ein plötzlicher und ziemlich großer Organisationsaufwand. Wir hatten ja eine Unmenge an Gerätschaften in den Büroräumen liegen, und keiner wusste, wo man uns hinpacken soll.“ Schließlich seien sie dann in der Tiefgarage „gelandet“.

Neben den organisatorischen und fachlichen Herausforderungen machte das Team auch menschliche Erfahrungen: „Also die Vorzimmerdamen, das sind schon zum Teil schwierige Charaktere.“ Aber auch die wusste man für sich zu gewinnen: „Unsere Jungs sind eine richtige Charmeoffensive gefahren, haben überall Schokoriegel verteilt und sich beliebt gemacht.“ So beliebt, dass Mathias Jöhnck einen Brief von einem der Abgeordneten-Büros bekam: Im Namen des Abgeordneten und des gesamten Büros wolle man sich für die „hervorragende, zügige und professionelle“ Arbeit bedanken. Ferner hieß es im Brief: „Besonders gefreut haben wir uns auch, dass es zu keiner Geruchsbelästigung durch unsaubere Kleidung und Schweiß kam.“ Dies sei nämlich „leider nicht immer selbstverständlich“. „Mein persönliches Highlight“, so Jöhnck.

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