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Vom Zweckbau zum Jazz-Keller

Topfhaus Alter Botanischer Garten Vom Zweckbau zum Jazz-Keller

Ein historisches Schmuckstück wird aufpoliert: Die Stiftung zum Erhalt des Topfhauses im Alten Botanischen Garten hat Anfang August begonnen, das denkmalgeschützte Gebäude aus dem Jahr 1884/85 sanieren zu lassen.

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Nach dem Start der Sanierungsarbeiten soll das Topfhaus im Alten Botanischen Garten zumindest von außen bald wieder in neuem Glanz erstrahlen.

Quelle: Michael Kaniecki

Kiel. Bis Anfang November wollen die Handwerker im ersten Bauabschnitt mit der Erneuerung von Fassade, Dach und Fenstern fertig sein. Mit weiteren Spenden will die Topfhaus-Stiftung bis Ende 2018 auch das Innere des geschichtsträchtigen Gebäudes instand setzen und es der Öffentlichkeit für kulturelle Veranstaltungen zur Verfügung stellen.

Doch bis es soweit ist, wird es noch ein wenig dauern. „Das ist alles noch Zukunftsmusik. Uns geht es jetzt erst einmal darum, das Gebäude zu erhalten“, sagte Edda Hinrichsen aus dem Stiftungsvorstand. Rund 35 Jahre hat sie sich mit ihren Mitstreitern um die Sanierung bemüht. Ende 2015 wurde die Topfhaus-Stiftung gegründet, die das Gebäude, den Aussichtspavillons und rund 600 Quadratmeter Grundstück von der Uni Kiel gekauft hat. Im Februar wurde es dann konkret: Das Landesministerium für Justiz, Kultur und Europa stellte einen Förderbescheid über 200000 Euro aus, die gleiche Summe kam aus einem Denkmalschutzsonderprogramm des Bundes dazu. Mit den öffentlichen Mitteln stand die Finanzierung des ersten Bauabschnitts. Für eine vollständige Erneuerung rechnet die Stiftung mit Kosten von rund einer Million Euro, die durch Spenden finanziert werden sollen. „Dafür wollen wir auch die Kieler Bevölkerung aktivieren“, sagte Hinrichsen.

Pläne der preußischen Bauverwaltung

Das 31 Meter lange und fünf Meter breite Backsteingebäude ist laut Dr. Margita Meyer vom Landesamt für Denkmalpflege ein „besonderes Denkmal der Botanikgeschichte in Schleswig-Holstein“. Der Name Topfhaus leitet sich aus der früheren Verwendung ab: Hier wurden die seltenen und exotischen Pflanzen umgetopft und in mittlerweile abgerissenen Gewächshäusern gezüchtet. „Es ist ein schönes Gebäude preußischer Bauart“, schwärmt der zuständige Architekt, Dirk Salehi-Jens. „Die Konstruktion ist funktional, hier wurde Regenwasser gesammelt und erwärmt, um es für die Gewächshäuser zu nutzen. Da wurde absolut nachhaltig gearbeitet.“ In dem Gebäude befanden sich früher neben den Umtopfräumen noch eine Wohnung für den Heizer, ein Zimmer für den Gärtner und ein Kohlenkeller. Errichtet wurde es nach den Plänen der preußischen Bauverwaltung.

Bis das Topfhaus wieder genutzt werden kann, liegt noch viel Arbeit vor den Handwerkern. Im preußischen Sichtmauerwerk hat sich ein Hausschwamm ausgebreitet, erläuterte Salehi-Jens. Zudem müssten einige Steine ausgetauscht sowie Treppen, Geländer und die Haustür instand gesetzt werden. Auch das Flachdach wird wiederhergestellt, allerdings unter erschwerten Bedingungen. „Da wurde ein Holzbau in Stahl ausgeführt und das ganze Dach mehrfach umgebaut“, berichtete der Architekt. „Da muss man erstmal gucken, wie man das macht.“ Zudem sei auch der Erhalt der preußischen Kappendecken eine Herausforderung, schließlich müsse man die Besonderheiten denkmalrechtlicher Vorgaben berücksichtigen.

Doch der Stiftungsrat mit Edda Hinrichsen, Günter Horstmann und Klaus Ripken ist zuversichtlich, das Gebäude im preußischen Stil bald wieder zu neuem Leben erwecken zu können. Und wenn alles gut läuft, geht der Traum der Bauherren in Erfüllung: ein Jazz-Keller, wo einst die Kohlen für den Ofen lagerten.

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Alter Botanischer Garten
Foto: 400 000 Euro gab es von Land und Bund zur Sanierung des Topfhauses im Alten Botanischen Garten. Im Bild von links: Günther Horstmann, Mitglied des Stiftungsrates, Mitinitiatorin Angelika Volquartz, Staatssekretär Eberhard Schmidt-Elsaeßer, die Vereinsvorsitzende Edda Hinrichsen, Margita Meyer vom Landesamt für Denkmalpflege, der zweite Vereinsvorsitzende, Reinhard Laszig.

Kultur-Staatssekretär Eberhard Schmidt-Elsaeßer hatte 400000 Euro in Form eines Zuwendungsbescheids dabei. Mit Hilfe des Geldes – jeweils zur Hälfte von Land und Bund – soll eine inzwischen verblasste historische Perle der Stadt künftig wieder glänzen: das sogenannte Topfhaus im Alten Botanischen Garten.

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