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„XY“ jagt Linde Perreys Mörder

Tötung in Kiel „XY“ jagt Linde Perreys Mörder

Der Fall Linde Perrey gibt der Kieler Mordkommission Rätsel auf. Die Rentnerin war im Juni 2016 in ihrer Wohnung brutal getötet worden. Die Ermittler haben bis jetzt keine Hinweise auf einen Täter. In der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ stellen sie am Mittwoch den Fall vor und erhoffen sich weitere Informationen.

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Moderator Rudi Cerne wird den Fall Perrey heute gemeinsam mit dem Kieler Kriminalhauptkommissar Lars Oeffner in der Live-Sendung präsentieren.

Quelle: Matthias Balk/dpa

Kiel. Die Tat löste in Kiel große Betroffenheit aus. Nachbarn hatten die 72-Jährige, die in einer Wohnung in der Dehnckestraße 1b lebte, schon länger nicht mehr gesehen und aus Sorge die Polizei gerufen – auch weil mehrere Pakete vor der Tür standen. Linde Perrey lag im Flur ihrer Wohnung, als die Feuerwehr die Tür aufbrach. „Die Frau wurde mit massiver Gewalteinwirkung getötet. Es deutet viel darauf hin, dass sie sich gewehrt hat“, sagte damals Stefan Winkler, Leiter der Kieler Mordkommission. Er und sein Team bekamen noch an dem Sonnabend, 18. Juni 2016, sofort Verstärkung aus anderen Kommissariaten, sodass sich nach kurzer Zeit 20 Polizisten auf die Suche nach dem Mörder machten. Einbruchspuren fanden sich nicht, ebenso keine Anzeichen dafür, dass es mehrere Täter waren. Die Spezialisten der Kriminaltechnik sicherten in der etwa 50 Quadratmeter großen Wohnung Fingerabdrücke und einen Berg an anderen Spuren. Die Ergebnisse brachten die Ermittler aber nicht weiter.

 Die Sektion in der Kieler Rechtsmedizin ergab, dass Linde Perrey im Zeitraum vom 13. bis 15. Juni umgebracht wurde. Die Mordermittler gehen davon aus, dass es tagsüber geschah, weil die Rentnerin bekleidet war. Die Beamten nutzten alle Ermittlungsmethoden. Sie befragten Hausbewohner, nahmen von einigen Speichelproben und Fingerabdrücke. Sie redeten mit den Fahrern der Paketdienste, holten sich die Mobilfunkdaten des Tatzeitraumes, sprachen mit ehemaligen Arbeitskollegen von Linde Perrey und ihrem Arzt. Die Beamten klapperten die anderen Wohnblocks ab, fragten nach Auffälligkeiten, bekamen aber keine brauchbaren Hinweise. Videokameras in der Nähe gibt es nicht. Die Beamten gehen von einem Raubmord aus, weil persönliche Gegenstände wie beispielsweise die Geldbörse und die Jacke der Frau seit der Tat nicht auffindbar waren.

Linde Perrey aus Kiel wurde Mitte 2016 brutal getötet.

Quelle: Polizei

 Im Zuge der Ermittlungen beleuchteten sie das Leben der Frau. Linde Perrey lebte zuletzt sehr zurückgezogen. „Sie war fast taub und deswegen seit 2012 auf den Rollator angewiesen, weil sie Gleichgewichtsstörungen hatte“, sagte Winkler damals. Wegen der Beeinträchtigung ihres Gehörs hatte sie mit ihren Angehörigen per SMS kommuniziert. Auch eine Freundin hat für sie telefoniert. Ebenso entdeckten die Beamten viele Zettel mit Botschaften, über die sie Informationen austauschte. Dennoch meisterte die 72-Jährige ihren Alltag gut, war oft in der Stadt, ging einkaufen, kochte sich das Essen selbst. Linde Perrey wurde in Ostpreußen geboren, lebte in den 80er-Jahren im Ruhrgebiet und seit Mitte der 90er in der Teichstraße in Laboe. 1997 zog sie in den Redderkamp nach Russee, ein Jahr später in den Hollwisch nach Ellerbek und 2002 in die Dehnckestraße. Sie verdiente ihr Geld als Sekretärin und hatte bis 2006 viele Nebenjobs auf 400-Euro-Basis. So arbeitete sie beispielsweise als Haushaltshilfe für ältere Menschen.

 Gleich nach der Tat hatte die Staatsanwaltschaft Kiel eine Belohnung von 5000 Euro für Hinweise ausgelobt, die zur Ergreifung des Täters führen. In der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY... ungelöst“ am heutigen Mittwoch um 20.15 Uhr wird der Mord an der 72 Jahre alten Linde Perrey in einem Film dargestellt. Der Kieler Kriminalhauptkommissar Lars Oeffner wird in der Live-Sendung zu Gast sein und den Fall gemeinsam mit Moderator Rudi Cerne vorstellen. Die Beamten sind für weitere Hinweise unter Tel. 0431/1603333 dankbar.

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Günter Schellhase
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